Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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im Gebiete der Pädagogik mittheilen, am Religion«- | unterrichte selbst Antheil nehmen, daS Ansehen des j Lehrer« bei der Zugend wie bei den Eltern zu för- , dein, dje materielle Lage desselben zu verbessern suchen und in dem brüderlichen Perhältniß zu ihm und in ihrem gemeinschaftlichen Zusammenwirken recht viel Segensreiches für Schule,. Familie und Gemeinde : schaffen. Gleichzeitig mögen sich auch die Nabbinen! das Studium der Pädagogik, in der es an bessern Werj ken nicht fehlt, recht ernstlich augelegen sein laffen. > Wenn unS in der heiligen Schrift in ihrem An- . fange Genesis 1, 2b und 27 unsere primitive Abstammung kurz bedeutet wird w?x3 Dian nx v'pvx x^nn' lrx x*>3 D’p^x c'S3." „Da erschuf Gott den Menschen in seinem Ebenbilde Gottes erschuf er ihn," ist unS gleichzeitig mit dem Begriffe der Erziehung auch das Wesen und di« Aufgabe, Umfang und Grenzen, Charakter und Nothwendigkeit, Handlungsweise und oberster Grundsatz der Erziehung 'gegeben. Dir, Erzieher der Jugend, ift das göttliche Werk beschieden, an dem. jungen Manschenkeim daö Ebenbild Gottes zu verwirklichen. Die Gottheit ging dir in die>em erhabenen Berufe voran, und begleitet dein Werk auch während deiner Veranstaltung. Gott erziebt durch di - Natur, durch glückliche und traurige Verbängniffe, durch manchfache Weltereignisse, durch Bilder und Anschauung, durch Verbiudungen und Verhältnisse und durch ^ich als Mittelperson zur Leitung und Führung der Unmündigen^,. „v~y:K> jn trixrr ~sr. o." „Denn der Hang de« menschl.cben Herzens ist böse von Jugend auf." Genesis 8, 21. Es liegi in dem Berufe dcs Lehrers als Jugend- Erzieher , die Anlagen und das Vermögen der sinnlichen Natur des Kindes jenen der geistigen und beide dem höhern Treiben und Streben der göttlichen unterzuordnen, so daß der junge Erdenbürger zu einem wahrhaft reliziöftn Leben, zu einem Leben in Gott erwache, und in der Gottesfurcht Wurzel faste. „,'ips" D’Vi xd, ‘rr rx-vo 3,c px." „Nichts ist lohnender als Gottesfurcht, nichts anmuthiger als seinen Beseblen gehorchen." Midrasch. Die Erziehung des Menschen geht von Gott auS und führt zu Gott. Nur ein wahrhaft religiöser Mensch kann erziehen, nur wer daS Ebenbild Gotteö in sich verwirklicht hat, kann auch den gottähnlichen Menschen erziehen, nur der, bei dem die jüdische Anschauung zur Wahrheit geworden, dem ist eS ein Leichtes, den ihm zur Erziehung anvertrauten Pflegling im Geiste des Judenlhums fern von aller Asterbikdung und von der sogenannten modernen Bildung, die alles Fundaments entbehrt, im übertünchten Grabe nur Moder-birgt, seiner erhabenen Würde und Abstammung eingedenk heranzubilden. Dieses erhabene Werk zu leiten, bedarf es aber, lieber Lehrer! der religiösen Wei^e, selbst eine« gotteSfürchtigen Herzens. Man gibt nur, waS man selbst hat. Wir gestalten aus der niedrigen sinnlichen N'tur die höhere und geistige, geben der Vernunft und Fr.jheit die wahre Richtung, und entwickeln daS Embrio des werdenden Menschen zu einem Ideal der vollendeten Menschheit. DieseS Jdeal in jei-er vollendeten Reinheit und Schönheit ist uns in den verschiedensten Personen, in manchfachen Bildern und Lehren der heiligen Urkunde, im mündlichen wie im traditionellen Theil dargestellt, und so ist die wahre und vollendete Erziehung nur im Judenthum zu finden. Ehe man sich also an'e heilige Werk der Erziehung wagen kann, ist demnach gründliche Kenntniß der heiligen Schrift und ihrer Exegesen notbwendig. Die heilige Urkunde mit travit onellen Quellen ist das unentbehrliche Werkzeug des Lehrers wie Spat und Pflug das des Ackermanns, und finden wir die häufigen Klagen über mangelhaften Religionsunterricht uud Ausartung der Kinder nur gerecht ertigt in dem Mangel der hebräischen Sprache und der mangelhaften Kenntniß der heiligen Schrift, ihrer Quellen und des göttl. Gesetzes wie in dem leichtfettigen Hang des Lehrers zu einem gleichgiltigen jüdischen Leben, um sich vielleicht dadurch mehr der modernen Welt anpassend zu machen, und sich den christlichen Collegen vermeintlich würdig anreihen zu können. Wir wissen aus der Erfahrung, daß mancher Lebrer schöne Kenntnisse von der jüdischen Literatur in's Amt gebracht bat, diese aber nicht mehr erweitert und in der Fortbildung zurück g,blieben ist, wodurch aus dem Stillstand später ein Rückgang entstanden. Sein Unterricht wurde ein geistloser Mechanismus, eine schulmeisterliche Pedanterie, und wo derGeist der . Liebe fehlt, bewies er sich in feinem heiligen Berufe als ein Miethling und Söldling, der beim Beginn der Schule schon daS Ende gewünscht, nnd jede Gelegenheit willkommen hieß, um her Schule einige Stunden abzwacken zu können. Ihm war schon genügend, wenn er schablonenmäßig jedem Kinde bei der Schulvisitation einen eingebläuten Vers aus dem Pentateuch hersagen ließ, und der Sckul-Jnspecror war entzückt über die Fertigkeit der Juqend in der Uebersetzung. I Die auswendig gelernte, geistlose Desinition von All- I macht, Güte, Gerechtigkeit Gottes genügte vollkommen, I und bedurfte auch weiter keiner Prüfung der gram- I matikalischen Kenntniß der hebräischen Sprache, deS I Pentateuchs, der Propheten und des CeremonialgefetzeS. I Genug, der Lehrer bekam eine gute Censur, hatte doch I die Schule eine gute Drestur. » Aber nicht immer trägt der Lehrer die Schuld I