Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-01-11 · 2 (11.1.1871) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
2 (11.1.1871)
Date
1871-01-11
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433760--3241-4899508
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 11 — haltsamkeit von weltlicher Arbeit und durch die Be- > stimmung diese« Tage« zu rein geistigen und sittlichen > Zwecken wohnt ihm aber auch die Kraft in, den Menschen über die Welt zu erheben und ihn so Gott ähnlich und ebenbildlich zu machen (...enp o i\m D'tnp Vivip'' >. DaS Sabbatgebot hat darum mit Recht seine Stelle im Decalog, denn eS repräsentirt nicht ein äußerliches Cerewonialgesetz des JudenthumS, sondern enthält die erste Grundlage wahrer Gotteserkenntniß und bietet das Mittel zu erneueter und sich stets rervollkommnender Versittlichung dcö Mensche». Wenn nun aber selbst der Decalog eine Abweichung schon in der äußerlichen Anordnung des SabbatgebotS enthält (*oi und ivv), so sind diese Abweichungen nicht zufällige, sondern als principielle bereits von den Rabbinern d-r Vorzeit anerkannt worden (vgl. Mechilta) Rur wird der Widerspruch nicht begriffen; der Versuch, ihn durch ein Wunder zu lösen (inx tona),. läßt ihn eben ungelöst. Der zweite Decalog läßt nämlich das ursprüngliche Princip des Sabbatgebots, die ideelle Beziehung zur Schöpfung, fallen (-o;) und legt zu praktische u Zwecken (isir) die Beziehung zur Befreiung aus den Sklavenverhältnissen Aegyptens zu Grunde, womit sich das Printip der Freiheit und Gleichheit der Menschen und ihr<r sittlichen Bestimmung verbindet. Im Kidusch-Gebet finden sich beide Begründungen nebeneinander (jvewo r.B'yDP )roj und onso rN’yp ist); die exilischen Propheten dagegen betonen überall die praktische Seite der Sabbatfeier, nach Anleitung des zweiten DecalogS zur'Sabbatruhe und Heiligung ermahnend, und deren Entweihung und Störung tadelnd (Jes. 56. 58; Ier. 17; Ez. 20 22; Reh. 10,13). Wir haben hier ein deutliches Fingerzeichen für die Zeit, in welcher dieser Umschwung der Anschauungen Statt hatte und diese Modification der Sabbatidee, wie diese Abänderung des Sabbatgebots vorgenomnien worden ist. In den Sklavenverhältnissen Babylons^ war die Erinnerung an die vormalige Befreiung aus den noch drückenderen und ungünstigeren Verhältnissen Aegyptens und die ermuthigende Auffrischung der Erlösungsberechtigung angezeigt und geboten. Bei der Sistirung aller sonstigen cultuellen Einrichtungen ward in der gehobene? ren und strengeren Sabbatfeier daSgeeignete Mittel erkannt, daS religiöse Bewußtsein wach zu erhalten und sittliche Versinkung zu verhindern. Auch hatte die selbst für den Sklaven gebotene Sabbatruhe den Nutzen, die politische Lage Israels unter der Fremdherrschaft zu verbessern und die Befreiung vom Sklavenjoche vorzubereiten. Die Feste Peßach, Schowuot und Succot. Dem ersten und dritten. Feste liegen geschichtliche und nationale Ereignisse und Erinnerungen zu Grunde; jenem die Befreiung aus Aegypten, diesem die Erhaltung Israels in der Wüste. In dieser Weise werden beide Feste auch mvtivirt, Succot an Lev. 23, Peßach an Deut. 16. Außer Peßach ist aber keines diescr Feste in der Wüste gefeiert worden. Don Peßach ist dies ausdrücklich. Nstm. 9 bemerkt, obwohl - Sifre aus rituellen Gründen auch diese Feier nur auf den Stamm Levi beschränkt. Die Feier in Aegypten (Dnyo dde) war keine Festesfeier, sondern beschränkte sich auf das Opferlamm (vgl. Mechilta); desgleichen ist an Num. 9. nur von diesem Opserlamme die Rede; als Mazzothfest ward es zuerst beim Eintritt in das heilige Land gefeiert (nrn nos. Jos. 5). Hier aber (B. 11), wie an LevitikuS (iwp) und Deuteronomium t.2'2»«) ist das Fest sofort auch als ein Erntefest characterisirt. Es ist dies jedenfalls eine Modification seiner Bedeutung, bedingt von den neuen Derbältnissen (Lev. 23, 11: Pn «en «); die geschichtliche Bedeutung ist vorzüglich dem ersten Tage Vorbehalten, für welchen der Mazzagenuß auch Pflicht (nmn) ist (Mechilta 8). Hieraus erklärt sich auch wohl die abweichende Vorschrift von rrso dsr<5> 2'v' ryszr und rtp» (Deut. 16); uitt dem zweiten Tage (.isce'.i rnnvr) begann eben daS myhificirte Peßachals Erntefest. Die Erklärung ist darum richtig, 6 Tage die von der neuen Ernte bereitete Mazza zu essen. (pinn;o twv 1L".i p ‘ttom Sifre,zü Deut.) Schawuot hat gar keine geschichtliche Unterlage in der Bibel; eü ist von vornherein alö Erntefest bezeichnet (Dnsst. Die Verbindung, worin di-seS Fest im LcviticuS als 7 „Wochen"-fest zu , Peßach als Erntefest (ivip) gefetzt ist, erscheint in. Deuteronörnium modificirt. Hier wirv nämlich die geschichtliche Bedeutung des Peßach betont und in gleicher Weise auch für Schawucth die Erinnerung an die Befreiung aus dem Sklavenjoch Aegyptens hervorgehoben, um auch hier wie für Sabbat die Humanitätsideen der Freiheit und Gleichberechtigung in den Vordergrund zu schieben. Darum heißt eö Such für dieses Fest: ...nnrr ...nnari, was für Peßach nicht besonders vorgeschrieben'- zu werden brauchte, da diese Vorschrift, wie die sie bedingenden Ideen an und für sich irf der Veranlassung wie dem Charakter des Festes lagen. — Succöth hat ursprünglich eine geschichtliche Veranlassung, an Deuteronomium, — desgleichen an Exod. 34 (r)’D«n an), — erscheint es nur als Erntefest, an LeviticuS ist eS als Erntefest und mit feiner geschichtlichen Bedeutung.erwähnt. Denn die 4 Arten deS FeststraußeS repräfentiren die 4 Gewächsarten: hoher Baum (Palme), niedriger Strauch (Weide), belaubter Baum (Myrthe), Fruchtbaum (Ethrog). Diese Stelle, welche an LeviticuS den Character des SuccothfesteS bezeichnet, scheint ein späteres Addicament zu sein, denn auch bei den vorhergehenden Festen fehlt die Characterisirunh ihrer Bedeutung; es find -nur Opfervorschriften gegeben. Daher ist 'ipiv r6s«,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.