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Der israelitische Lehrer · 1871-01-03 · 3 (3.1.1871) · p. Seite 18

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
3 (3.1.1871)
Date
1871-01-03
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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— 18 — MoseS nicht ttze Bede»tu»g eine« stellvertretenden Opfers, dem die- Schuld ' des GkuderS imMtirt werden wäre, sondern, wie die Bedeutung aller Opfer, ist auch diejenige des SühueopferS keine reale, sondern eine symbolische. Ja dem Ritual des 2"' ist demnach auch “'tntj? von Allen falsch gedeutet worden, welche an eine Imputation der Sünde und Entfernung derselben in die Wüste dachten oder in diesem Wprte so-. gar, mit Aufgebung de» monotheistischen Gedankens, eine heidnische Repräsentation der^Sünde durch eine .fremde Gottheit suchten. Der Talmud (Jom. 67b.) »klärt richtig 2«;;j?, aber es ist nicht wahrscheinlich, haß eS der wirNiche oder symbolische Name eines Felsen*) gewesm sei;, vielmehr ist eS wohl Bezeichnung der Natürkräft GokteS gleich 'iv, welche in der Wüste besonders und vorzüglich in die Erscheinung trat. _Beiden, dem Naturwie OffenbarungSgotte, wurde x das gleiche Opfer dargrbracht und so am besten die Einheit des in der Natur erkannten und bisher ver- ' \ Zehrten und des in der neuen Lehre geoffenbarten r ' GotteS dargethan. So widerspricht dieser Dienst nicht dem Monotheismus, sondern steht in voller Uebereinstimmung mit ihm. — Das Fasten am 2".i' scheint nicht ursprünglich zu, sein; ON'ipi heißt nicht „fasten", das beweist Sifra z. St., wo die Bedeutung „fasten" erst mittels talmudischer-Hermeneutik künstlich gefolgert wird. Di« Einsetzung bestimmter Fasttage ist wohl erst mit dem Exil aufgekommeu und zwar zunächst für ExilSleiden. Der Prophet Zacharias (8, 19) kennt wenigstens das Fasten des 3*n' noch nicht; 4 eS ist auch durch Nichts erwiesen, eS ist vielmehr unwahrscheinlich (vgl. Jes. 58, 3: psn.. upjjn..), daß daS Fasten des zweiten JesaiaS sich auf diesen Tag beziehe. Der eigentliche Ausdruck für „fasten" ist _cis, den die Thora nicht kennt orvjyi heißt „Demüthigung," aber nicht des Leibe« (Kasteiung), sondern der Seele (02'0ivru), also Sinnesänderung (jxetdi oia). Die Einrichtung de' Fastens am 2"', wie die Verherrlichung seiner rituellen Feier nach der tradirten Schilderung des Talmuds gehört wohl der Makkabäerperiode an, wo das Hohepriesterthum zur neuen Anerkennung kam und mit vermehrtem Glanze umgeben wurde. Rosch Haschanah wird als solches in den biblischen Büchern nicht erwähnt. Es . ist das Fest des ersten Tages des siebenten Monats, welches die Thora als nynn jror (Lev. 23, nynn oi\ Num. 29). „Erinnerung durch das Blasen," „Tag deS Blasens" hezeicknete. Num. 10, 1, enthält nämlich Anordnun- *) 9iach Ihn Esra in der Ziähe des Sinai gelegen. Wie paßt dazu der Cultus der späteren Zeit, welcher den Bock in die imhe bei Jerusalem' gelegene und zu den Gebirgen Zuda's gehörige Wüste (?-m> umj sandte g«n über da« Blasm mjt Trompete» (rn^sirn), und zwar zunächst für da« A)>fbrechen d)K ^aqekst in der Wüste. Hierfür werden zwei verschiedene"Signale angegeben: nrpn, „ein ununterbrochener, anhaltender Stoß in die Trompete," undnynn, „ein abgebrochenes Tönen der Trompete;" da« erste Signal galt dem Fürsten-, das zweite dem Volkslager. Außerdem diente das erste Sig»»l auch noch zur Versammlung des Volks; ein Jrrthum war hierbei für das Fürstenlager wohl nicht möglich, weil der Aufbruch de« Lager« oder die Volksversammlung die Mitwissenschaft der Fürsten (o’K’ffj) voraussetzte. Dies wird sonderbar genug als eine Anordnung bezeichnet für ewige Zeiten (c2ip npti2), während die Situation desselben offenbar nur für das Wüstenleben paßte. Man muß demnach der Ewigkeit dieser Anordnung nothgedrungen eine beschränkte Aurdtchnunp ßrbeitz wenn man nicht hierin schon den Anfangs emeS späteren Zusatzes erkennen will. Die Anordnung beS BlasenS nämlich für Kriegs- und festtägige Zwecke, welche nun folgt, hat eher Anspruch auf ewige Dauer, gehört aber wohl einer spätem Zeit an. Denn die Bestimmung für Kriegszwecke bei einem bedrängenden Feinde (-nsn is~) kann unmöglich in die Periode des WüstenlebenS fallen. Derartige Kriege waren ja durch zufällige, ä>»- ßere Umstände bedingt; die Bestimmung darüber weist daher auf die Richterperiote hin, wo derartige Kriege geführt wurden.*) Es galt hierbei wohl dem Aufrufe dcS Volks zum Kriege; daS Signal hierfür war nynn. Da der Krieg als ein heiliger galt, so war mit dem Aufruf und dem Signal hierfür die Verheißung des Sieges und daS Vertrauen darauf verbunden (orrou; ...□nyenji...). Aus dem Signal des, ny’pn für Volksversammlungen (V. 7) eutwickelte sich die Sitte der Zusammenberufung für festtägige Versammlungen zu Opfer- und gottesdienstlichen Zwecken (V. 10). Auch hier liegt da« m2i^> 022 rm nicht allein in den Tönen des Instruments, sondem in den heiligen Zwecken der Versammlungen.**) Auch sprachlich ist dies allgedeutet: i'.ni bezieht sich auf doti^ij/ und 02’Dber T12:. An Neumonden wurde geblasen; der Neumond des Tischri wurde in Rücksicht auf die besondere Heiligkeit dieses Monats geradezu zum Festtage. Dem Bla- *) Tie Erzählung Jos. 6 ist anderer Art; es ist von ■>:rt bte Rede, ist wunderartig oder masquirt einen kriegerischen Sturmangriff und steht außerdem vereinzelt. **) Nach 2. Chron. 13, 12, 14 u. 15, scheinen die Töne selbst eine direkte Einwirkung auf den Zweck gehabt zu haben, so daß sie nicht bloß Srgnal waren, sondern das Gebet begleiteten und den Hülfcschrei nachahmten (B. 14: ...ijwJ'i). Darum übersetzt auch Targ.: rrnn o» mit tor -»>, „Tag des Weinens," weil die Töne des Blasens, dem Eharacter des Tages gemäß und den Gebeten anpassend, Klagetöne, Töne des Flehens waren (vgl. unten). ' /■

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