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Der israelitische Lehrer · 1870-12-28 · 52 (28.12.1870) · p. Seite 418

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
Seite 418 (sequence 2)
Language
German
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— 418 — wir uns nicht. Doch, wenn auch, der Sieg ist uns gewiß! Un» darum soll uns nicht bange werden, wenn auch schon jetzt die Raben, die um den Kyffhäuser flogen, allerhand Nachtvögel, Eulen und Unken, .aus ihren Perstecken aufgestöbert haben; wenn schon das in der Wiege liegende neue deutsche Reich,, von dem wir nocb nicht wissen, ob es eine Mumie oder ein frischer naturwüchsiger Held sein wird, seine Mannen gefunden, welche den Juden die aelben Läppchen anheften möchten, als .des heiligen römischen Reichs deutscher Nation getreue Kämmerknechte!" Doch — diese Heuen sind Gottlob vorüber und auch die Zeiten der Schutzjuden, Matrikel und Kammeragenten. Wir werben unsere Rechte zu wahren wiffen; unser gutes Reckt für unser gutes Blut! Nickt weniger ernst sind die V.rhältnuisse, die sich mehr und mehr innerhalb des Zudenthums entwickeln. Immer einschneidender und schmerzlicher muß aus dem Herzer Aller, welche die Wahrheit lieben, das Wort der Propheten hercustönen: *)CD tdvioi T-’-'r.D XL'! So schmerzlich dies auch ist, so dürfen wir .cs uns dock nickt verfehlen, daß die Zeit gekommen, wo das fanatische Schüren einiger Ruchlosen den Frieden mnd die Einheit Israels ernstlichst zu gefährden im Stande ist. Weil man ihnen nickt aus der Mitte der Gemeinden selbst mit Entschiedenheit entgegemritk, weil einzelne Rabbinen und Lehrer au« Feigheit und Charakterlosigkeit, aus Mangel an innerem Halt, durch das scheinbare Zusammengehen mit dieser Partei einen äußeren Halt zu gewinnen suchen,, glauben sie.wirklich, eine große Partei hinter sich zu haben; wird ibr Gebühren immer frecher, immer zügelloser, und artet oft so aus, daß wir uns zuweilen schon die Frage vorlegten: Was wollen eigentlich diese Herren? Sollten sie nicht besoldet? Wühler^sein, die in dieser Weile das Iudentbum — Gott bewahre — zu untergraben berufen sind, die eS durch das Hineinwerfcn von Zündfackeln in jede iraendwie hervorragende Gem-inde, durch die Verdächtigung jeder zeitgemäßen' Bestrebung zum Zwiespalt mit sich selbst und mit den CrUturbestrebungen, zum Gegensatz selbst mit Allem, waS nur Anstand, Moral und Sittlichkeit verlangen, bringen .wollen? In manchen Stunden schmerzlichen Nachsinnens über solche Vorkommnisse und Zustände ist uns dieser schreckliche Berdackt fast zur Üeberzeugung geworden. Wenn heute Berlin, Königsberg, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe und morgen Hannover, Stettin, Breslau, Stuttgart und Gott weiß welche andere hervorragende jüdische Gemeinde, wenn am End.- sogar als orthodox bekannte ganze israelitische Kreise wie der Odenwald, die bayr. Pfalz und andere mehr als dem Zerfall, der religiösen Auflösung rettungslos anheim gegeben und in den schwär^sten Farben sgejchilderr werden: was bleibt da noch übrig, wo ist dann eigentlich — ri'ixv? Wohl ist man gegen dies Gebahren in dm betreffenden Kreisen bisher mit Recht gleickgiltig geblieben; man ließ ihnen ihr Handwerk treiben, das man unschädlich fand. Es erschien Vielen und uns selbst dieses tolle, schwindelhafte Wüthen zuweilen sogar amüsant. Aber, wenn man es in der neuesten Zeit sogar wagt, offen und frei die totale Trennung der Iudenheit zu predigen, wenn man verkündet, daß gar keine Anknüpfungspunkte mehr die beiden Parteiln des IudmthumS verbinde» und deßhalb also vollkommene Scheidung geboten sei und man nur eben noch die Anhänger de« unverkürzten Schulckan Aruck als Juden anerkennt: dann hört dock sie Gleichgiltigkeit auf; dann ist es dock Zeit, Aufklärung über solches Th..n im Volke zu verbreiten, auzudeuten, was daraus entstehen kann, wohin diese Menscheu steuern; da wir ja wissen, zu waS die Reaktionäre aller Religions¬ und politischen Gesellschaften von jeher bereit warm, wie ' e im Finstern zu wühlen verstehen c wie ihnen der Zweck die Mittel heiligt und wie zahlreich die gedankenlose Menge auch in Israel nöck ist, die sich vom Scheine, vom Gerüche der Heiligkeit blenden lassen könnte. Wir haben wiederholt ausgesprochen, daß wir in unserer Zeitschrift die Unparteilichkeit wahren; und wir thun dies, insbesondere in Hinsicht auf das Schulwesen. Aber es wäre doch zu viel von uns verlangt, wenn w ir den heiligen Zorn zurückdrängen sollten über solche« Thun: wir itnd da« nicht im Stande. Wir wollen glauben, daß er klüger wäre, fein sackte auszutrelen und heule nach rechts und morgen nach links zu liebäugeln. Wenn dies die Eigenschaft ist, die den Redakteur macht , so'sind wir trotz unserer aufopfernden Tbätigkeit aus diesem Gebiete innerhalb der letzten zehn Jahre nicht zum Redakteur geboren. Bei unS ist die Sprache dazu da, die Gedanken anSzusprechen, den Gefühlen Ausdruck zu verschasien, nicht sie diplomatisch zu verhüllen. DaS thun wir, wenn wir als Lehrer vor unseren Kindern stehen, auü deren unsckulgen Augen die Mahnung, die Wahrheit zu verkünden, uns entgegenstrahlt: (wo natürlich die pädagogischen Rücksichten den richtigen Maßstab geben für da«, was wir auszusprechen haben;) drs thun wir, wenn wir als Lehrer auf der Kanzel vor unsere Gemeinde treten; daS wollen wir auch thun in diesen Blättern, vor Israel, vor unseren College,! und Lesern. Und wie wir die erhebende Gewißheit haben, daß die heilige Wahrheit zündet und begeistert, wie es uns mit Gottes Hülfe gelungen ist, Begeisterung für jüdische Lehre und jüdisches Gebot, für Gottesdienst und Schule hervorzurufen im engeren Berufe, jo wollen wir auck hoffen, daß die Wahrheit, das offene Lekennlniß, das gerade und aufrichtige Wort bei unseren Lesern mehr

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