Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 49 (7.12.1870)
- Date
- 1870-12-07
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Centralisation, welche in französischen Verhältnissen liegt, störend und den deutschen Juden mit der Zeit widerstrebend sein sollte, so müssen wir später, — aber nicht jetzt, nur nicht in diesem Augenblicke — an eine Theilunz der Gewalten, an eine theilweise Umgestaltung der Organisation denken und es wird uns das zweifelsohne gelingen; wir werden dafür Mittel und Wege finden. Aber jetzt muß unser einziges Bestrebest dahin gerichtet sein, daS Werk, das so herrlich blühte/ so kräftige Entwicklung versprach, und das in diesem Augenblicke so furchtbare Störung zu erleiden hat, zu seiner früheren Blüthe zurückzubringen. Dann wird uns seine Weiterentwicklung gelingen. Ja, die Redaction der „Jsr. Wochenschrift" hat ein eben so wahres als großes Wort gesprochen: „Die All. Jsr. Üniv. ist die größte und imposanteste Schöpfung, welche Juden seit 18'X) Jahren ins Leben gerufen haben." Mögen sich ihre freunde vereinigt finden in dem,„ulten " Bunde, sobald wieder die Möglichkeit hierzu oorhanven und das wird, Gott gebe es, bald lein. Mögen sie treu, vereinigt, engumschloffen und einig fortwirken in der allen Weise. Für die Fortentwicklung wird Gott schon sorgen. Fragmente über Erziebung überhaupt,, Erziehung unv Unterricht im Geiste des Judenthums insbesondere. Don Leonard Müller. . (Fortsetzung) Wir können den israelitischen Lehrer, sofern er sein Amt pflichtgetreu verwalten will, nie von der Aufgabe entbinden, sich in der hebräischen Lprache und ihren Exegesen-, in den - rabbinischen Versionen und in der Tradition auSzubilten. In der hebräischen Sprache liegt die Wiege unserer Nation und in ihrem Schooße birgt sie den Liebling Gottes. In ihren Forschungen bieten sich Schätze dar, wie dem Kunstliebhaber jene, zu Pompei nnd Herculanum. Nur durch hervorragende wissenschaftliche Bildung wird ihm auch eine hervorragende Stellung in der Gemeinde und rn der menschlichen Gesellschaft angewiesen. Der Raum und der Zweck meiner kurzen Betrachtung erlaubt mir nicht, mehr über dieses Thema zu sagen, ein Mehreres bleibt-einer ausführlichen Ausarbeitung oder einer förmlichen Erziehungslehre überlasten. Unsere älterer, praclischen Lehrer bedürfen ihrer anerkannten Brauckbalkeit und. Tüchtigkeit wegen keiner weitern Anleitung und für die jüngern sind es nur wohlgemeinte Bemerkungen, und haben diese mit wenigen Ausnahmen gute Vorkenntniste und sachgemäße wistenschaftliche Bildung, für die meine Fragmente höchstens wohlmeinende Winke sind. (?) So mag der für sein heiliges Amt glühende eifrige Lehrer unbeirrt seinem religiösen Drange folgen und sein Tagewerk beginnen mit dem tröstlichen Motto: Proverb Sal. 16, 3 „Tnmzria 'n tu." „Befiehl dem Herrn deine Geschäfte, so werden deine Entwürfe dir gelingen. Noch kann ich nicht von diesem Abschnitte scheiden, ebne zuvor ein ernstes Wort an unsere Rabbinen als Milfactoren des Religonsunterrichts zu richten. An ihnen liegt eS, Hand in Hand mit dem Lehrer zu gehen, ihn in seinem mühevollen Amte zu unterstützen, ihm ihre Erfahrungen im Gebiete der Pädagogik mitzutbeilen, ihre beiderseitigen Eroberungen auf dnsem Felde auszutauschen, am Religionsunterrtchte selbst thätigen Anthcil zu nehmen, das Ansehen des Lehrers bei der Jugend wie bei den Eltern uu^ der Gemeinde zu fördern, die materielle Lage desselben zu verbessern suchen, und in dem brüderlichen Verhältnisse zu ihm und in ihrem gemeinschaftlichen harmonischen Zusammenwirken recht viel Segensreiches für Schule, Haus und Gemeinde zu schaffen. Es wäre deßhalb dringend geboten, daß sich die Rabbinen daS Studium der Pädagogik, Tidactik und Catechetik, worin eö an bessern Werken nicht fehlt, recht ernstlich angelegen sein lassen. In dieser rhapsodischen Betrachtung glaube ich, meinem Vorgesetzten Ziele gemäß, das Thema über die Bedeutung und Stellung des Lehrers erschöpft zu haben, und darf ich füglich zum 2. Theil, zur Schule, übergehen. Nicht selten finden wir namentlich in kleinern Gemeinden auf dem Lande die Sparsamkeit der Gemeinde auf das SchulhauS und Schulzniimer ausgedehnt. Die Schulstube gleicht einer Häringstonne oder einem Kerker, die Kinder zusammengeschichtet, der Lehrer an sie angedrängt, eines besondern freien erhabenen Platzes entbehrend, die Utensilien abgenutzt, defect und kaum nothdürstig verhanden, das Acht spärlich, die Wände schwarz und beschmutzt. Bei dem spärlichen Einkommen des Lehrers muthet man dieiem noch zu, die nvthwendigen HülfSmitiel zur Erlheilung des Unterrichts, als Bücher, Karten, Zeichnungen, Instrumente selbst anzuschaffen. Man betrachte aber di.se Mängel nicht als unwesentliche Dinge, wenn man den Zweck der Volksschule im Auge hat. Die Schule soll nicht Zwangsanstalt sein. Sie bildet eine Familie im Großen oder einen Staat im Kleinen, dessen Oberhaupt der Lehrer ist, und wenn dieser auf die Jugend imponirend wirken soll, auch als solches von den Kleinen unantastbar und' infallibel j