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Der israelitische Lehrer · 1870-12-21 · 51 (21.12.1870) · p. Seite 411

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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— 411 — / seiner Menschenaufgabe vorzubilden und zur steten Fortentwicklung zu befähigen. 3 )Zum Volke gehören Alle, ohne Unterschied des - Standes, des Vermögens oder der Confession. Jede ConfessionS- oder Ständeschule ist ebenso entgegen dem modernen Begriff vom Volke als gegen die Pädagogik. — 4) ES darf daher auch nur eine einheitliche Volksschule geben, in welcher alle Kinder ohne Unterschied die allen nothwcndige Grund- und Meuschenbildung erhalte,'. 5) Die Volksschule ist der Unterbau, auf welchem jedes Schulsystem gegründet'wird. Zn die höheren Anstalten darf kein Kind übertreten, beror es diejenige Grundbildung empfangen hat, die die allgemeine Volksschule zu bieten verpflichtet ist. Kein Kind darf entlasten werden auS der Volksschule — vorausgesetzt, daß es ihm nickt an der nöthigen natürlichen Begabung fehlt — eS habe denn diejenige Schulbildung, die nach unseren Voraussetzungen geboten ist. 6) Die Volksschule hat vor Allem die nach Pestalozzi benannten, von Diesterweg und Anderen auögrbildetrn, von uns Allen als bewährt erkannten unterrichtlichen und pädagogischen Grundsätze ststzuhalten und auszubauen und durch die ihr möglichen Mittel dahin zu wirken, daß alle sogenannten höheren Anstalten in der gleichen Weise fvrtbauen. Die Volksschule ist, daö werden Sie mir zugesiehen, eine der wichtigsten Veranstaltungen im Organismus unseres VolkSlebe, S. Wenn Sie daher mit mir übereinstimmen, so lasten Sie urS zusammenwirken, zum Heile der Gemeinde, zum Heile dcS Ganzen, daß die Schulen unserer Gemeinde in diesem Sinne reorganisirt — VrlkesNulen der Zukunst werden. ' Seien Sie indessen meiner Hcchachtnng und Ergebenheit versichert. (Warnungs) „Zeichen der Zeit." Motto: Die Weisheit predigt im Freien, läßt auf den Heerstraßen ihre Stimme lau, ertönen." (Spr, Sal. 8, 1.) Seit Monaten ist'S aus Rumänien ganz still und ruhig; wer wollte nicht, daß hier das die Frauen betreffende Sprichwort sich bewährte: diejenige sei diecheste, von der am wenigsten gesprochen werde? Unttrhält unö doch schon seit dem vorigen großen Kriege*) jener vor zwölf Jahren unter die Garantie *) Krimkrieg. j der europäischen Mächte gestellte neue souveräne Staat > im Türkenreiche mit derartigen, aller Civilisaticn Hohn! sprechenden Gräueln der Lüg', Heuchelei und Barba- , rei Seitens der Regierenden und Regierten, wie sie I nur die äußerste Corruption i» Politik und öffentlicher I Moral zu erzeugen vermag; und da an eine plötz- | licke Sinnesänderung darin, so'geru wir es auch | hoffen möchten, schwer zu ql?:nb.n, so fischt man wohl,! während Aller Augen auf die Ihränen- und jubelreichen, in unserer Mitte sich abspielenden weltumgestal» tcnd.n Erreignisse gerichtet, reckt bebaglick und nngestön im Trüben; vnd wer weiß, welch' düsteres Schlaglicht von dä her den Tag beleuchten wird, der uns nach dem — hinsichilich sowohl der beiderseits dazu ausgebotenen Kräfte als gebrachten schweren Opfer! — wohl einzig in seiner Art dastehenden Raccn-! kämpfe den hellglänzenden Oelzweig reichen wird. Fürwahr! wären sie so weise und wohlgesinnt, um i auf die „Zeichen der Zeit" zu achten und von ihnen! Lehre für ihr eigenes Thun anzunehmen, sie würden erröthenden Angesichts und niederg schlagenen Blickes , ihrer bisherigen Unthaten gedenken rmd von schmachvoller Wiederholung., derselben renmütbig ablassen. Schwachen, Wankenden, Fallenden und Niederg beug- I ten beizustehen und aufzuhelfen, wird ja im „Buch i der Bücher" hundertfach als dringendste Menjchenj Pflicht eingeschärft, sie zu peinigen und zu bedrücken | als schwerstes Kapitalverbrechen gebrandmarkt; nun, i gilt von einer ganze» edlen, durch viertauscndjährige j unvergliichliche Geschickte ausgezeichneten Nation, die nur pbysisck zu schwach zum Widerstande, aber geistig desto mehr vor Anderen hervorragt, gilt von ihr das weniger als von Individuen oder nicht vielmehr > in noch erhöhter Potenz? Diese Reflexion fiel Sckrei-; ber dieses wobl nicht zur Unzeit in den Sinn, als! er jüngst (in einem „SiegeSgruß aus den bairaischcn | Bergen" von K. Stieler) folgende Stelle las: „Drun-! ten liegt das deutsche Land, das Land, das mehr gethan für die Erlösung des Geistes äls irgend ein anderes, uud deimech m-hr gelitten als irgend ein anderes. S ine,Geschickte ist eine Messiade in der^ Weltgeschichte. Elend und Schmach sind über unS ergangen, Druck dex Fürsten und Gier der Eroberer : haben daS deutsche Volk, die edelste unter den Nationen, gebeugt; dennoch schreitet es iU stiller Arbeit i weiter, dennoch konnten sie ihm eineS nicht rauben, , das war die Treue und die Kraft seines Herzens.* > Ist es nicht, als wenn man in diesen Worten von der jüdischen Nation —- so feindselig! sich gegen dieselbe guch die "deutsche Jahrhunderte i lang gezeigt — sprechen hörte, nur daß in Brtreff ihjrer das Gesagte, mindestens was das Leiden angeht (; noch in weit größerem Umfang der Fall? Noch malerischer aber und specieller als dieser nur in allgemeinen Zügen *

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