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Der israelitische Lehrer · 1870-12-07 · 49 (7.12.1870) · p. Seite 397

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
49 (7.12.1870)
Date
1870-12-07
Page
Seite 397 (sequence 5)
Language
German
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— 397 — betrachtet werden muß. Die -Schule soll die häuslichen Tugenden nicht etwain bürgerliche auflösen, sondern in bürgerliche so überführen, daß einst aus ihrem Jünger der beste Hausvater wird. Die Schule ist kein Spiel- und Tummelplatz, aber ein Ort, zu welchem die Schüler gern und freudig hineilen. Sie soll den Frohsinn, das rege Leben und die harmlose Heiterkeit der Kinder nicht einschüchtern und untergraben, sondern festhallen, begünstigen und fördern. Daß dazu die Einrichtung und Beschaffenheit der Schulstube' viel beiträgt, wird jedem denkenden Sach- und Fachkenner einleuchtcn. Wir können uns also der äußern Bedingungen der Schule nicht entheben, wenn wir nicht zerstörend in« innere «Gedeihen derselben eingreifen wollen. Mechanische und organische Ein richtung der Schule sind uns stets gleich wichtige integrirende Bestandthele. Zur ersten rechnen wir a. Lage und Bauart des SchulhauseS, b. Größe, Form, und Beschaffenheit des Lehrzimmers, c. Lehrapparat und Lebrgeräthe. Zur zweiten gehören a. eine feststehende Schulordnung, b die Classification der Schüler und c. der Lectionsplan. Eine weitere Auseinandersetzung verbietet uns unser Vorgesetzte« Ziel, und überlassen wir solche einer speciellcn Erziehungslehre. Wir gehen nun ungehindert zuni dritten Object der Erziehung — zum Haus über. Lasset' uns in einer gedrängten Darstellung beweisen, in wiefern daS HauS an der Erziehung des jungen jüdischen Erdenbürgers einen wesentlichen Antheil nimmt. "D3 -a-ip r« cnx omot>i„ 'v' apv l>oo rueo uL' ms mm rimS -a-6 PH' pnr 7IPL>2„ 51262 isy. n'vo i’3x 1313 Pmrro pomnzo mix ".mm no^oi znpn Die Schrift sagt: „lehrt sie (die Thora:) euern Kindern, und redet stets von ihr;" also, sobald daS Kind zu reden verstehe, belehret eS in der Tbora, die unS von Mösts geboten; daher sagt man. sobald das Kind zu -reden anfängt, soll der Vater ibm Anleitung im Hebräischen geben, und ihm Thora lebren." Dieser Wink zeigt uns die Verpflichtung der Eltern, wie sie an der religiösen Erziehung des Kindes tbätigen Antheil zu nehmen haben, wodurch sie dem fleißigen Lehrer nützlich in die Hände arbeiten. Im elterlichen Hause geboren, ist da« Kind zuerst den Eltern zur Erziehung gegeben, und an ihnen liegt es, den kindlichen Sinn frühzeitig auf Gott hinzuleiten und ihn dadurch zum religiösen Sinn zu machen. Dieser entfaltet sich durch die häusliche Frömmigkeit der Eltern, durch einfache Hinweijungen des schon etwas verständig gewordenen Kindes auf die unsichtbare Hand Gottes im Familienleben und in den Weltereignisten, durch Gewöhnung des Kindes zu einem kurzen Morgengebete , zuerst deutsch, später bei einigem Verständnis; der hebräischen Sprache in dieser^ durch Theilnahme am Gebete vor und nach dem Tische, durch kurze biblische Erzählungen von gottessürchtigen und tugendhaften Menschen belebend mit Sittensprüchen. Der altehrwürdige Gebrauch, das Ueberbringen der sogenannten Wimpel des Knaben zum Umbinden der Gesetzesrolle birgt in sich durch die frühzeitige Handanlegung an der Thora, die Verpflichtung, sich später erst recht mit ihr zu beschäftigen. Proverb. Sal. 22. b. „HUD TD’ SO 1'pi' '3 Dl ’3m ’C dp ->pl3 „Erziehe den Knaben nach seiner Weise, so wird er im Alter nicht von ihr (der Thora) lasten." Freilich steht dieieö alte symbolstche Herkommen in der grassesten Paradoxie mit der modernen systematischen Entfernung des Kindes vom Studium der Thora und der Ausübung ihrer he lsamen Gebote; wie man gar häufig bemerkt, daß man die Schale behält und den Kern wegwirft. Doch betrachten wir jenen Gebrauch einstweilen als eine Introduktion des Kindes in den Versammlungsort der Andächtigen *), : wo die feierliche Stille, der -rhabene Gesang, das! gemeinschaftliche p3r-, daS Imposante des Gotteshauses einen liefen Eindruck aut das zarte und empfängliche Gemüih des Kindes macht, die Phantasie zum Uebersinnl>chen emporschwingt und die Seele ehrfurchtsvoll zu seinem Gott erhebt. **) Die religiösen Eltern werden nicht versäumen bei Spaziergängen daS unschuldige Kind au' die täzüchen Wunder der Natur aufmerksam zu machen, wie ein allgütiges Wesen hoch am Firmammte die Sonne scheinen läßt, die allen Ge schöpfen Licht, Wärme und L.'ben gibt, wie bei Nacht Mond und Sterne glänzen, wie die verschiedtnfarbigsten Vöael durch ibr manchfacheS Zwitschern und ihren Gesang sich ihres Daseins freuen und dem Schöpfet schon in aller Morgen ihrLoblied bringen, wie Felde? und Wiesen und Bäume von v-rschiedenen Früchten und Futterkräutern prangen, und Läche^ und Flüsse Wasser und Nahrung reichen und der Schifffahrt dienen. Der Anblick eines blühenden Baumes, das Rollen des Donners, das Leuchten des Blitzes!, der Anblick der bellen Mondscheibe, der Genuß deS Wassers und Weins, das Tischgebet, die E nsegnnng des Sabbats und Feiertags führen die zarten, eindrucksfähigen Seelen zur Erkenntniß Gottes und unserer Abhängigkeit und Dankbarkeit gegen ihn. das Kind fühlt daS Bedürfnis; zu beten, erwärmt sich am Beispiel der Eltern, seine Betrachtungen werden fromm, sein Her; wird angefcuert nnv sein Mund stammelt erst unbewußt, später bewußt das Lob GotteS, wie es sich auf diese Weise an die hebräische Sprache gewöhnt und sie lieb gewinnt ’ und die hebräische Sprache ist *) Wenn das Kind ein Jahr alt ist? Red. **) -JUfan lese Conrad Kiefer 5. Kapitel: Erste Sorge für Conrad Kiefers Seele.

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