Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 51 (21.12.1870)
- Date
- 1870-12-21
- Page
- Seite 410 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 410 —. mehrere neuen Sprachen, was aber wohl schon zur Berufsbildung gerechnet werden mag. Das Kind hat zü diesem Zwecke die allgemeine Volksschule mindestens bis zum ß., bester noch bis zum 15. Lebensjahre zu besuchen und also 8'Zahre in derselben zu bleiben. Soll nun eine Schule wirklich ihrer Aufgabe so genügen und in vollem und reichem Maaße erfüllen, so muß jede AlterSklaste in aussteizenden Kursen selbstständig von einem Klassenlehrer unterrichtet werden. Ist eine Zusammenwerfung der Klasten in kleineren Gemeinden nöthig, so geschieht dies naturgemäß am besten in den untersten Klasten, wo der Lehrer nöthigenfalls auch zwei Klasten getrennt nach einander unterrichten kann, da täglich zwei Stunden für das erste und drei Stunden für das zweite Schuljahr vollkommen ausreichen. Zn den höheren Klasten ist eine steigende Veringerung der Schülerzahl erwünscht und nie sollten in einer Schulklaste mehr als 60 Schüler zugleich unterrichtet werden. Zst eine Trennung der höheren Klassen vortheilhast oder .nothwendig, so kann eine Trennung der Schüler nach den Geschlechtern vorgenommen werden; nothwendig ist dies nicht. — ES sind daher Schulen mit 7—10 Lehrern diejenigen, wo die Aufgabe der Schule am ersprießlichsten erfüllt werden kann; eine solche können wir, den Verhältnisten der mittleren Gemeinden entsprechend, nur im Auge haben. Zn noch kleineren Gemeinden, wo die Mittel zu einer solchen Schule nicht vorhanden sind, muß man sich eben durch Zusammenlegen der Klasten nach Möglichkeit zu helfen suchen. Ueber 10 Lehrer finde ich für eine Volksschule nicht vortheilhast. Die Einheit, die feste K>asten, Einrichtung, die klare Uebersicht wird dabei Noth leiden. Es ist vaher für größere Städte bester, zwei oder mehr vollständig von einandex getrennte gleichartig organisirle Volksschulen zu errichten, als Schulen mit mehr al» 10 Lehrern. Zu einer gediegenen Wirksamkeit in den höheren Klasten ist das gemischte Klassen- und Fachsystem zu empfehlen. Es ist eben nicht Zedermanns Sache, nach allen Richtungen vollständig und gleichmäßig sich auszubilden. Und Lehrer sind auch Menschen. Sie mögen daher wohl tüchtige Lehrer sein, ohne in allen Fächern in den höheren Klasten instruktiv wirksam sein zu können. Es ist. daher geboten, daß in den ankeren Klasten die Lehrer je einer Klaste den ganzen Unterricht erlheilen, daß aber, wenn Tüchtiges geleistet werden soll, an den oberen Klasten die Fächer nach den besonderen Fähigkeiten der Lehrer fachmäßig verthe lt werden,'so daß, etwa vom 10. oder 11. Zahre an derselbe Lehrer ein bestimmtes Uuterrichtsfach weiter durch allen Klasten vertritt. Dabei mästen doch mehrere Fächer in der Hand je eines Klassenlehrers blcibe.i, damit derselbe die Erziehung leite. An der Spitze einer jeden Schule soll ein Oberlehrer stehen, der aber au» der Schule selbst hervorgegangea, im Uebrigen keinen materiellen Vorzug vor den übrigen Lehrern hat, al« eben da« Recht, die in der Aufgabe derSchule begründeteOberleitung, die einheitliche Organisation und die Aufrechthaltung der Ordnung wahrzunehmen. Eine Lehrerin für die Mädchen^dle den Handarbeitunterricht leitet, wird stets allerdings nothwendig werden. Für solche, welche eine Realschule oder ein Gymnasium besuchen wollen, wird bei der gegenwärtigen Organisation dieser Anstalten, die eben den rationellen Anforderungen, die hier aufgestellt sind, leider noch nicht entsprechen, doch ein vorbereitender Unterricht in den neuen oder alten Sprachen nothwendig werden. Ich weiß nun wohl, daß zu einer solchen Organisation Mittel gehören und insbesondere auch, daß die Verwendung der Kinder während der Schuljahre in Fabriken, beim Feldbau, ein Ende habm müßte. Aber daö darf uns nicht abhalten, das im Principe festzustellen, was die Schule der Zukunft anzustreben hat. Der Staat, der den Schulzwang einführte, muß auch seine Bildungsaufgabe bis zu dieser Grenze durchführen. Realschulen, Gymnasien und Fortbildungsschulen, technischen Anstalten aller Art knüpfen da an, wo die Volksschule aufhört und nehmen nur solche Schüler auf, welche in Allem, was die Volksschule zu bieten hat, gut vorbereitet ihnen überwiesen werden. Daß dann nur eine bedeutend geringere Zeit und Kraft in diesen höheren Schulen aufgewendet zu werden nothwendig ist, ist selbstverständlich. Die bisher hier unnütz vergeudeten Mittel für die Unterklasten dieser Anstalten kommen der Volksschule im Allgemeinen zu gut; sie können zur besteren Dotirung aller Anstalten gleicher Kategorie, die nirgends an überflüssigen Mitteln leiden, verwendet werden. 'Zch glaube, mit Bestimmtheit annehmen zu sdürfen, daß die Realschulen mindestens bis zur Sekunda, die Gymasten bis zur Tertia und Alles, was man unter dem Begriff „Mittelschule, Bürgerschule" begreift, durchaus wegfallen dürfte. Alle Schulanstalten eines Staates aber, das dürfen wir nicht vergesten, mästen von einem Geiste gettagen sein. Sie mästen durchgreifend pädagogisch organisirt werden. Lassen Sie mich nun, verehrter Herr und Freund, in einigen Schlußsätzen zusammenfassen, was ich hier in weiter und dennoch ersichtlich', dürftiger Weise Zhnen vorzuführen mir erlaubte. 1) Die harmonische Ausbildung des Menschen zum Menschen ist die Hauptaufgabe der Erziehung und des Unterrichts und somit der Volks-Schule. 2) Diese — die Volksschule — hat daher die Verpflichtung, jedes Kind des Volkes zur Erfüllung i