Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- Seite 403 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 403 serer in Realschulen und Gymnasien gebildeten Männer allzuwenig bekannt ist mit dem großen Lichtschatze, welcher in unserer großartigen deutschen Literatur, in unseren Klassikern liegt? das Studium dieser deutschen Klassiker wird dem eigenen Ermessen, dem Selbsttriebe anheimgegeben, welcher wohl Viele zu diesem Borne der gediegensten menschlichen Bildung führt, aber lange noch nicht genug, durchaus nicht Alle! Was aber wichtiger ist noch als dieser Mangel, das ist die Methodik in diesm höheren Anstalten, die durchaus nicht von dem Geiste der Pädagogik getragen sind. ES ist eben überall die allbekannte „gelehrte" UnterrichtSweise und man bekümmert sich ebenso wenig um die großen Principien der Unterrichtskunde, als da sind „Anschaulichkeit, Entwicklung, von Einzelnen zum Ganze»!, vom Nahen zum Entfernten" u.s.f. als um die großen Männer, die Lichtgestalten der Pädagogik der Bolksschule; und Pestalozzi und Diesterweg sind diesen gelehrten Herren unbekannte Größen, auf die sie mit süffisanter Geringschätzung als wie auf „ Elementargrister " herniederschauen. Es gibt wohl viele vorzügliche Ausnahmen, allein sie verlieren sich in der Menge und müssen am Ende mit dem großen Haufen gehen. Das Alles schädigt diese höhere Lehranstalten und veranlaßt eben eine Zerfahrenheit unseres Schullebenö, den Mangel eines einheitlichen, organisch gegliederten Unterrichts wesenS und -demzufolge unausbleiblich die Gebrechen der Volksbildung, deren eS so viele gibt, daß ich sie Ihnen heute nicht aufzählen kann. Wie also wollen wir unS vie Volksschule der Zukunft denken; wie muß sie sich gestalten, um ihrer hohen Aufgabe zu genügen? (Schluß folgt.) Aragmente über Erziehung überhaupt^ Erziehung und Unterricht im Geiste des Judenthums insbesondere. Von Leonard Müller. (Schluß.) Das älteste Werk, das von den ersten Gegenständen des Lebens handelt, trägt die hebräische Sprache vor, einfach und edel in der Erzählung, majestätisch und erhaben in den Befehlen und kühn und schwunghaft in der Dichtung. So erringt sich diese göttliche Sprache trotz aller Hypothesen die Erstgeburt und den Vorrang. Wer wagt es, ihre gediegene Kürz« zu tadeln, die in ihr athmende patriarchalische Einfalt a>- zutasten und ihre prophetische Hoheit zu: bekämpfen» Und wir sollten so sinneStrunken fein, ihrien göttlich«/ Stempel zu verkennen, ihe heilige Abstammung ft leugnen, ibre unendlichen Vorzüge abzustumpfen, ihren Eingang in der Jugend Tempel zu versperren? Talmud Aboth 2 „Bestrebe dich Thora zu studiren; denn erblich ist sie nicht." ruw rniP -ncW "psy;pnn" T? nem’" Erinnern wir uns der Devise Jean Paul», Levana 3. Band: „Wir finden Gott zweimal, einmal in,'einmal außer unS; in uns als Auge, außer un» als Licht." Wenn wir bisher nur skizirt habet:, wie dem Kinde die Gottheit außer sich gezeigt werde, so müssen wir auch jetzt, freilich nur eine Skizze, zeigen, wie die Eltern dem Kinde die Gottheit in sich finden lassen sollen. Die Anleitung ist in kurzen Worten diese: behütet die Unschuld des Herzens vor Selbstsucht und Habsucht, vor Tücke, Neid und Zorn, vor Rachesucht und Bruderhaß. vor Lüge und Verstellung, vor Verleumdung und Dünkel, mehret und pfleget seine Gutmüthigkeit, seine Unbefangenheit und Offenheit, seine Freigebigkeit und Theilnahme, seine Scheu vor allem Bösen und Unrecht, und zeiget euch überhaupt vor euern Kindern, so'wie ihr verlanget, daß sie es sein sollen; führet ihnen lebendige nnd geschichtliche und biblische Beispiele von guten und bösen Menschen und deren Folgen vor ihre Augen, bewahret sie vor böser Gesellschaft und vor Müfsiggang. So führet ihr sie ins Heiligthum Gottes ein, die Schule bauet dann weiter und wird eS ihr leichter, indem ihr das jugendliche Herz schon religiös angebaut habt und die Schule weiter durch eure Belehrung und Beispiel unterstützet. Verlanget nicht-AlleS von der Schule, und am allerwenigsten dürft ihr den weisen und religiösen Anordnungen heS Lehrers widersprechen, wodurch ihr das Kind irr^ machet, und im Hause leichtsinnig niederreißt durchs.euer leichtfertiges Gebühren in der Religion, in der Vernachlässigung deS Ceremonialgesetzes, was die Schule sorg- und mühsam aufbauet, wenn ihr auffallend und geflissentlich vor den Augen der Kinder, daS Ritual übertretet, die weisen Anordnungen unserer heij, Gesetze verspottet, den Forderungen unseres schriftlichen Gesetzes Hohn sprechet, die kirchlichen Anweisungen bekrittelt, das Gotteshaus vernachläßigt, bei milden Sammlungen euer Herz verschließt und der Gotteslehre euere Unterstützung versagt. Nur durch die glückliche Lösung des Verhältnisses des Hauses zur Schule, durch das harmonische Einverständniß urd die wechselseitige Unterstützung beider, der häuslichen und öffentlichen Erziehung kann die wahre Bildung des Erdenbürger» und eine vollkommene Erziehung im Geiste 'des Juden-