Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 3 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Preußen und der vr. Blumenstein aus Mannheim der 1. Armee unter dem Oberbefehl des General» der Kavallerie Freiherr» von Manteuffel zugrwiesen worden ist. Die gmannten Oberbefehlshaber habm durch da» König!. Kriegs - Ministerium die erforderliche Mittheilung erhalten. Der Minister der geistliche», Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten. v. Mühler. Die beigelegten Legitimationen sind von dem Vertreter des Kriegsministers, von Klotz. bereits am 15. Dejember auSgefrrtigt (es erklärt sich darau» zur Genüge, daß di« „Nordd. Allg.Zest." bereit« vor 14 Tagen die Nachricht bringen konnte.) Sie stimmen wesentlich mit dem Wortlaute obigen RescriptS überein, nur ist in demselben gesagt, daß „eine Mundportion gleich den christlichen*) Feldgeistlichen und daß freie Fahrt der zweiten Wagenklaste gewährt wird. Auch heißt es darin: „Alle Militär- und Civilbehörden werden ersucht, dem ... zur Erreichung seines Zweckes jede thunlichste Unterstützung, auch erforderlichen Falles den nöthigen Schutz und Beistand zu gewähren." Irr. Wochenschrift. Au« Utttetfvaufen. Die A. allgemeine Zeitung theilt aus der Correspondenz Havas Folgendes über eine großartige jüdische, religiöse Feier mit, welche in Paris am 19. im Consistorial- Tempel stattfand. ES sollten feierliche Gebete für die Ruhe der israel. Tobten, welche auf dem Felde der Ehre gefallen sind, gehalten, und Almosen für die Wittwen, Verwundeten und die Kinder der Gefallenen gesammelt w rden. Nach Gesängen aus den Psalmen Davids hörte man das Gebet der Befreiung. Der Großrabbiner von Paris, Herr Zadok Kahn, bestieg die Kanzel und lobte die zahlreichen iSrael. Helden, welche für die Befreiung ihres Vaterlandes gefallen sind. -In beredten Worten sprach er von den berühmtesten, wie dem Commandanten Franchette, von den weniger bekannten, wie den' zahlreichen Soldaten, niedergemäht in Mitten der Reihen der Armee. Der Großrabbiner von Frankreich, Hr. Isidore, sprach sodann ein Gebet für Frankreich, und verfluchte in erhabener Sprache die Geißel de» Krieges: „Gott" sagte er, „segnet die hl. Kriege, die der Befreiung. Gott verflucht die Kriege der Eroberung und des Ehrgeizes. Die Makkabäer, David, besten *) Auf der Adresse lautet der Titel „jüdischen Feldseelsorger" — also doch nicht „Geistliche." Es geht nichts über Consequenz, die stets noch ein Psörtchen, durch welches sie die eigene Seele rettet, zu finden weiß. Oder soll angedeutet sem, daß man auch nur für die Seele der Herren sorgen wolle, da die ,Mundportion" der christlichen" Geistlichen allerdings den Magen der jüdischen Seelsorger nicht füllen kann? Medaction der Wochenschnft.) Psalmen wir sangen, sind die Erwählten de» Himmel»; die Eroberer, besudelt mit Blut und goldmen Lorbeeren, sind verflucht von Gott." Die Ceremonie wollte eben schließen durch eine Collekte,, als der Sekretär des Konsistorium», Herr Albert Cohn, wohl bekannt unter den Armen von Paris, da» Wort nahm, nnd einige bewegte Worte an die Zuhörer richtete: „ES gibt mehr als 100 OOO Juden in der preutz. Armee; sie thun ihre Pflicht als Preußen aber ihr Herz ist französisch, denn es ist da» siegreiche Frankreich von 1792, dem sie ihre Unabhängigkeit verdanken. (?) Btten wir für sie, meine Freunde, und danken wir hier dem Franzosen, welcher Minister de» Auswärtigen ist. In einem jüdischen Hause zu Ferrtexes hat er edelmüthig Worte deS Friedens gesprochen, in einem jüdischm Hause haben unsere Feinde den Gott der Barmherzigkeit und der Menschlichkeit beleidigt, in dem sie es verschmähten, unsere Regierung zu hören. Gerechtig-' keit GotteS wird geübt werden " Dieser Feiealichkeit wohnten viele Notabilitäten bei; genannt werden die HH. v. Rothschild, AnSpach Crsmieux*) Halphen, Cohen, Levy, Lazare u. s. w. dann.noch eine große Anzahl Offiziere der Armee und der Nattvnalgarde. (Wir sehen, worauf sich da« Geschrei bezieht, das so viele Zeitschriften allarmirte. Wenn wir auch^ mit allem Ernste gegen die Verdächtigung der deutschjüdischen Soldaten protestiren, die in den obigen Worten Alb. Cohns ausgesprochen ist und die durch die Thaten der deutsch-jüdischen Soldaten Lügen gestraft werden, so thun wir dies doch mit dem Vorbehalte, daß die Uebersetzung und der Wortlaut genau so ist, wie oben angedeutet, was wir übrigens bei der hohen Einsicht und dem edlem Character Albert CohenS sehr bezweifeln. Daß eine Entstellung solcher Worte in der Gegenwart sehr möglich und sogar wahrscheinlich ist, versteht sich von selbst. Redaction.) Rom, im Dez. Es scheint, als sei eS vom Schicksal bestimmt, daß den Israeliten beim liebergang in die neue Aera zugleich die Bitterkeit der alten Zeit und die Süßigkeit der neuen auf einmal fühlen sollen. Während durch die Ueberschwemmung der Tiber insbesondere >daS Ghetto fürchterlich gelitten hat, wurde uns als eine Folge der Emäncipation durch den König von Italien die Wahl zweier jüdischer Stadträthe in Rom gemeldet und zwar der Herren Samuel Aletri und, Settimo Piperno. Es zeugt wieder von der Zähigkeit, der Intelligenz und geistigen Regsamkeit der Israeliten, daß auch das römische Joch ihre geistige Regsamkeit nicht unterdrücken konnte und jetzt *) Offenbar ein bezeichnender Lapsus, der die Leichtfertig-" keit des ganzen Bericht der Jndepedance, der Quelle aller einschlägigen Berichte, beleuchtet; ErLmieux war bekanntlich zu dieser Zeit in Bordeaux. (Redaction.)