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Der israelitische Lehrer · 1871-01-11 · 2 (11.1.1871) · p. Seite 13

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
2 (11.1.1871)
Date
1871-01-11
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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Soll der Aetigionslehrer auf dem c/ande seinen Schülern auch in den Hlementar- «nd Aealfächern öeyülflich sein? Bon Lehrer G. Rothschild in Grötzingen. Als der Schreiber dieser Zeilen vor 2 Jahren, nach seinem Austritte aus dem Seminare, dem Großh. Kreisschulrathe in Karlsruhe seine ,Aufwartung machte, kam man auf obenbezeichneteS Thema zur Sprache. Nachdem der Herr Kreisschulrath mir die Mittheilung gemacht, daß beinahe in allen gemischten Schulen, die seiner Leitung unterstellt sind, die israelitischen Kinder die ersten Plätze einnehmen, sprach er den Wunsch aus, daß die Religionslehrer auf dem Lande sich, ihrer Schüler auch in den Elementargegenständen annehmen möchten. Dieser von dem guten Manne so herzlich ausgesprochene Wunsch, gab mir Veranlassung, über Folgendes nachzudenken:- 1) Wie kann der Religionslehrer auf dem Lande seinen Schülern in den Elementargegenständen behülslich sein? und 2) welcher Nutzen entspringt hieraus für den betreffenden Lehrer? Ich schreite zur Beantwortung der ersten Frage. ES ist eine unbestreitbare Thatsache, dieselbst von judenfeindlichen Pädagogen zugegeben wird, daß die israelitischen Kinder im Verhältniß zu den christlichen im Allgemeinen sich viel eher entwickeln, und daß sie überhaupt da sich besonders Hervorthun, wo specirll das Denken beansprucht wird, z. B. beim Rechnen. In den gemischten Schulen und auf dem Lande, wo die überwiegende Mehrzahl der Schüler Christen sind und im Verhältniß nur eine verschwindend kleine-Zahl der jüdischen Confesston angehören, muß der Lehrer den Weg einschlagen, der für die meisten seiner Schüler als der beste und nützlichste sich erweist. Manche unter den Schülern und darunter besonders die israelitischen, die auch, entbunden von den Feldgeschäften, für die Hausaufgaben ziemlich Zeit erübrigen, würden nun ihren Mitschülern vorauseilen, und dadurch eher denj Forderungen der Gegenwart entsprechen, hätten nicht die*Lehrer ihre Hauptanfmerksamkeit der größeren Masse zuzuwenden. Bleiben nun die Resultate, der Volksschule selbst bei den bessern Volksschülern weit hinter denen der Bürger- und Töchterschulen zurück, so ist hieran weder dem Lehrer noch dem Schüler die Schuld zur Last zu legen, sondern Ort und Zeitverhältnisse fallen hier zu gewichtig in die Wagschale und legen der fortschreitenden Entwickelung und Bildung einen Hemmschuh an. Hier nun ist der geeignete Zeitpunkt, wo der Religionslehrer fördernd, entwickelnd, bildend und veredelnd eingreifen kann. Da die meisten Religionslehrer denselben Bildungsgang wie ihre christlichen College» durchgemacht haben, so sind sie auch in den Stand gesetzt, als Lehrer in den Elementarfächern zu wirken. Gehen wir von der Befähigung derselben weiter zur Unterrichtszeit, so findet sich hierzu oft Gelegenheit. ' Wenn der Lehrer 1/2 Stunde vor beendigtem Religionsunterrichte, der ja auf dem Lande oft auf viele Stunden des Tages ausgedehnt ist, die Aufgaben seiner Schüler für die Volksschule seiner Correctur unterwirst, Anleitungen, Winke gibt, so kann er dadurch viel Ersprießliche« erwirken. Findet er unter seinen Schülern besonder« begabte und fleißige und ertheilt ihnen eine besondereweitere Aufgabe, so kann diese dem Lehrer nur kleine Mühe aber große Freude bereiten. Gibt er auf einen Samstag Mittag ein kleines Gedicht und mit der Zeit ein größeres zum Auswendiglernen auf, erklärt den Kindern den Inhalt', macht sie bei dieser Gelegenheit etwa« näher mit dem Dichter .bekannt, so führt er seine Kleinen allmählich -in das große Gebiet der Literatur ein, das ihnen vielleicht in der Volksschule mehr oder wenig verschlosien bleiben wird, in dem sie aber nach und nach immer länger und lieber verweilen wollen. , Schließlich wird die Gründung einer Bibliothek von großem Nutzen sein. Die Mittel hierzu, sind leicht zu beschaffen, denn mit einer -freiwilligen, wenn auch kleinen Gabe eines jeden Kindes wird sie je nach der Einlage, in bescheidenerem oder größerem Maßstabe gegründet und mit wöchentlichenBeiträgen unterhalten. Die Kinder werden dadurch noch mehr in den herrlichen Garten der Literatur eingeführt, lernen Charaktere, Dichter kennen und werden bald so heimisch darin werden, daß ihnen der Gang zu diesem Garten der liebste Spaziergang ist, von dem sie die schönsten Blumensträuße, die Hitze nnd Kälte, Wochen und Jahre überdauern, mit nach Hause nehmen. Wohl wird mancher meiner Hr. College« beim Durchlesen dieser Zeilen die Achsel zucken und staunsnp fragen : Also den schon, ohnedies mit Religionögegepständen bunt beladenen Wagen noch mehr erschweren? And warum dieses Anhängsel? Wahrscheinlich wegen der Größe de« GehaltS, oder der Freundlichkeit von Seiten der Gemeinde? Mit der Beantwortung dieser voraussichtlichen Frag« beantworte ich auch die im Thema angegebene zweite Frage. Erwächst auch für den Religionslehrer durch dm angegebenen Wink einige Mühe, so ist doch der darau« entspringende Nutzen gar nicht gering anzuschlagen. — Stellt sick der Lehrer seinen Kindern auch in den Realen hilsteich zur Seite, so werden, wie sckon angedeutet, dieselben bald ihrem Ziele immer näher kommen. DrS Lehrers Herz wird alsdann durch dieses Nefültat von jenen Empfindungen bewegt

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