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Der israelitische Lehrer · 1870-11-30 · 48 (30.11.1870) · p. Seite 390

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
48 (30.11.1870)
Date
1870-11-30
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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— 390 — wurde ihm durch Diplom vom 20. September 1810 die Doktorwürde verlieben; . er wirkte zunächst als Schriftsteller und alS Dccent an der hiesigen Universität. Nack deren Aufhebung erhielt er den Auftrag, Vorträge für diesige Ossiziere zu halten. Schon während dieser Periode übernahm er seit dem Jahre 1820 rin Lehramt an öffentlichen Schulen. Er erkannte das Bedürfniß, hier eine Realschule errichtet zu sehen. Als die städffchen Behörden wegen mangelnder Geldmittel mit Errichtung einer solchen zögerten, schritt Tr. Unger selbst und lediglich aus eigenen Mitteln, zu deren Errichtung; unter seiner Direction wuchs in den Jahren 1834 bis 1844 eine Privat- Realschule zu einer lebenskräftigen Anstalt heran. Diese begründete und bewährte Anstalt bot er sodann der Stadtgemeinde an, obwohl er hierbei wegen seiner Religion das Opfer zu bringen hatte, auf die fernere Direction verzichten zu müssen. Diesem - Anerbieten folgte im Jahre 1844 die Gründung der städtischen Realschule. Mit schlichtem Sinne, nur von Liebe zur Sache beseelt, nahm Dr. Unger eine einfache Lehrstelle an dieser Anstalt an, in welcher er treu und segensreich ausharrte, bis er im Jahre 1862, im Alter von 75 fahren, sich nicht mehr die Kraft zutraute, daS Amt eines mathematischen Lehrers zu bekleiden. — Seinen öffentlichen Verdiensten und seinen besonder» Leistungen für Wissenschaft und Schule zollte die Staatsregierung -eine besondere Anerkennung durch Verleihung des Prädikats als Professor im Jabre 1849. Neben seiner BerufSthäligkeit widmete er sich gern und eifrig den Ccmmunalintereffen. Lange Jahre war er ein sehr thätiges Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Seine Glaubensgenossen vereinigte er zu einem festen, für sie und für diejStadt- -gemeinde nützlichen Verbands Er führte die hiesige Synagogengemeinde ins Leben, indem er die für die hier lebenden Juden imkJahre 1811 das Syndikat übernahm, die Genehmigung der Finanz- und Domänenkammer d. d. 29. April 1812 zur Bildung einer kirchlichen Gemeinde erwirkte und das Vorsteheramt derseben bis zum Jahre 1835 führte. Auf das Bereitwilligste machte er sich hiesigen Bürgerkreisen nützlich, insbesondere durch gediegene wissenschaftliche Gutachten in Kaffenlachrn, namentlich über Lebensfähigkeit beabsichttgter oder bestehender VersorgungSkaffen. Sein öffentliches und häusliches Leben und Wirken, von den Stadtbehörden geehrt durch Verleihung des Ehrenbürgerrechts bei der Feier seines fünfzigjährigen Doctorjubiläums, wird in der Bürgerschaft 'unvergessen bleiben, wir rufen ihm — so schließt der Magistrat der ° Stadt — die wärmste Anerkennung nach. Magdeburger Zeitung ) Königsberg Das diesige Obergericht hat, im Gegensatz zu andern preuß. Gerichten, die Zulässigkeit der Juden als Vormünder für christliche"Waisen bestätigt. (Hamagid.) Coristanlinopel, 26. Okt. (Hamagid.) Der hiesige Oberrabbiner (Ohacham Baschi) ist gestorben; sein Hingang wird sehr betrauert. Sein Ansehen bei der Regierung war ebenfalls, sehr geachtet; er bezog einen StaatSgebalt von 2000 Piaster (440 Franks > monatlich. (Ta könnte Mancher einen Vergleich zwischen Preußen und der Türkei anstellen. R.) Literarisches. Ober-J«geIHeim, den 1. November 1870. In - erfreulichem Fortschreiten ist begriffen: BHp vifip Jllustrirte Prachtbibel für Israeliten in dem masoretischen Texte und neuer deutscher Uebersetzung mit erläuternden Bemerkungen von Prof. vr. Julius Fürst. Dieses Werk, das sowohl wegen seiner herrlichen Uebersehung, als auch seiner gediegenen Erläuterungen und seiner wahrhaft prachtvollen Ausstattung willen in Wirklichkeit die hervorragendste Stelle auf diesem Gebiete einnehmen wird, ist jetzt bis zum 32. Hefte vorgeschritten, welches bis in die Mitte des 17. Kapitel des Propheten Jeremia« reicht. In eigenthümlicher Weise hat unö besonders der Schluß dieses erhabenen Kapitels ergriffen, der gleichsam auf unsere Zeit geschrieben scheint, eine prophetische Schilderung enthält. DaS Kapitel ist überhaupt eines der mächtigsten deö erhabenen Jirrmijahu, tief ergreifend in seiner Wahrheit. -aan in« 'mo« ro du« nvv' „Also sprichtder Ewige: Verflucht ist der Mann, der auf einen Menschen sich verläßt, der einrn Sterblichen zu seinem Arme macht und vom Ewigen weichet sein Herz! Er gleichet dem dürren Dornstrauch in der Steppe, der eS nicht erlebt, daß das Glück kommt, der in sonnenverbranntem Lande weilet, in der Wüste auf einem Salzboden, der unbewohnt ist. Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Ewigen verläßt, dessen Verlaß stet« der Ewige ist. Er gleicht dem Baume, der gepflanzt ist am Wasser, und am Bache seine Wurzeln auSstreckt, der eS nicht empfindet, wenn die Gluth kommt; seinLanr bleibt grün, und in einem Jahr« der Dürre ist ed unbesorgt, und setzt nie nuS, Früchte zu tragen. Arg-

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