Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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386 — in den Knabenanstalten wirklich höhere Ziele verfolgt, — hat man hier notorisch nachgewiesen, daß die Miniatur-Töchterschulen, auf dem Lande insbesondere, in Erziehung und Unterricht vor der Volksschule nichts voraus haben, vielmehr im Allgemeinen gegen diese zurückstehen. Ich muß hier vorausschicken, daß die größeren Privatlehranstalten in den Städten nicht in diese Kategorie gerechnet werden dürfen, da sie auf anderen Principien aufgebäut sind und andere Lebensbedingungen haben. — Dies voraus geschickt, komme ich auf die Schule der Zukunft, zurück und erkläre nun: Die Volksschule der Zukunft ist der einheitliche Unterbau für das gesammte Erziehungs- und Unterrichtswesen aller Kinder deS Volkes. Zum Volke gehören Alle — der Sohn des Fürsten und Ministers, wie der Sohn des Kaufmannes; deS Millionärs wie deSB eitler S, des Fabrikanten wie seinesArbeiters, deSBauerswie seines Knechtes. Kein Kind darf dem Unterrichte in der Volksschule entzogen, kein Kind in eine andere Unterrichtsanstalt übergeführt werden, bevor eS diejenigen Klassen der Volksschule durchlaufen bat, die es zum Eintritt in eine höhere Unterrichtsanstalt,, die dann eigentlich Berufsschule ist, befähigen. Soll ich Ihnen dir tiefernste Bedeutung dieser Sätze erklären? Soll ick' Ihnen mit den Worten Schillers „Nor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor den fteicn Menschen erzittert nicht" von den Gefahren sprechen, welche die Verkümmerung der Bildung der sogenannten niederen Volksklassen in sich birgt? Soll ich Ihnen Nachweisen , daß das einzige Mittel zur Ueberbrückung des Zwiespalts zwischen der besitzenden und besitzlosen Klasse, die so viele Gefahren für die friedliche Entwicklung der Menschheit in sich birgt, die Gemeinsamkeit der grundlegenden allgemeinen Mensckenbildung ist? Soll ich Ihnen Nachweisen, daß der Volksschule in ihrer materiellen Verkümmerung geholfen werden könnte , wenn die Tausende, die dort unnöthig für die .Trennung der Stände" verwendet werden, für eine einheitliche, gute Volksschule bestimmt würden, die die Grundlage aller Schulen, die gemeinsame BildungSanstält aller Dolksklassen werden, muß? Ich will eS versuchen, und ich hoffe, es wird mir, zum Heile der Volksschule in unserer Gemeinde nnd vielleicht auch weiterer Kreise gelingen. Aber Eines, verehrter Herr, wage ich nur anzudeuten, ich will es nicht versuchen, Sie damit länger aufzuhalten. Es wäre fast eine Beleidigung, wollte ich mehr davon sprechen. Ihr erleuchteter Geist, Ihre Erfahrung, die Sie bn Ihrem Leben in und mit dem Volke sich errungen haben, sagt Ihnen das bester, als ich es sagen könnte Nun denn: eS wäre eine Schmähung des Menschengeschlechts und seines Schöpfers, es wäre ein Haustschlag ins Angesicht der Geschichte, wollten wir von Verschiedenheit der geistigen und sittlichen Anlagen in den verschiedenen Klassen der menschlichen Gesellschaft sprechen. Nein, Gott hat alle Menschen in seinem Ebenbilde geschaffen, Allen hat er das Streben und die Befähigung zur Erreichung ihrer Menschenbestimmung als köstliches Angebinde mit auf den Lebensweg gegeben. Die Gleichheit der Menschen, das ist eine heilige Offenbarung unserer Zeit. Die Talente, die höheren Anlagen, der Trieb zu allem Hohen und Edlen finden sich in allen Klaffen der menschlichen Gesellschaft, bei den Reichen und Vornehmen — wie bei den Niedriggeborenen und Armen. Ueberall finden Sie Großes und Erhabenes, Aufopferungsfähigkeit und Hingebung, Menschenliebe und Begeisterung. Und Sünde und Verbrechen, Rohheit und Unkultur, sie sind überall heimisch, wo Erziehung und Unterricht verfehlt sind. Wohl — leugnen wir eS nicht: Die Erziehung kann nicht alles thun, aber sie thut doch das Meiste. Wir finden sittliche Vernachlässigung, Verwilderung in der überfeinerten Gesellschaft, die sich nur in den SalonS zu bewegen gewohnt ist; wir finden sie auch bei den Armen. Wo sie entschuldbarer ist? Und wo eine sorgsame Erziehung und Bildung segenbringender wirken kann? Wir wollen nicht entscheiden; erfüllen wir unsere Pflicht gegen alle in gleicher Weise. (Fortsetzung folgt.) Aragmente über Erziehung überhaupt^ Erziehung und Unterricht im Geiste des Judenthums insbesondere. Von Leonard Müller. Belauschen wir die Natur in ihrer geheimen Werkstatt, in ihren verborgenen Gemächern, so zeigt sich unserem forschenden Blicke eine stet« Entwicklung ihrer Kräfte in allen Gestalten, Gattungen und Arten. Diese Evolutionen gehen, langsamen Schrittes, und erscheinen meistens perjodisch. Auf die Natur des Schlafes folgt langsam der erwachende Morgen. Unter