Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 2 (11.1.1871)
- Date
- 1871-01-11
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 in Speyer, Lahn in Flörsheim» Hirschkamm in Fürth, Rothschild in Treysa, B. Unrich in Meifenheim. J«r. Wohlfahrth in Homburg. Nachzahlungen: Kleemannn in Großkarben 3 st. 30 kr., Cramer in Gleicherwiesen 3 fl. 30 ft., Stein in Wallerstein 1 fl. 45 kr., Mau in Westheim 3 fl. 30 kr., Frankfurt a. M., 1. Januar 1870. Leopold Dann, Rechner. Die synagogaten Kauptfeste iv ihrer geschichtlichea Entwicklung. Unter den synagogalen Häuptfesten verstehen wir die im Pentateuch. (Lev. 23) aufgezählten und als Feste de« Herrn' ('n 'ipia) bezeichneten, nämlich: Sabbat (ra»), Pafiah (nos), Wochenfest (myar), der Tag des BlafenS on), Versöhnungstag (an | onsan) und Hüttmfest (noa). Schon daß die nachfol-! gende Zeit diesen Festen noch andere hinzufügte: , Purim (ll'iiv), - die Fasttage des vierten (non •»“’),! fünften (äse 'd), siebenten (.i'di: dis) und zehnten i MvnatS (naaa '*) in der exilischm und ,iatn in der! maccabäischen Periode, zeugt in gleicher Weise für die! Entwicklung und Fortbildung deS cultuellen Lebens, wie der GebetcultuS, welcher an die Stelle des Op-! fercultu« getreten, selbst bi« in unsere Zeit hinein einer fortwährenden Veränderung unterlegen ist und in den orientalischen, spanischen, deutschen und polnischen Gemeinden die verschiedensten Abweichungen an den Tag legt. Zch habe in meinem Buche: „Der synagogale CultuS,* gezeigt, wie sogar in denjenigen Gebeten, welche man al« die traditionellen und stereotypen zu betrachten pflegt, eine historische Entwicklung nachzuweisen ist. Nirgend« auch hat der abweichende und locale Gebrauch (raa) neben dem feststehenden und allgemeinen Gesetze (naan) und sogar über dasselbe (nato ipip araa) eine solche Herrschaft erlangt, wie im cultuellen Leben. Auch hierin liegt der Beweis, daß dieses ln fortwährendem Flusie.sich befand und niemals stagnirte. Nirgend« aber auch ist das j bewegliche und abwechselnd« Moment von so großer Bedeutung, wie b» CultuS. Stagnation würde hie», wie in der Natur, nur zu bald Absterben uns Tod , hervvrbringen Man kann aber auch, wie bei einem Naturkörper, so bei dem Gesetzeskörper, dem juridischen und theologischen; von physiologischer Entwicklung sprechen, well in diesem, wie in jenem, gleichsam ein organische« Leben zu finden ist in Bezug auf Entstehung, innere Fortbildung, äußere Einflüsse, Abnahme, Tod und Neubildung. Diejenigen also, welche die religiöse Gesetzgebung zum Stillstände verurtheilen, sprechen ihr von vornherein alle« Leben ab, oder führen da« vorhandene dem sichern Tode entgegen. Wie in der Natur, so gibt e« aber auch in der Religion ewige Gesetze, welche unabänderlich sind und denen Alles unterworfen ist. Diese Gesetze, wie die Entwicklung nach diesen Gesetzen macht die Göttlichkeit und Ewigkeit der Religion aus. Ohne eine solche Entwicklung wäre die Religion, wie alle» Unorganische, dem Stillstände unterworfen und somit todt, ohne Bewegung, ohne Lebm. Nur da« bewegliche Waft ser ist lebendiges Wasser (a"n D’e), hat Leben, erzeugt Leben und erhält da« Leben; da« ftillstehende ist todt und brwirkt den Tod. DaS religiöse Leben hat darum von Anfang an und zu allen Zeiten in ZSrarl pulsirt. Wir sehen dies auch an den Modifikationen, denen die Bedeutung der religiösen Feste unterlegen ist. Schon der Pentateuch gibt uns hiervon Zeugniß. Also auch hier schon die Spuren modificirter Abänderungen nach dem Wechsel der Zeitverhältniste; kein Stillstand, keine Stagnation. Hierin liegt der Beweis gleichsam organischen Lebens, da« sich nirgends, weder auf natürlichem, noch geistigem Boden den Einflüssen äußerer Umstände entzieht. Sich diesen gewaltsam widersetzen, wo man sich ihnen nicht entziehen kann oder darf, heißt dem Organismus den Tod geben, ihn zum plötzlichen oder allmäligen Absterben bringen. Zunächst der Sabbat (nav). Es ist dies die älteste Institution des cultuellen Lebens im Judenthum und so wichtig, daß sie al« die Grundlage der religiösen Anschauung, wie deS sittlichen Lebens in den Decalog ausgenommen worden ist. Denn die Beziehung, welche der Sabbatidee zur Schöpfung der Welt aus dem Nicht« gegeben worden ist, tritt mtt Entschiedenheit der heidnischen Anschauung von Gott und seinem Verhältnisse zur Welt entgegen und macht diese Lehre von ad'pn antn, die Schöpfung der Welt durch einen allmächtigen, außerweltlichen, übernatürlichen Gott, zu einer specifisch jüdischen. Die Ruhe Gottes von der Arbeit bedeutet das Aufhören, die Vollendung derselben (fo'i), und ist mit dem Beginn der Arbeit im Anfang der Zeiten (ri'ff«na), im Gegensatz zu der heidnischen Anschauung von der Ewigkeit der Materie, Ausdruck für die Idee von der Schöpfung der Welt burch den freien Willen Gotte«. Der Ruhetag für den Menschm ist nur eine Erinnerung -(-oi) an diese Idee und heißt darum ‘rf> natr. Schon durch diese Beziehtmgen erhält der Tag den Character der Heiligkeit (inenpn). Durch die Ent-