Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 404 — thumS, unbeschadet aller gründlichen Wissenschaft und modernen Bildung, vollendet werden. Wir glauben hiermit eingedenk der un« Vorgesetzten beschränften Grenze die Frage in kurzen Abrissen erörtert und gelöst zu haben, wie der sittlich rAigiös« Mensch erzogen und seine Vollendung im Geiste des JudenthumS bewerkstelligt werden kann; unbeschadet, vielmehr fördernd der ihm zu werdenden Stellung als Bürger Und Patriot, aber „der Tag ist kurz und der Arbeit viel, die Arbeiter sind nachläßig, der Lohn ist beträchtlich und der Hausherr treibt. Aboth. 2. "o»m v'prrp D’^visni nnno rDNpan nsp Di\n„ "■.pnn non Pjdi mnn Auch wir muffen mit dem großen Tarphon sprechen: der Tag ist kurz für die vielen Pflichten, die wir als Mensch und Israelit zu erfüllen haben, soll das Haus Israel erbaut werden; ja kurz ist der Tag für den eifrigen Lehrer, wenn er das, was auf dem reichen Felde der Erziehung und des Unterrichts geschehen soll, überschaut, ja, kurz ist der Tag für sorgsame Eltern, die die Hand ihrer Kinder erfassen und ängstlich die Klippen und Felsen überschauen, die auf dem Lebenspfade ihrem sorgsam erzogenen Nachwuchs! entgegen stehen; aber lasset uny deßhalb nicht als müssige und nachlässige Arbeiter finden, treulich wollen wir des Herrn Wege wandeln- und an unserer Hand unsere Kinder führen, eingedenk der göttlichen Worte unseres heiligen Gängers, Psalm 119, 9: „nun HD3 yo-o mopp im« rw -ijfl" „Wie kann ein Jüngling glücklich sein? Wenn er sich bält nach deinem Worte." Indem ich hier meine Gedanken, und Erfahrungen, die ich mir durch langjähriges, mühsames Studium in diesem wissenschaftlichen Zweige gesammelt habe, niederlege, ist es mein sehnlichster Wunsch, wenn ich durch diese Rhapsodien einen CycluS für jüdische Pädagogik, Didactik uud Calechetik eröffnet habe, und verspreche ch mir dadurch viel Nützliches und Segensreiches für das jüdische Haus und für die Schule. Bamberg, im Monat pe'p re'Pnn sivn (Nov. 1870). Wochenbericht. Aus Weftphale». Die Einberufung zu den Waffen hat in mancher Gemeinde WestphalenS Störung in Schul- und Synagogenleitung und in einzelnen Fällen von der Armee zurückkehrende Lehrer in einen Kampf mit der Gemeinde gebracht. Es handelt sich näknlich um di; Frage, ob dem einberufenen Lehrer das Salair für die Zeit seiner Abwesenheit gezahlt werden soll. Dieser Fall wird demnächst durch gerichtliche Entscheidung festgestellt werden. Diejenigen, welche sich durch praktische Beispiel« zur Nachachtung wollen belehren lassen, mögen sich aus Folgendem das Eine oder Andere zum Muster nehmen. Dem Lehrer L. zu R, Regierungsbezirk Münster, weigerte im Jahre- 1866 die Gemeinde daS Salair für die zwei Monate, die er im Militärrocke als Vertheidiger des Vaterlandes gestanden. Es gab viele Verdrießlichkeiten in R. nach dem preußisch-österreichischen Friedensschluffe, und erst da, als der Lehrer mit der Kündigung ernstlich vorging^, bequemte sich die Gemeinde zur Zahlung. — Herr Lehrer Bilstein ist vor einigen Wocken vom Kriegsschauplätze in seine Gemeinde Olfen wieder zurückgekehrt; die Gemeinde macht ihm für die Zeit seiner Abwesenheit den ihm empfindlichen Abzug am Gehalte. Da alle Vorstellungen fruchtlos, hat Herr Bilstein den Weg des Rechts' betreten. Anders die Gemeinde Rheda AlS deren Lehrer Steinweg im Jahre 1866 den Militärrock mit dem Schulrock wieder vertauschen konnte, überraschte ihn seine Gemeinde nicht mit einer Kürzung des Salairs, wohl aber mit einer Ehrengabe von 25 Thaler. Als der Lehrer bei der jetzigen Affaire wieder einberufen und später entlassen wurde, glaubte die Gemeinde ihn wiederum mit einer Entschädigung für die ausgeftandenen Strapatzen erfteuen zu müssen.- In Oelde hat der Vorsteher W. eine Kündigung des Lehrers H zu Wege bringen wollen, bloS weil Herr W. für seinen eigenen Kopf eine aparte Confirmatton seines Sohnes gegen den dortigen Gebrauch einer gemeinschaftlichen Confirmation wünsi te. DaS gab Reibereien, wodurch die Gemeinde erst recht ihren Lehrer hat schätzen lernen und ihn trotz Vorsteher nicht wollt.' gehen lassen. — Die Gemeinde Enger bei Herfort b.warb sich um den Schulamtscandidaten St. und wünschte gegen Erstattung der Reisekosten dessen persönliche Vorstellung. „Zwei ist besser als Einer," und so unterhandelte die Gemeinde auch mit einem Zweiten, der Billigkest halber. Herr St. kommt, probt und wirb geprobt; während der Unterhandlung trifft die billigere Zusage des Zweiten ein, und Herrn St. werden die Reisekosten verweigert. Kaum hat der Zweite sein Amt angetreten, so weiß es der weise Vorstand von E. so etnzurichten, daß der glückliche Gewählte nicht nur ebenfalls auf seine Reisekosten verzichten, sondern auch gerade ins Wirthsbaus gehen muß — wenn er nicht seinen ganzen Gehalt als Kostgeld an die Gemeinde zurückerstatien will. Lasten Sie mich mit Freudigerem schließen: Der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde Bielefeld haben nach einstimmigem Beschlüsse