Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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387 — dem nächtlichen Schatten sammelt die Natur ibre Kräfte und begegnet munter dem Morgen. In den Lebensaltern der Menschheit währt die Kindheit lange, langsam schreitet Körper und Geist voran, bis mit zusammengenommenen Kräften die Blume dir Jugend hervorbricht und die Frucht späterer- Jahre allmähtig reifet. Jeder Mensch tiägt eine Wett in sich, und mit ihm stirbt seine Welt ab. Diese individuelle Welt steht aber deßbalb nicht isolirt von dem Ganzen da. Jedes organische Wesen bängt mit Boden, Klima, Witterung., mit dem periodischen.Athem der garnen Natur zusammen, daß es eben hiernach länger und kürzer dauert, früher veraltet oder leichter verjüngt Der Mensch als moralisches, vernünftiges Wesen hänat mit der Vernunft Anderer, seine moralische Bildung mit der Moralität Anderer, seine Anlage, mit der Denkart seiner Umgebung zusammen, und Bilder von Außen verfehlen selten den Reflex für seinen Seelenspiegel — er wird ein Heroe oder ein Feigling. Außer diesem Elemente ist er ein Fisch auf trockenem Lande, ein Vogel im luftleeren Raume; seine edlen Säfte versiegln, seine Kräfte ersterben, seine Fähigkeiten bleiben leblos und alle Anstrebung außer Zeit, Ort und Milhülfe der Elemente gleicht einer Blume mitten im Winter. Wer wagt es, der allmächt gen Natur zu widerstreben oder ihren Gang zu hindern? Folge ihr, gehe ihr nach, wecke schlummernde Kräfte, fördere Gedanken, richte die Thätigkeit, belebe die Luft, unterstütze Erfindung, erweitere das Feld nützlicher Tbätigkeit. Gehorche der Vernunft, und iiene der Billigkeit Komme dem jungen Sprößling zu Hülfe und schütze ihn gegen wucherndes Unkraut! So manchfach unsere jüdische Literatur, so lobcnöwerth der Eifer uuserer jüdischen Literaten ist, so' finden wir doch bei deren manchfachen Produkten gerade eines der wichtigsten Elemente, die Erziehnng im Geiste deS JudenthumS durch Schrift und Wort am meisten vernachläßigt. Wer aber eines Theils den Kulturzustand unseres JudenthumS, andern TheilS den Bildungsgrad mancher Rabbinen und Lehrer, letzterer besonders in kleinen Gemeinden kennt, wird mit mir die Meinung theilen, daß es streng geboten ist, die Aufmerksamkeit der Literatur auf das Gebiet der jüdischen Pädagogik und Didaktik zu lenken. Drei Objecte treten in diesem Betracht vor unser Auge: l, der Lehrer, 2, die Schule und 3, das Haus. Zunächst über den Lehrer, dessen doppelte BerusSpflicht als Erzirher und Lehrer. Unsere mosaischen GesetzeS-Autoritäten bezeichnen in einer einfachen Devise die hohe Bedeutung deS Lehrers „D’ar niid3 *pi {OiDi“ Aboth 4. „Die Ehrfurcht vor deinem Lehrer grenze an die Ehrfurcht vor Gott!" So wenig glänzend und benridenSwrrth dem Lehrer seine Stellung, andern StaatSdienern gegenüber angewiesen ist, pekuniär und politisch, wild dock kein denkender Mensch die Wichtigkeit deS Lehrberufs verkennen, und wird eS nickt gewagt fein, zu hebaupten, daß dieß Amt eines der ehrwürdigsten und wichtigsten ist, sofern wir einsehen, daß Erhebung und Unterricht die wichtigste Staatsangelegenheit bleibt. Mögen die beredtsten Kavzelredncr mit feuriger Zunge für Aneiferung der Tugend und Vei bannung des Lasters predigen; wögen die Regierungen die heilsamsten Verordnungen für Sittlichk.it und Rel'gion erlassen; mögen Gelehrte ihren Geist in den erhabensten Werken erschöpfen für Verfeinerung der Sitten und Verbannung des Aberglaubens — Alles leere Klänge, Worte in der Wüste, wenn die Jugend in der Schule keinen Unterricht genossen, ohne richtige Grundsätze und edle Gesinnungen geblieben. Wer bereitet den Fürsten auf seinen hohen Berus vor, wer verschafit der Regierung nützliche Patrioten/ wer gibt dem Lande verständige Einwohner, wer den Familien treue und gewissenhafte Dienstboten, wer dem Prediger aufmerksame und empfängliche Zuhörer, wer den Eltern dankbare und fleißige Kinder? Wer anders als der verständige und berufsireue Lehrer? Ein Alexander der Große hielt es nicht unter seiner Würde, öffentlich zu bekennen, daß er zwar seinem natürlichen Vater das Leben, seinem Lehrer aber die Art,' glücklich zu leben, zu verdanken habe. MaimonideS :'n'e nun iiadn noSia 3”n N-n -p wn-m ■ rsx 11333 nusa din» ceo„ ”,lb 1N’30 r3NW 1'3>>2 1,11’ irtoi 131 11333 .">>3.1 D^iyn "nd 1>>'32 .1031 Iia^v 1311 .im adiy.1 „Wie der Mensck zur Ehrfurcht gegen seinen Vater verpflichtet ist, ist er in einem hchern Grade die Ehr» furcht seinem Lehrer schuldig; denn der Vater verschafft ihm blos daS dießfeitige Leben, sein Lehrer aber lehrt ihm Weisheit, wodurch er des jenseitigen Lebens theilhaft wird." Dieser Erkenntniß gemäß sind wir aber auch moralisch und traditionell verpflichtet, das schwere Amt deS Lehrers zu erleichtern, ihm die schuldige Achtung und Anerkennung zu beweisen und ihm durck eine ausreichende Dotation eine sorgenfreie Stellung und Liebe zu seinem schweren Berufe zu verschaffen. Moses, unser Gesetzlehrer und erhabenes Vorbild hat deßhalb Sebulon dem Jsaschar vorgesetzt, obgleich letzterer seinem Bruder an Jahren und Wissenschaft überlegen war, weil Sebulon ihm einen Tbeil seines Handelsgewinnste» abgetreten, damit Jsaschar sich sorgenlos dem Thora-Studium hingeben konnte. ,.13 D»p'«na^> km D»n py". „Die Thora ist ein Lebaum denen, die sie unterstützen." Mögen auch darin unsere Rabbinm für sich eine Mahrung finden, daß sie den eifrigen Lehrer in seinem mühevollen Amte unterstützen, ihm ihre Erfahrungen