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Der israelitische Lehrer · 1870-12-28 · 52 (28.12.1870) · p. Seite 419

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
Seite 419 (sequence 3)
Language
German
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\ — 419 — und mtbr Anklang finden, und man uns nicht der Gehässigkeit gegen unsere Gegner beschuldigen wird, wenn wir uns ungeschminkt so aussprechen, wie es uns ums Herz ist. Der Beruf des jüdischen Lehrers ist ein schwieriger, anstrengender. Wenn wir nun, nachdem wir denselben getreu zu erfüllen bestrebt waren, m den Mußestunden die Feder ergreifen, so wollen wir sprechen, wie es uns umS Her; ist, frei und unverhohlen; wollen wir uns gehen lassen und keine klein'iche Nück sicht soll unS die Freude verkürzen, die nur vas osteue Aussprechen kessen zu bieten vermag, was im Herzen lebt.- Nur das kann uns erfreuen und beglücken; nur das uns erheben und befähigen, die schweren Opfer zu bringen, die wir der Sache, der wir dienen, bereits gebracht baben. Wir dienen der Sache, die uns wahrhaft heilig, ist und nur der selben. Und so boffen wir beim Scheiden des „Zeitungsjahres," haß nicht allein die bisherigen Freunde uns treu bleiben, sondern daß wir auch neue gewinnen. Die Verhältnisse haben uns dahin geführt, daß wir untere Zeitschrift mehr und mehr auch den allgemeinen Interessen des Inkcnthums widmeten. Damit vienen wir naturgemäß der Schule. Denn, da die jüdische Schule die vorzüglichste und bedeutendste Institution der jüdischen Gemeinde ist, so wird bas Wohl der «Gemeinde nickt vefehlen, aus die Schule zu instuiren. Und wo die Sckule ihre Pflicht lhun soll, da muß die Gemeinde ihre Pflicht thun gegen den Lehrer. Darum bestreben wir uns, unsere Zeitschrift auch in andere Kreise zu bringen, und ihr auch außerhalb des Lehrerstandcö Freunde zu verschaffen. Wir werden daber bestrebt fein, dieselbe mehr und mehr zu einem „freien jüdischen BolkSblatte" umzugeftalten,. ohne -daß teßbalb die pädagogischen und praktischen Interessen der Schule zurückftehen sollen. Vielleicht werden wir dies, wenn ruhigere Zeilen' eintreten, durch eine äußere Scheidung beider Gebiete mehr und mehr bemerkbar zn machen suchen. Indem wir dies zur Kenntniß unserer Leser und Freunde bringen, bitten wir sie im Interesse der heiligen Sache nicht allein jielbst uns treu zu bleiben/ . .sondern auch unsere Zeitschrift mehr uni» mehr in andere Kreise zu bringen. Insbesondere aber ersuchen wir sie, diejenigen zur Tbeilnahme an unseren Bestrebungen aufzufordern, die ein heiliges Inter esse daran baben, daß das fortschreitende Ztldenihum gestärkt und gekräftigt werde gegen die anftüriiicnden,. sich überstürzenden Feinde. Wir kommen mit diesem ui serem Anliegen jetzt, in dieser ernsten Zeit, damit wir gerüstet sind, wenn die Sonne des Friedens wieder berniederschauen wird auf die Gefilde unseres gesegneten Vaterlandes und die Geistesarbeit wieder stetig ihren ruhelosen Pfad weiterschreiten kann. nm:D onl* tr f'i« D’pns. Mögen unsere Freunde auf ihrem Platze sein; sie werden uns auch auf dem unseren finden. Ingelheim, am 4. Tag des Weihe- und Lichtfesteö 5631. x"s*Ln rcran- I Kl. Wochenbericht. Berlin. b>r. Lebreckt, Lehrer an dem zu wissenschaftlichen Zwecken ungestalteten Veitel-Heine-Cpbraim'- schen Institut, in der hebräischen talmudischen Wissenschaft auch literarisch bekannt, bat seinen 70jäbrigen Geburtstag ehrenvoll gefeiert. Zndeß haben nur die engen jüdischen. nickt die weiteren RegiernngSkreise Notiz von den Verdiensten und der Anerkennüng dieses Mannes genommen. Auck dies gehört noch leider zu den Zeichen der Zeit. Frankfurt a. M , 15. Dez. Sie haben bereits Kenntniß genommen von einem Streite zwischen dem Vorstand der iSraes. ReligionSgcmeinde dabier und dem Senkenberg'sckest Institute oder beziehungsweise der Stadt. DaS Senkenberg'icke Institut besitzt neben seinem Museum auch ein Hospital, das bis heute den ISr-et'ten verschlossen rmd eigentlich nur für die alten Bürgstder Stadt Frankfurt bestimmt 'war. DaS HoSpites ist aber nickt im Stande, den gesteigerten Anforderungen zu entsprechen und!so hat es sich an die Stadtgemeinde gewendet, und seine Summe von 2SO,On> fl. yti|i Neubau des HoSpitalS gefordert. Der Vorstand der israelitischen Neligionsaemeinde bat gegen die Bewilligung dieser Summe aus städtischen Mitteln protestirt, so lange nickt die Israeliten auch zu dem BürgerhoSpitale zugelasien. oder anderweitige Abhülfe für diese geschehen ist. Die Stadtverordneten haben die Angelegenheit einer RechkScommission zur Berichterstattung überwiesen. Die Mehrheit dieser Commission beantragte bfe> Bewilligung und die Abweisung des Protestes beS israelitischen GemeindevorstankeS, die Minorität beantragt Ablehnung der Anforderung des Senkenberg'scken Instituts, beziehungsweise Ablehnung des WagistratS-AntragS. solange als nickt den iSr. Mitbürgern gleich den übrigen Neubürzei n die Aufnahme rstS HoSpitäl gesickert 'ist. Die bezügliche Verhandlung in der Stadtverordnetenversammlung ist interessant-— 'man muß viel zwischen den Zeilen lesen, da doch Frankfurter Stadtverordnete nicht allzugreifbare Intoleranz ausüben dürfen — wir geben daher einige Auszüge aus derselben.

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