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Der israelitische Lehrer · 1870-12-14 · 50 (14.12.1870) · p. Seite 405

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
Seite 405 (sequence 5)
Language
German
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— 405 — ihrem wackeren Lehrer Blumenau eine Gehaltszulage von 100 Thlr. jährlich bewilligt. Ein beide Theile ehrmdeS Factum. Deßgleichen hat die Gemeinde Gütersloh ihrem Lehrer Rüben, ohne dessen Antrag, eine Gehaltszulage von 30 Thlr. jährlich zuerkannt. (Dir müssen hier ein bemerkenswertheS Factum anschließen. Der Vorstand der oldenburgisch-birkenfelder Gemeinde O., welche einen westphälischen Leh- -rer L. hat, welcher ebenfalls zum Militär einqerufen wurde, ist mit Rücksicht auf Schule und Synagoge beim Generalkommando in C. um Urlaub für den eingekommen und wiederholt abgewiesen worden: Die christlichen Geistlichen sind vom Dienste frei; die christlichen Lehrer erhalten ihre Besoldung, auch wenn sie als Militär im Kriege sind, ungeschmälert fort. DaS sind die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen. Wo ist da die Gleichheit? Die Red.) — Literarisches. S pi n oza'S Theologisch-Politischer Traktat auf feine Quellen geprüft von vr. M. Joel, Rabbiner der isr. Gemeinde zu Breslau. BreSlau, Schletter'sche Buchh. (H. Skutsch) 1870. Durch diese Untersuchung wird wieder auf's Reue klar, welchen Einfluß die von dm Spanischen Juden ausgegangene Pflege der Philosophie auf die philosophischen Systeme der Neuzeit geübt hat. Spincza fußt ganz auf MaimonideS, ChaSdai KreskaS und GerfonideS, und Sp. ist wiederum der Träger der neueren Philosophie. Selbst Lcibnitz ging noch auf die Urquelle Maimonideö zurück. Man leugnet vielfach diese Vaterschaft deS JudentbumS, aber das Christenthum hat ja auch stets-das biblische Judenthum als Mutter verleugnet. So ist von Anfang an das Judenthum der Träger . der Civilsiation geworden und bis auf unsere Zeit geblieben. DieS kann man nicht oft genug wieder, holen, und das vorliegende Buch liefert einen trefflichm Beweis dafür. Die Zwerge der Neuzeit stehen auf den Schultern der Riesen der Vorzeit, und nur von dieser Höhe herab ist eS ihnen vergönnt, eine weitere Aussicht und einen tieferen Blick zu haben. Daß Spinoza aus jüd. Quellen forscht, ist nicht zu verwundern. Er war Jude. Aber die Christen nehmen ihn als einen der ihrigen in Anspruch, und somit ist es vonJnteresie, feine innere Uebereinstimmung mit dem Judenthüm nachzuweisen und zu erkennm. Sp. tritt zwar oft genug als Philosoph in Opposition zum Judenthum, er thut eS innerlich ebenso zum Christenthum, und nur äußere Rücksichten halten ihn davon ab. Die oppositionellen Anschauungen Sp.'S über daS Judenthum sind aber auch um so lieber von den Christen ausgenommen worden, als man ihm die vollständige Kenntniß davon zutraute und auch ebenso sehr die Opposition zum Judenthum liebte, als seine, wenn auch formelle. Anerkennung des Christenthums schätzte. So kommt die Ansicht, daß der MosaiSmuS keine eigentliche Religionslehre biete > sondern eine politische Gesetzgebung enthalte, von Spinoza her. Die Ansicht des MaimonideS über die göttliche Stimme, welche Israel am Sinai in Wirklichkeit vernommen, daß dies nämlich eine durch die göttliche Allmacht hervorgebrachte Verlautbarung besonderer Töne gew.-sen, ohne Worte zu vernehmen, oder daß Gott etwa den Luftwellen eine solche Schwingung gegeben, daß die beabsichtigten Worte lautbar wurden, wie Neuere sagen, wiederholt auch Spinoza. Mir scheint mit?ip nur die Stimme des Donners, die Stimme der Natur angedeatet zu fein, worin sich die Nähe Gottes dem Volke kund gegeben. Eine Gestalt hat es weder gesehen ^noch ein lautbares Wort vernommen. Denn Beides wäre eine Verkörperung Gottes. Die Offenbarung des geistigen Inhalts fand auf geistigem Wege Statt und dafür war Moses der Vermittler. R. Ein Judenmädchen. Roman v. G. von Kunda 2. Bd. Berlin. Hausfreund — Exvedition (E. Grätz.) Der Roman ist sehr gut geschrieben und auch feine» Inhalts wegen zu empfehlen. Er ist mehr socialer als religiöser Natur, denn er bespricht weder da« Judennoch Christenthum von seiner religiösen Seite, sondern behandelt mehr die Berührung von Juden und Christen und deren gegenseitigen Verkehr in socialer Beziehung. Da wird der indirekte Rath gegeben, daß Juden sich nicht social ahschlie en, aber auch daß Chrislm nicht exclusiv oder gar oppositionell verfahren sollen. Vertrauenvvlles Entgegenkommen und liebevolle Aufnahme ist von beiden Seiten erforderlich. In religiöser Beziehung lernen wir jedoch auch das Eine, daß die moderne Art der Erziehung, weche den Kindern keine positiv-jüdische, sondern nur eine negativ-christliche Erziehung gibt, die sie aus jüdischem Gebiete Fremdlinge sein läßt und schon damit zufrieden ist, daß sie nichts Christliches lernen und erfahre«, durchaus keine Bürgschaft sür die Erhaltung des JndenthumS in den zukünftigen Generationen biete. Ohne Geist keiue Begeisterung, kein Dasein, klein Fortleben. R.

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