Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 389 dieses mangelhaften ReligionSnnterrichts. Der Lehrer selbst mochte mehr leisten, die Eltern stemmen sich dagegen, da der Zunge dafür französisch lernen, daS Mädchen fein sticken lernen soll mit der erläuternden Floskel: mein Kind soll kein Rabbiner, es soll Kaufmann werden, die Tochter soll zu einer Salondame erzogen werden. und wären nur hebräische Sprache mit der Bibelkunde belästigende Hindernisse. Was soll bu solchen Erscheinungen aus dem Kindlein werden? (Forts, folgt.) Wochenbericht. Aus Rheinhessen, 17. Nov. -sie baben über den hier berührten Gegenstand vielleicht schon Bericht erhalten, aber aus Bescheidenheit, weil er Ihre Person mitberührl, ihn nicht veröffentlicht. Ich will Ihr Gewissen erleichtern. Sie übersehen, dag in der Sache auch Ihre Gemeinde einen Faktor' bildet und nicht bloS Ihre Person.*) Ihrer Gemeindschulden Sie die Rücksicht der Veröffentlichung, und selbst wenn diese darauf verzichtenwürde, die That gehört der Geschichte an. Sie soll ein Vorbild werden für andere Gemeinden. — Die Gemeinde Jngelbeim nämlich, in welcher Hr. Klingenstein jetzr weilt und wirkt, hat, in Anerkennung seiner Wirksamkeit .für Schule und Synago.e, denselben am Schlüsse der jüngsten Feiertage mit einem Paar prachtvoller silberner Leuchter »nd einem neap. 150 Franken-Loose überrascht. Die Sache ging absichtlich nicht vom Vorstande aus, w il dieser nicht gleichzeitig sich selbst ehren wollte, denn daß Herr Kl. von diesem nach jeder Seile unrerstützt wird, verdient ebenfalls Anerkennung. Begeistert von dem Eindrücke des verbesserten und gehobenen seiertägigen Gottesdienstes, war der Gedanke, Herrn Kl. durch ein Geschenk zu ebrcn, in Mitten der Gemeinde wach und schnell zur That geworden. Man verbat sich bei der schriftlichen Ueberreichung jeden Dank, weil man sich selbst zu Dank *) Eine Zeitschrift ist kein Tummelplatz der persönlichen Eitelkeit eines Redakteurs; wir konstatiren, daß Obiges schon vor fast zwei Monaten geschehen ist, und daß wir auch jetzt noch nicht dein Andringcn unseres verehelichen Korrespondenten nachgegeben hätten, wenn nicht die Lokalblätter sich der Thatsache bemächtigt und sie in die Oeffcntlichkeit gebracht hätten; ein Umstand, der uns natürlich zedenfalls zur Veröffentlichung auch unsererseits verpstichtete. (Die Redaktion des I. L.) verpflichtet glaubte. Ehre einer solchen Gemeinde! — Die Gemeinde ist nicht groß, unterhält ihren penstonirten Lehrer, besoldet in reichlicher Weise ihren jetzigen, hat ein verhältnißmäßig großes Budg.et und in jüngster Zeit für Schule und Synagoge viele Ausgaben gehabt, und ist dennoch zu solchen freiwilligen ^Opfern bereit. Darum nochmals: Ehre einer solchen Gemeinde! ' Mannheim, 19. Nov. Sie kennen ja nun auch die Affaire von der Berufung jüdischer Seelsorger (?) für das deutsche Heer. Ich war überrascht, wie Jeder, von dieser Wandlung der Ansichten in Preußen. Die Köln. Zeitung berichtet uns jetzt Ge- > r.auereö darüber von Berlin, denn die Aenderung dessen, waS Rechtens ist. auch für die Jude», scheint i dieses Blatt sehr beunruhigt zu haben. Nachdem die edle Kölnerin nunmehr dsie wahre Sachlage erfahren, tröstet sie sich und Andere mit dem AuSspruche: „Das lautet doch anders." Bekanntlich hat nämlich llr. Treuenfelö (Stettin),wie auch Andere, beim preuß. CultuSministsr die Bestallung jüdischer Geistlichen für daS deutsche Heer beantragt und dalür gleichzeitig die Rabbinatskandidaten vr. Levin und Or. Gultmann vorgcschkagen, welche sich zur Ueberuahme der bezüglichen Aemrer mit ausdrücklicher Verzjchtleistung auf jede Art von Remuneration bereit erklärt batten. — Der Minister antwortete} wie ebenfalls bekannt, abschlägig. Das Bedürfuiß scheint sich indeß geltend gemacht zu haben und dadurch die Frage weiter ventilirt worden zu sein, so baß nunmehr der Minister aus königliche Ermächtigung die Herren Levin und Gultmann berufen und auch daS Reit zu weiteren Berufungen nach Bedürfuiß vom Könige erlangt hat, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalte, daß daraus' keinerlei Last für den Militärfonds erwachsen darf! Gailingen, in Bsideu. Herr Leopold Guggenheim, Kaufmann dahier, churde mit .206 von 304 Trimmen zum Bürgermeister dahier gewählt. Er ist der erste Jude in.Baden, der eine solche Stelle begleitet. Erfurt, den 2. Nbv. Im hohen Greisenalter nach verdienstvoller, ausspruchsloser Laufbahn starb gestern unser Ehrenbnrge^, der Professor Dr. Ephraim Salomon Unger. Angehörig der ersten jüdischen Familie, welche hier, und zwar im Jahre 18 l0, ein NiederlassungS- und Bürgerrecht erlangte, entfaltete der Verstorbene die Wirksamkeit eines ganzen Lebens in hiesiger Stadt und größteiheils für dieselbe. Seine Dienste leistete er der Wissenschaft im Allgemeinen, 5er Schule, der Stadtgemeinde, der Judengemeinde und manchem Bürgerkreise. Als Autorität im Gebiete der Mathemathik schon im Jugendalter gewürdigt,