Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 3 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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die freundliche Aufnahme, b'-üderliche Unterstützung und volles Verträum für unfem Freund und Liebling Benjamin F. Peixotto. Freundlich gesinnten europäifchm Blättern wird dieser Aufsatz zur besondern Kenntnißnahme empfohlen. Air Vergangenheit und Ankunft Vatästinas. Unter dieser Ueberschrift theilt die englische Zeitschrift „The Quiver“ (der Köcher) Folgendemit: Wenn der Reisende unter der brennenden Hitze voran schreitet, ohne daß irgend Etwaseine Gedanken stört, - wenn sein Roß die Seiten der grauen Hügel erklettert oder in die schwülen Wadis hinabreitet, so mag er sich wohl oft verwundert fragen, ob da» wirklich das „Gelobte Land" sein kann, nach dem Moses sich sehnte und da» von manchem königlichen Dichter besungen worden ist. Man denke sich eine scheinbar unendliche Reihe von grauen, abgerundeten Hügeln — ( inan laste diese Hügel mit Myriaden von zerstreuten Kieselsteinen von jeder Form und jeder Größe bedeckt sein, während die Vegetation auf denselben dünn und armselig ist uud meileuweit sich keine Zeichen de» Leben» weiter bemerkbar machen, al« hier und da ein einsamer Schäfer, welcher seine Heerde weidet — und man wird eine ziemlich richtige Vorstellung ty>n dem Lande Judäa habm. Aber diese« Land voller Trümmer und unförmlicher- Hügel ist nicht da» Jndäa SalomonS oder Hesekiah'S oder selbst Josua'S. Man kröne jede Höhe mit einer starken und prächtigen Stadt, bekleide die Seiten der Hügel mit Weinbergen in Terrasten oder mit schattigen Waldbäumen, vervielfältige zu Tausenden die Palmen, Feigen, Oliwenbäume, Terebinthen und Johannisbrodbäumc, vergrößere die Zahl der Brunnen und Bäche und fülle Ae Wadis mit zahlreicheren Gewässern, und anstatt dßeser wmigen traurigen Fellah'S mit ihren alten Fljnten und Keulenstöcken denke man sich daS Land mit> einer zahlreichen, edlen, thätigen und intelligenten Bevölkerung, und dann wird man ein Bild haben, was Palästina früher war und wa» es dereinst wieder werden mag, wenn eS nicht länger unsicher ist und wenn irgend eine höhere Macht dem elenden, kränkelnden Verfall, der langsamen Abzehrung, dem vertrocknmden Fluche de- Islam Stillstand geboten hat. Unter der Sorge einer kräftigen, civilisirten Regierung, ja selbst unter der eisernen Herrschaft eine« tüchtigen ManneS würden die Räubereien der Beduinen, das Plündern, die anhaltenden Blutfehden, alle Semen de» Elends und der Verzweiflung, die Zeichen von Schmutz, Apathie und Gleichgiltigkeit schnell verschwindm. Wäre Syrim nur zwanzig Jahre lang im vollen Besitz England« oder ^Frankreichs, so würde eS in da« schönste, köstlichste Land umgestaltrt sein. Fünfzig Jahre würdm e» in rin Paradies verwandeln, worin ohne Uebertreibung Milch und Honig flössen, da» wie ein natürlicher Garten mit Blumen von allen Farbm und zahllosen Pflanzungm von Weinrebm, Feigen, Maulbeerbäumen und Pcsimen bedeckt wäre, in dem Eich« i und Terebiuthm ihren kühlenden Schatten verbreiteten, das reich mit Teichm, Eisternen und Brunnen versorgt wäre, von reichen Strömen dauernder Quellen bewässert, deren Gewässer man durch Aquädukte nach den Städten leiten würde; dessen große Ebmen reiche Erntm von Weizen, Gerste, Mais, Tabak, Indigo, Wicken rc. rc. liefem würden; die aber in Weinberge umzewandelten Hügel würden die schönsten Traubm liefern, wie sie kein Land herrlicher erzmgen könnte. Man wird ganz aufgebracht, wmn man sieht, daß ein solche» Land, welche» der Sitz des glücklichsten Volke» sein könnte, furchtsamen, unwissenden, schmutzigen Landleuten, die kaum Math genug haben, die schönsten, fruchtbarsten Stellen zu bebauen, welche weder ste, noch ihre elende Regierung gegen Räuber beschützen können, nur eine elende Subfistmz -verschafft. Was läßt sich aber für diese» schöne Land hoffen, so lange es unter den schläfrigen, verweichlichten und eingebildeten Türken*) zur Unfruchtbarkeit verurtheilt ist? Aber wir nähern un« schnell der heiligen Stadt. Wenn wir jene Pflanzung von zerstreuten Olivenbäumen passtrt haben werden, so werben wir unter ihren heiligen Mauern sein. Unsere Pulse schlagen schneller; selbst unsere Rosse scheinen von dem Gfer unserer Geister beseelt. Roch immer frisch nach dem Ritt des langen Tages beginnen sie zu galoppiren; die ehwürdigen Stadtmauer^ Thürme, Moscheen, MinaretS sind vor un», und wir sehen unser weißes Zelt auf einem sreeundlichen Rasenplatz, nicht weit von dem ruistschen Hospiz, zwischen den Thoren von Jaffa und Damaskus aufgeschlagen. Wir werden in der folgenden Nacht unter dem Schatten der Mauern von Jerusalem schlafen und vor Sonnenuntergang werden wir nach Zion und rund um dasselbe herum gegangen sein und die Thärme gezählt haben. *) Es ist selbstverständlich, bah wir in diese Zurücksetzung des Islam, dem Christenthum an und für sich gegenüber, nicht einsttmmen. Unsere Zeit hat bewiesen, daß Rußland und die Donausürstenthümer vor der Türkei nichts voraus haben. Red.