Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 3 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wort des Magistrats atf die von Herrn Nolte am Schlüsse des vorigen Zahres gestellte Interpellation, die Erlheilung de- Berechtigungs-Scheines zum einjährigen Militärdienst auch auf die christlichen Zöglinge - der israelitischen Realschule auözudehnen, zur Kenntniß der Versammlung. Der Magistrat erklärte, er habe nach dem Vernehmen der betreffenden Schulbehörde unter dem 26. Zan. 1869 den Antrag mit einer unterstützenden Eingabe an die Regierung, Abtheilung für Kirchen und schulen, gerichtet, auf dieselbe jedoch noch keine Verfügung erhalten. Er habe aus der erfolgten Interpellation - Anlaß genommen, die Sache abermals in Erinnerung zu .bring n. Hr. Nolte bemerkte dabei, es fei nun bald ein Zahr her, daß die Sache in Anregung gekommen; hätte man sich derselben angenommen und sich eifriger betrieben, so würde sie vielleicht schon durchgesetzt sein: — Aus Kr«rkfurt a. M läßt sich die neubegründete „ungarisch jüdische Wochenschrift" wie folgt berichten: In einer Zeit, in welcher der Krieg mit seinen Wirren und Wehen die Nerven aller Volksschichten mächtig erschüttert und alle Kräfte im Staat, in der Gemeinde und Familie auszrhrt, ist es kein Wunder, wenn die Institutionen zur Förderung der Religion und Cultur nicht in Aufschwung kommen und hierin sich ein gewisier Stillstand zeigt. Um so freudiger begrüßen wir die Thalsache, daß ein nngarisch-jüdisches Organ zur Förderungwahrer Religiösität und Blldung seine Forterhaltung dadurch -zu sichern bestrebt ist, daß es sich ünter die Aegide einer wackern Redaction stellt. Gerne will Einsender diesen Zweck durch seine Beiträge zu' fördern suchen und eröffnet er den ersten derselbkn mit einem innig gemeinten: Glück auf! Schreiber dieses lebt' in der Nähe der Stadt Frankfurt und indem er von Zeit zu Zeit das Be? dürsniß fühlt, sich öffentlich zü erbauen, besuchte er sowohl die Synagoge der ReligionSgesellschast als dieGemeindesynagoze dieser Stadt. Erste« mochte er schon darum nicht mehr als ein Mal besuchen, weil dort fühlbarer Mangel. am .Raum ist und besonders für Fremde nicht die geringste Sorge getragen wird, so daß man riskirt, von einem Orte zum andern, und das eben nicht sanft, geschoben zu werden, abgesehen , davon, daß der Gottesdienst noch in ganz veralteter Weife abgehalten und selbst die herkömmliche Unordnung und Xnruhe nicht vermißt wird. Wenn ich mich in der Gemeindesynagoge eher erbauen konnte, so machten wieder die vielen leeren Plätze einen unangenehmen Eindruck; man sah so, gar Viele, die nickt anwesend waren, gestern Abend nun pilgerte ich nach der eine halbe Stunde von meiner Wohnung entfernten Westendsynagoge, um raun zu feiern. Gerne bekenne ich, daß dieser kleine Tempel mit seinem sinnig geordneten Gottesdienste, mit seinen angemessenen deutschen Gebeten, mit dem schönen Gesang« und der trefflichen Predigt, mit seinen stark besetzten Bänken und seiner feierlichen Sülle ganz dazu angrthan ist, auf da» Gemüth wohlthätig einzuwirken. Besonders konnte die herrliche Predigt ihren guten Eindruck nicht verfehlen, da sie von ihrem Them« „Licht und Weihe" Anlaß nahm, der Ausbreitung des Unglauben«, der sich im Lichte glaubt und keine Weihe hat, sowie dem finstern Treiben falschen Religionseifers, der sich die Weihe ohne Licht anmaßt, entgegenzutreten und bei dieser Gelegenheit die Modesucht in religiösen Dingen geißelte, welche raun al« veraltet erklärt und das nichtjüdische WeihnachtSsest dafür eingesetzt hat. Der Redner (vr. L. Stein) beklagte die Thatsache, daß in dem jüdischen Hause vielortS nicht darnach gestrebt wird, die Zugend durch die sinnigen und historisch bedeutungsvollen Gebräuche der isr. Religion zu erziehen und damit der Erziehung jene religiöse Weihe zu geben, die daS elterliche HauS zum Tempel macht. Als nach Schluß der Predigt das Chanukalied von der Zugend gesungen ward m jenen unter den ZSraeliten allbekannten Klängen des „MoauS zur," da mag in dem Geiste vieler Zuhörer gar manche Zugenderinnerung vorüber gezogen sein und ihnen daS Bild des innig gemüchlichen Lebens im Vaterhause vorgeführt haben, wie es auch beim Schreiber dieses der Fall war, dem diese Erinnerung eine Thräne entlockte. Zch habe in der Westendsynagoge gefunden, was ich gesucht: Erbauung! Stettin, 5. Januar. Bei dem Herausgeber der „ Wochenschrift " ist nachstehendes Rescript des CultusministerS eingegangen: Berlin, den 31. Dec. 1870. Ew. rc. benachrichtige ich auf die Eingabe vom 17. v. M., daß mit Genehmigung de« Herrn Kriegöministers den zur Wahrnehmung der Seelsorge bei den jüdischen Soldaten auf dem Kriegsschauplätze zugelasienenPersonen freies!) Eisenbahnfahrt auf Kosten der Militärverwaltung, sowie freies Quartier und je eine Mundportion im feindlichen Lande gewährt werden wird. Auch sind nach Ihrem Wunsche für diejenigen drei Personen, welche sich zur Uebernahme der beregten Functionen zur Zeit gemeldet haben, die beifolgenden Legitimationen ausgefertigt worden, deren Aushändigung Sie gefälligst bewirken und woraus Sie zugleick ersehen wollen, daß der vr. Lewin auS Pinne der 3. Armee unter dem Oberbefehl des Kronprinzen von Preußen, der vr. Benjamin R i p p n e r aus Lisia der 2. Armee unter dem Oberbefehl Sr. Königl. Hob. deS Prinzen Friedrich Karl von