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Der israelitische Lehrer · 1870-12-28 · 52 (28.12.1870) · p. Seite 421

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
Seite 421 (sequence 5)
Language
German
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— 421 — schuß verlangen könne. Wolle man Parität, so solle die israelitische Gemeinde in ihr Spital auch christliche Kranke aufnehmen. Man verlange eine volle Verbrüderung, aber was die israelitische Gemeinde bis jetzt ^lvolle, laufe daraus hinaus, daß an dem christlichen Spital Alle gleichberechtigt werden, die israelitische Gemeinde jedoch ihr?pital allein ihren Gemeindeangehörigen vorbehält. Herr Hadermann: Die Israeliten sagten mit Recht: Wir können nicht dulden, daß ihr aus den Mitteln der Stadtgemeinde Gelder verwendet für eine speciell christliche Gemeinde. Mache man den Israeliten den Vorwurf der Ausschließlichkeit, so sei dieselbe nur eine Folge der von der andern Seite erfolgten Ausschließung von dem ganzen öffentlichen Leben gewesen. Wenn die Senckenbergsche Stiftungs-Administration ohne den Zuschuß von 280,000 fl nicht bestehen kann, so solle sie den Israeliten dieselben Concessionen macken, die sic den Neubürgern gewährt habe. Herr v. Hey der erklärt sick mit dem MajoritätSantrage einverstanden, beantragt jedock ferner, die Stadtverordneten-Dersammlung wolle dem Magistrat den Wunsck auSsprecken, daß die Administration der vr. Senckenberg'schen Stiftung mit dem israelitischen Gemeindcvorstand behufs einer Verständigung zusammentrete, damit auch die israelitischen Mitbürger der Wohlthat der vr. Senckenberg'schen Stistung theilhaslig würden. Herr Stadtratb v. Oven: Es sei irrig, *u sagen, eS düfte keine confesiionnelle Anstalt unterstützt werden; wolle man dies als Grundsatz gelten lassen, so könnten für die Commune beim Aufbören derartiger Anstalten leicht Unbequemlichkeiten erwachsen. Die einzelnen Gemeinden könnten nur beanspruchen, daß sie in keiner Weise zurückgesetzt würden. Verwahrungen und Proteste wie die vorliegenden solle keine Versammlung anerkennen. Herr Benkard für die Majorität. Er habe die Ueberzeugung, die Stistung sei eine durchaus christliche.*) Herr Leipprand beantragt über die RechtSverbindlichkrit die Universität Gießen zu hören. Herr vr. Christ bestreitet der Administration daS Recht kurzer Hand die Reubürger aufzunehmen und die Israeliten zu übergehen. Nach erfolgtem Schluß der Debatte wurde bei namentlicher Abstimmung der Antrag der Majorität mit 17 gegen 14 angenommen. Dafür stimmten die Herren: Schiele, Benkard, Bauer, Gontard, Kaißer, vr. Rumpf, vr Souchay, vr. MetteniuS', I)r. Prior, vr. Matti, vr. Varrentrapp, vr. de Reufville, v. Heyder, Muck, vr. Siebert und Brenl>al. Wie man vernimmt, wird sich der Vorstand bei diesem Beschlüsse nicht beruhigen. *) Ha! aber die Gelder der israelitischen Gemeinde sollen ibr aushclfcn. Red. tano; dagegen die Herrn: Beyerle, Creizenach, Hadermann, Walluf, Weigand, Maas, E. Fay, vr. Christ, Nolte, Abt, May, Ritter, Sonnemann und Ellinger Und der Abstimmung enthielte» sich die Herren Lripprand uud Borgnis. **) Florenz Ein königliches Decret hebt alle beschränkenden Judengesetze in Rom auf und setzt die Israeliten in die wolle staatSbürglicke Gleichberechtigung ein. — O, daß nicht wieder ein Wechsel zum Schlimmern eintrete!! Neiv-Aork. Vom 24. October bis 1. November tagte hier die in Cleveland projectirte Rabbinerversammlung Behufs Revision des Minhag Amerika. Die Theilnehmer dieser waren fast nur unbekannte und unbedeutende Männer, von denen es zum Theil nicht bloS zweifelhaft sondern gewiß ist, daß sie den Namen Rabbiner snicht verdienen, da sie vor ihrer Uebersiedelung von Europa dort nur Lehrerstellen, vielleicht mit der Aufgabe, von Zeit zu Zeit zu predigen, bekleideten und der rabbiniscken Vorbereitung gänzlich entbehrten. Die hiesigen Rabbiner von Riff vr. Adler und vr. Einhorn blieben auch trotz der speciell an sie ergangenen Einladung der Tbeffnahme an der Versammlung fern. Selbst vr. Wise drobte einmal mit dem Austritt, als man Miene machte, aus dem Judenthum tabuin rasa zu ^machen und nickt den Minhag Amerika zu revidircn, sondern mit Abstrahirung von dem Bestehenden neue Grundsätze und neue Formen aufzustellen. Die Verhandlungen waren öffentlich, Berichterstatter waren zugelassen', die Protokolle werden veröffentlicht. Die Versammlung wurde eröffnet von Mayer (Clereland), der sie auch berufen aber geleitet von dem zum Vorsitzenden erwählten Lilienthal. Der Gouverneur von Indiana frug an. ob es der Versammlung genehm sei und mit den Intentionen de> Judenthums übereinstimme, wenn er in seinem Staate die Revision der Ebescheidungsgesetze beantrage; dies wurde bejaht. An die Gemeinden soll ein Aufruf erlaffen werden , zur Einigung in Betreff des Minhag's, resp. Annahme der Beschlüsse. Auch soll denselben die Gründung eine» Instituts für Aue bildung von Predigern empfohlen werden. Gebet und Gottesdienst mit unbedecktem Haupte wurde als zulässig erklärt; ebenso die Beseitigung auch des zweiten Rosch Haschono-Tages Wir bemerken,. daß wir die Angabe der Gründe; und Autoritäten für alle diese 1- V **) Ter Vontand dar wegen Srdnungswidrigkeil bei dieser Sitzung Bewahrung!-eingelegt, weil Herr Borgnis nickt zur Abstimmung auigerufen. Ueber diesen Antrag wurde in der darauffolgenden Sitzung zur Tagesordnung übergegangen. i .

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