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Der israelitische Lehrer · 1871-01-04 · 1 (4.1.1871) · p. Seite 5

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
1 (4.1.1871)
Date
1871-01-04
Page
Seite 5 (sequence 13)
Language
German
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zugleich versicherten, daß mehr als 100,000 Juden in den deutschen Heeren gleiche Gebete z« Gott . richteten. V Für den Israeliten ist der erste Theil des erstaunlichen Berichts wohl erklärlich. Das unschuldige, acht Tage dauernde, zweitausend Jahre alle Chanukkafest war dem Berichterstatter ein besonderes Betfrst, welches die Groß-Rabbiner eigens zu dem Zwecke veranstalteten, um Heil für die Waffen der Franzosen und speciell für die Pariser zu erflehen und wenn die Redner an diesen zur Erinnerung an dle Makkabäerkriegt geweihten Feste jene mit diesem Kriege verglich, so Legt daS nahe und ist fast selbstverständlich; wenn dabei Anspielungen auf die GewiffenSfreiheit und die ReligionSgleichhrit fielen, welche die französischen Juden haben und die den deutschen noch lange nicht in vollem Maße geworden, so mag man daS einem französischen Groß- Rabbiner auch wohl verzeihen, ebenso wie die Täuschung — die ja nicht die einzige Selbsttäuschung der unglücklichen Franzosen ist, — daß die deutsch-jüdischen Soldaten mit den Franzosen sympathistren. Daß dies Lüge ist — dürfen wir hier wobl nicht besonder» hervorheben, nachdem die jüdischen Soldaten so viele Beweise ihrer Tapferkett gegeben und die Hingebung für da» Vaterland mit ihrem Blute besiegelt haben. Daß dann die Rabbiner die deutschen Waffen verfluchen, ist nicht wahrscheinlich, denn Fluchen liegt nicht im Geiste des Judenthum«; das Judenthum kennt keine Formel für da» Fluchen. UebrfgenS ist dort Unrecht, was hier Recht ist? Wenn in Deutschland di« deutschen Waffen gesegnet werden — und die» geschieht wohl in den Kirchen — so ist die» blos «ine Umschreibung de« Fluche» der französischen Waffen und was uns recht ist, ist ihnen billig. Wer, wie dir Redaction de« Franks. Journ. und wir, grundsätzlich Gegner eine» jeden Krieges ist und Manche» ungesagt läßt, wa» man g»rne sagen möchte, der sollte.'mit derartigen BravouranSdrücken vorsichtiger sein. Daß die deutschen Heere höchsten» 20—22000 Mann jüdischer Soldaten zählen, ist bekannt. Leipzich, im December. Wie sich draußen im Felde Tausend« unserer GlaubenSgenoffen mit ihren anderSgläublgm Waffenbrüdern schaareu zu gemeinsamem Kampfe gegen den Erbfeind deutschen Geiste», ihn zwingen, vor den hohen ZiAe« unsere« sittlichen Ringen« und Stteben» die Waffen zu strecken, so hgt. sich auch — wen« eS gestattet ist, Kleines mit Großem zu vergleichen — der intelligentere Theil unserer Gemeinde an die Seite dereinsichtigen, gerechten christlichen Mitbürger zur Bekämpfung des inneres Feinde» gestellt, der es immer noch nicht über sich gewinnen kan», dem Inden neben sttaen Pflichten für Staat und Stadt auch die gebührenden Rechte in dmselben einzuräumen, auch die Befugniß mitzurathen und mttzuthaten zuMgeftehen. Berett» hat diese Vereinigung einen nicht gering anzuschlagenden Sieg zu verzeichnen. Während in den letzten Jahren, in Folge der Machinattonen einer sich vorzugsweise patriotisch nennenden Partei, da» Stadtverordueten-Collegium nur zwei oder drei jüdische Mitglieder zählte, sind aus der Wahlurne bei der jüngst stattgehabten Wahl die Namen von stehen unserer Gemeiudewitglieder hervorgegangen, Namen von gutem Klange, deren Träger durch geistige Befähigung, durch geachtete Stellung im bürgerlichen Leben unzweifelhaft di« Zuversicht rechtfertigen werden, daß sie die Interessen der Stadtgemeinde und, wo «» gill, auch unserer Religion«-" emeindr (sind doch fünf von ihnen auch mit deren öchsten Ehrenämtern betraut) zu wahren und zu vertreten wissen werden.. E« sind dies die Herren Moritz Kohner, Jacob Nachod, Gustav Plaut, Ludwig Gumpel, Felix List, Gustav Meyer und Aron Cronheim. Mögen sie in ihrem, gar mannigfache Opfer an Zeit und Kraft erfordernden Amte die rechte Befriedigung und wohlvechieate Anerkennung finden! Auch unsere kürzlich neu vollzogenen Gemeindewahlen haben es dargethan, wie wahre« Verdienst fast immer seine Würdigung findet. Sämmtliche Mitglieder beider Gemeindekirperschaftrn, de« Gemeindevorstandes und der Gemeindeverordneten, wurden mit entschiedenster Majorität wiedergewählt Ein Blick in den Anfang« diese» Sommers veröffentlichten Geschäftsbericht für da« Jahr 1869 gibt Zeugniß von der regen Thätigkeit beider Körperschaften. Ist doch von dem Gemeindevorsteher die Idee de« GemeindetageS ausgegangen, der sicher die Gründung des Gemeindebundes bereit« gefolgt wäre, hätten nicht die kriegerischen Ereignisse dem Friedenswerke Hindernisse entgegengesetzt. Daher konnte auch der so anregenden gemeinsamen Besprechung der AuSschußmitgliedrr de« GemeindetageS mit den zur letzten Ostermesse hier^ auf- HSttlich gewesenen Glaubensbrüdern eine zweite zur! diesjährigen Michaelismesse nicht folgen. So Gott will, wird dies in nächster Neujahrs- oder Ostermesse dem rastlos für Gemeinwohl wirkenden Vorsteher, Herrn Moritz Kohner, gelingen. Bis jetzt haben 54 Gemeinden, darunter die größten Deutschlands, ihren Beitritt zum Gemeinde- >bupd erklärt. w Hoffen wir, daß mit eintretendem Frieden die Gründung de» Bunde» selbst nicht lange mehr auf sich Parten lassen wird. \ Auch unsere Gemeinde hat bereit» der Krieg«- stlri« ein Opfer darbringen müssen. Im Kampfe bei Brie-sur-Marne, am 2. December, fiel der hochbegabte.

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