Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 49 (7.12.1870)
- Date
- 1870-12-07
- Page
- Seite 395 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 395 — als Dent'ckland. Man kennt dort eben von Älterü . her nur diese Staaten: Franken und Oesterreicher^ (etwa noch England). Und wohin soll der Centralsttz der Alliance ter* legt werden? Man vergesse nickt, daß bei Verlesungen mehr Concurren; bervort'ilt als bei Reugiüns n gm; vergesse ferner nickt, das? das neuerdings so in den Vordergrund sich krängende Rationalitätsprinzip gegenüber dem Hiimanilätsprinzip in gewissem Siiine an und sür sick schon ein se bstsücktiges und pariikularistiiches ist, und daß iick Rivalitäten aller Art und aller Orten herausbilden werd n, wenn man die Institution der Alliance dem Boden entreißt, in dem >i» geboren und groß ezogen wurde. Cr* werden «ich Stimmen sür und geaen Frankreich, sür und gegen Trutsa lank vernehmen - lassen , andere werden für Oesterreick, sür England, ja »ür Amerika stimmen — und der Zerfall w'rd unausbl iblick sein. Vergessen wir aber auck nickt unserer, der deut-! scken JudcnhUt, Zustände im I nern. Hier bei und in Teulsckiand nmiiit Alles eine parteiische (Gestalt - an und die verschiedenste' Vorkommnisse baden . bewiesen, da» sick ein Zus.mmcnaeben der deutschen ' Jndenbrit in irgend einer allgemeinen jüdischen Angelegenheit nickt denken läßt. DaS ist leider sebr traurig, aber eben io wah>.' Wir wollen nickt spreckcn von der jütisck-theoloaiscken ,Jacult5k. von den Lehrerseminarien, vom Gemeindetaa, von den Zeil'ckriften, vom Institut der israelitischer Literatur ui'? der Vi- : belgcsellichaft. Wir wollen beispielwei'e nur an un cre; Achawa erinnern, die dock naturgemäß dem Paneilebeu i am entferntesten steht. Wir ba en Alle« vermieten, was . nur im Stande war, derielben den An'ckein von ' Parten arbe zu geben. Wir und nalürlick heizte nock nickt im Stande, zu wissen, ob unstre Mitglieder uns die unterstützten Familien der einen oder der anderen : r»l giösen Richtung angehkr.n uno bekümmern uns; nickt darum. Wir strebten selbst nach orthodoxen! Männern für die Verwaltung, um tir aufkeimende < Opposition derselben zu befriedigen. Es bat uns nicktS gefruchtet und, während die .orthodoxe d. h. Lebmann'sche — Partei zu verschiedenen Zeiten uns persönl ck anzugreifen und zu schädigen trachtete, .zog sie immer auch die Achawa mit in den Kampf und suchte selbst einen Verein orlbodoxer Lehrer der Achawa gegenüber zu stellen. Ein großer Tbeil der ortbod. Lehrer hat sich leider dadurck wirklich vom Eintritt zurückhalten lassen. Wir stehen nicht an, hier zu gestehe», dag wir hoffen, eS werde diese Bewegung in Deutschland in späterer Zeit fruchtbringend sür daS Iudenthum - wirken, aber m der Gegenwart ist das deutsche Jui denthum in Parteien zerspalten, die hervorragenden Männer, die sich umS Judenthum kümmern, sind selbst Parteimänner: „Jedermann ein Princip" und es ist :n und allda« gerein unmöglich, für eine'allgemeine Institution, welche allen Parteibestrebungeu "an und für sich lene bleiben -oll. eine namha'te Zabl von kdervorrarend bekannten Männern zu finden, welchen Alle n - zende Vertrauen schenken. Es fehlt uns in Deutschlund an sol' eil Mäni e'n, wie sie in P riS leben, wo, wenn auch Cremieur für uiiie e SaHe verloren sein sollte, —wir wollen xö nicht bcff n, —!dock z. L. Albert Eoben nock eine.,'o hocknebende.! bei allen Israeliten bekannte u dgealtete Persönlichkeit ist, daß keine religiöse RiS tung ihm iriterstrtben würde. Wir erkennen darin denlEi'-fluß des ceniralinrendkn Eonii'leric.lprincips, da« wir 'ür Deutlchland nie und nimme wünicken,!das aber in tcr "or!i ---nden Angelegenh-t io cncvnij Vortdeile 'ür iick har, d-ßwir nimmerincbr etwas 'E'ni'prcchendeS. dein ra' Iick vran'reich in dem sich Alle einigen' während die religiöse Richtung Sackc-ces Einzelnen ist,> Die „'tll. Jsr. Ui.iv. " ift die ei":igr isr. Institution/worin iick in de die Veitglieder aller religiösen Richtungen ä sr-edferiig und einig finden; ziehen wir iz wir nimmerincor etwas »vni'preckei znsetzen vermöchten. Ep ist eben ebne Partei'ck/.ttirung, das in Tvr entgegen enthnm — o siciell ist, Gegenwart, Deutschlands en Hanxtsitznicht' nack D-utschland. um sie nickt ustausbieiblich mit in den Kampf der Parteien bincinzn iehen. V rgeffen wi>- 'ernrr nickt, wie a: crordentlich kränkend iind beleidigend cS für die Mi nner wäre, wUi.e die Alliance gegründet und bisher ge'eilet haben, — die wobl deutschen Uri'v ungS, aher bis auf zwei dock echte I-ranzostn und - wenn wir jcyl die festbegründete Anstalt weg-n des Unglücks i'-'res Vaterlands ihren Häiiden entwinden' wollt >; re eäs crbitteriu und das Gefühl wnx "g rsi'Lablckwächen und total vcrniiltcn würd., io daß zweifelsohne nickt allein die gcbcrn.en und bleibenten ,>raiiz:sen sonderu auck die mit ihnen sympatbisirendcn Elässr und Lothringer Juden dem neuen Vereine — und ein neuer Verein wäre das^ selbst rer Name müßte sckllSßlick veränderk werden — lerne bleib n würden. Und unter den ca. 12000 Mitgliedern der Alliance im Jahre 1869 waren 3134'auS Frankreich, 1352 allein in Paris, wäi rend ganz g eutschland nur 1562 zählte, Ungarn aber 1029, in'Pest mehr als in Berlin oder einer andern deutschen Stadt. Alle diese Mi glieder müßten wir neu erringen; cs wäre eben ein auf den alten Principien, aber auf ganz neuen mate-nllen Grundlagen errichtetes Werk. Wenn wir uns fragen, welche im Zwecke begründete Veranlassung vorliegt, die gegenwärtige Organisation so gründlich umzugestalten, so finden wir keine, während hundert materielle uud moralische Gründe dafür sprechen, daß wir unmittelbar nach dem Kriege die alten Bande wieder anzuknüpfen suhen müffen. Wenn, wa« wir zugestehen müffen, di: übergroße