Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 1 (4.1.1871)
- Date
- 1871-01-04
- Page
- Seite 3 (sequence 11)
- Language
- German
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gtn, feie handelnden Personen ober in feen Hintergrund zu fevängen und nebensächlich «scheinen zu losten, «eil sie von den Priestern auSgeqangen war unfe ganz geeignet schien, feie Machttmnd lB, Einfluß feer Priester wieder in feen Vordergrund zu dringen unfe z« b^en. vnd so geschah e* ja auch in feer Tbat: e« Trat sogar bi« zur Wiederherstellung fee« Königthnm«, und zwar zur Znstituirung eine« Priefierkönigthum«, nicht mit Theilung der politischen und religiösen Gewalt, sondern mit Vereinigung der Macht in Äne Hand, mit Bereinigung der Kronen auf Ein Haupt. Bon da an wurden auch die Parteiungen der Cadnrter und Pharisäer viel charakteristischer, ihre Kämpfe viel bedeutender. E« ist somit nur der pharisäische Einfluß, welcher in den Berichten über da« Ehanukafest die historische Bedeutung verdunkelt und darum auch nur von eine« Wunder redet, um da« Ereigniß «ehr al« Zeinen Ausfluß der göttlichen Gnade, ~vva(« de« sadukäisch-priesterlichen Verdienste« hinzufiellen und zu bezeichnen. Hieraus erklärt sich auch die stiefmütterliche Behandlung fees ganzen EreignisteS im Talmud; nicht ei» besonderer Traktat (pddd), wie doch noch für daS Purim-Ereigniß (r6jD), nicht einmal ein besonderer Abschnitt (pnv) ist demselben gewidmet, sondern nebensächlich stt davon nur a» Einer ' Stelle (Sabb 21) in sachlicher und an oben ritirten, wenigen anderen Stellen in 'reremonieller Beziehung feie Rede. Als ein Mirakel will der Talmud aber selbst da« Lichtwnnfeer nicht-htnstellen. Al« ein dj (Wunder) gilt ja auch da« Purim-Ereigniß, weniger um damit etwas Mirakulöse« zu bezeichnen, als vielmehr umdie Sache als einen Ausfluß der. göttlichen Gnade, al« eine Fügung der göttlichen Hand hinzustellen. Die Erzählung will nämlich sagen: das Licht "gölMPN' 'BkgkkfkÄung" branme nur vereinzelt noch, und an diesem Einen Lichte entzündete sich die Begeisterung Vieler. Aber auch daS allmälige Ausfiackern der Lichjer^ach -LichterhaM -,ist ein wichtiger und nicht zu übersehender Nebenumstand. Erwill sogen: Ein Krüglein heiligen OelS wird noch vorgefunden, nachdem viele »der alle aadere« «rnrrrrtutgt.waren. E« heißt absichtlich „verunreinigt," nicht „verbraucht." Der Ginn ist: da«-Licht der Religion war in den Herzen Vieler, oder gar Aller schon erloschen?, man hatte sich dem verunreinigenden unfe entweihenden Götzendienste ergeben, selbst-die Priester hotten dies gethan, ^welche da« heilige Oel zu bewahren haben; unter den vielen Priestern war nur Einer standhaft geblieben, und Ein Kicktglein 'heiligen Oel« fand sich vor. Somit ist also selbst ans diese saducäischen Priester kein verlaß für die vertheidiguog und Eshaltung der Religion. An diesetü Einen Ächte entzündete sich freilich da« Licht-Vieler, da« Licht der Menge; aber e« war auch eben die Begeisterung der Menge, welche den Lichterbaum wiederum zu einem voll strahlenden machte unfe de» Glanz feer Religion wieder herstellte. E« ist also mit Absicht Rach>ruck gelegt auf feie -Bielen, aus feie Menge de« Volk«, in deren Herzen da« Licht der Religion wüferr aufflamNste, und mit deren Hülfe der Sieg errungen und feie neue Dtmpelweihe ermöglicht wurde. E« heißt auch in feer talmudischeu Erzählung nicht, daß da« Oel für da« Licht gereicht habe, bis neue« Oel bereitet worden war, sondern nur, daß e« acht Tage gereicht habe ('n uoo ip'tnn? O’D’). Die Bereitung neuen Oel« würde feie Begeisterung und die rettende That ausschließlich auf die Priester beschränkt heben. Man schweigt davon und hebt im -Gegensatz dazu bei der eeremoniellen Anordnung de« Lichteranzündenö die „Menge" hervor, u« den Einfluß und da« Verdienst de« Einen, feer ein (saduräijcher) Priester war zu verdunkeln und in feen Hintergrund zu schieben. Es spiegelt sich hierin wieder ganz das Perhiltniß der Pharisäer und der Saducäer und da« Bestreben der Ersteren ab, die Macht und Bedeutung de« saducLischen Priesterthum« herabzudrücken, zu beseitigen und dafür da« demokrasische Priesterthum zu heben, zu substituiren. Wir haben also in dem Wunder de« Chanuka Licht« nicht eine legendenhafte Sage, sondern die allegorische Darstellung des historischen Ereignisse«, ein dichterische« Bild ganz nach Art orientalischer Gleichnisse, biblischer und midraschischer Parabeln, mst Einem Worte: eine Agada, nicht ein wirkliche« Faktum. Da« wunderhafte Ehanuka-Lickt ist nur ein dichterisches Bild; der dichterische Schmuck wird aber nur verständlich aus der reellen Prosa der historischen Fakta und de« ehemaligen israelitischen Lebens. Die Pharisäer kämpften gxgen die Stellung und den Einfluß des faduräischen .Priesterthums. Die Makkabäerthat hatte Macht und Stellung dieses PriesterthumS aus'« N§ye gehoben; das Chanukafeft hielt die rettende Makkabäerthat in frischem, sich siet« erneuerndem Andenken. Daraus erklärt sich da« Bestreben der Pharisäer, dieChanuka- Feier- und -Freude herabzustimmen und da« Jntereffe dafür abzustumpfen., Der persönliche Antheil» welchen die Makkabäer al« saducäische Priester an dem CH«- ruka-Ereignisse« uns Feste hatten, wurde verschwiegen, da« Anderen daran, unterdrückt. Erst in feer gavnischm Periode, al« diese Parieikämpfe.«»«gekämpft -waren und feie Gegensätze nicht mehr bestanden, tritt da« Andenken der HaSmonäer wieder in feen Vordergrund. Aus dieser Zeit stammt Megilath Antiochus und Al Hanisfim, worin da« historische Ereigniß mit Namhaftmachung der betreffenden Persoflen feargestellt wird. Ja man schein; mst Absicht die Abstammung feeS MotathiaS vom Hohenpriester hervorzuheben, obgleich dieseAnnahme, wie oben angegeben, aus einem historischen