Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 51 (21.12.1870)
- Date
- 1870-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der IsrgMjselle Lekrer. Wochenschrift für die allgemeinm Angelegenheiten des Judcnthums und insbesondere des israelitischen Lehrerstandes. Organ für den Verein „Achawa." - u JK 51. Den 21. December L871» 10. Jahrgang. Wöchentlich 1 Kummer Lierteljährlicher Lbonnementspreii 40 kr. — Egr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeil«. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Sendschreiben an einen christlichen Freund, die Communalschule als Volksschule der Zukunft brtteffend. (Schluß.) Lasten sie mich, verehrt« r Herr, nun die Schlüste ziehen: Die Hauptaufgabe der Schule, der Erziehung und des Unterrichts fällt mit der Lebensaufgabe des Menschen zusammen; sie kann keine andere sein, als die steigende Ausbildung des Menschlichen im Menschen, der Gottebenbildlichkeit in uns, der Individualität, der freien Persönlichkeit. - Diese Ausgbe ist für alle Menschen die gleiche. Wir können sie.erreichen, nach dem Maaße der uns von Gott verliehenen Kraft, wenn wir arbeiten — das ganze Leben hindurch. Die Schule muß die Grundlage bieten, auf der wir fortarbeiten können. Diese Grundlage für die allgemeine Menschenbildung, das Tüchtigmachen zur Fortbildung, zur fortgesetzten Geistesarbeit ist die.Aufgabe der Menschenschule, der allgemeinm Volksschule. Neben diesem allgemeinen Menschenberufe hat Zeder noch einen besonderen (speciellen) freien Beruf. In dieser Hinsicht sind wir verschieden, je nach unseren Kräften und Anlagen, die, wmn wir normal gebildet sind, mit unseren Neigungen zusammmfallm. Erft der mensMiche, allgemeine, dann der besondere Beruf. Die Berufsartm sind verschieden; eS gibt wissenschaftliche und technische Berufsarten. Aber darum glaube man nicht, daß die technische Arbeit — wenn sie eine menschliche ist — eine rein mechanische, d. i. geistlos« sein darf. Nur wer mit dem Geiste arbeitet, arbeitet in menschenwürdiger Weise, findet Vergnügen an seinem Berufe. Also nochmals — erst allgemeine menschliche Erziehung, dann berufliche Erziehung. Erst Menschenschule, dann Berufsschule. Zeder nützliche Beruf ist wichtig für das Gesammtleben; darum müssen die Berufsarten verschieden sein »nd doch wie eine Kette znsammenhängen. Wer allgemein menschlich vorgebildet ist «nd sich dann seinen dereinstigrn Beruf frei nach Anlage und Neigung wählen kann, der wird diesen seinen freigewöhlten speciellen Beruf auch lieb gewinnen. Darum schon soll kein Kind einer höheren, d. h. einer BemfSschule übergeben ' werden, ehe eS in sich so weit gediehen ist, mit freiem Willen wählen zu können, oder mindestens, bis die Eltern zu unterscheiden vermögen, zu «elckem Berufe — wissenschaftlichen oder technischen — sich ihr Kind eignete Und diesem Berufe sollte eS auch zugeführt werden, unbeeinflußt von der oft grundlosen Willkür der Eltern in der Berufswahl. Die allgemeine Volksschule soll daher daS Kind besähigen zum Eintritte" in die Berufsschule, zu Vorbildung für den Berus. ES soll solange in der Volksschule bleiben, bis sich herausstellt, welchem Berufe eS zuzuführen ist. Wenn die berufliche Bildung auf dieser soliden Basis aufgebaut wird, so wird sie nach allen Seiten hefriedjgen. Somit sind die Stoffe, an welchen und mit welchen wir die Erziehung durch den Unterricht in der Schule zu begründen haben, gegeben. Die Volksschule hat in der Muttersprache, (Schreiben und Lesen und Derständniß des Gelesenen,) im Rechnm und der Formenlehre, in der Naturlrhre und Naturgeschichte, in Geschichte und Geographie, eine so br.eite Grundlage zu legen; daß der erwachsene Mensch selbstthätig und selbstständig darin sich fortbilden, und in dem Wissen, das nicht zur beruflichen Ausbildung gehört, den allgemeinen Anforderungen genügen, als „gebildet" im besten Sinne des Wortes gelten und daß er sich fernerhin ausschließlich oder vorwiegend der Berufsschule widmen kann. Die etwa einzuschlagende wissenschaftliche Berufsbildung wird bei solcher Vorbildung desto leichter errungen werden können und ein Studium von 3 Zähren wird weiter fördern als sonst 6 Zahre. Zur höheren Bildung gehört noch eine oder