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Der israelitische Lehrer · 1870-11-30 · 48 (30.11.1870) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
48 (30.11.1870)
Date
1870-11-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■f Wochenschrift für die ollgenieinen Angelegenheiten des Judcnkhums " und insbesondere des israelitischen L eb r c r st a n d e S. Organ für den Verein „Achawa." Jfä 48. Den ü©. November 187«. fv 1(). Jahrgang Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Abonnemmtsvreis -40kr. — ni/2 Sgr. Anzeigen ,u l Agr. die Peutzcile. Bestellungen nehmen alle Postäniter und Buchhandlungen an. Smdschreiben an einen christlichen Freund, die Communalschule als Volksschule der Zukunft betreffend. (Fortsetzung.) Lassen Sie mich, verehrter Herr und Freund, kurz sein in dem Punkte, in dem ich der Ueberein stimmung mit Ihnen sicher bin: Die ConsessionSschule i st nicht d i e V 0 t k S i ch u l e d e r Z u k u n ft. Die Pädagogik hat darüber längst entschieden. Die religiösen Anschauungen und Formen, die das Trennende der Religionen und Confessionen bilden, haben sür die Entwicklung der Menschheit ihre große Bedeutung gehabt, und werden diese — w i r hoffen e S — noch ferner behalten. Dieser Kampf der Geister ist aber nickt sür die Jugend, die erzogen werden soll zur sittlichen Freiheit und Selb Bestimmung. Glauben Sie mit dem Aushören der ConsessionSschule die Rä'hsel der Volksschule der Zukunft, die ick, um einem gebräuchlichen Ausdruck und ein principiell von der gegenwärtigen Organisation unterscheidendes Moment zu haben, „Communalschule^- genannt habe, gelöst? Mit Nichten! Und hier komme ich an einen Punkt, wo ich befürchten muß, nicht so sehr Ihrer Uebereinstimmung sicher zu sein Seit einiger Zeit ist ein Kampf entbrannt, der anscheinend nur sür größere Städte eine Bedeutung hat: die Frage über die Organisation der Schulen überhaupt, über daö Verhä tniß der Volksschule zu den sogenannten höheren Lehranstalten, über die Begriffe: — Realschule, Institute, Gymnasium, höhere Bürgerschule rc. rc. Dieser Kampf und diese Fragen werfen aber tiefe Schatten auch auf die einfache ländliche Volksschule, insbesondere, wenn diese meiner wohlhabenden .und bildungSbedürstigen Gemeinde oder Gegend besteht. Nehmen wir die realen Verhältniffe zur Hand, wie wir sie hier zu Lande finden. Die Realschulen im Großhcrzogthum Hessen:sind wohl auch in Preßen haben leine sogenannte Vorschule, einen UntercursuS eigener Art und kigeneu Baues. Trotzdem es sich nun vielfach Nachweisen läßt, daß die Schüler der einfachen ländlichen Elementarschulen vielfach ebensogut, wenn nickt besser erzogen und unterrichtet in die Oberklassen der Realschulcsi treten, wie die in den Unterklassen der Anstalt sdlbst vorgebildrtcn, suchen die Leiter jener Anstal'cn doch naturgemäß diejenigen Kinder, >: elche später die lstcalschule besuchen sollen, den gewöhnlichen Volksschulen schon von' vorn herein zu entziehen und sie in ihre Anstalten hinüberzubrin- _f,ni. Dadurch eutst.ht ei« Zwiespalt zwischen den Zöglingen der verschiedenen Anstalten, F>er oft durchs ganze Leben geht. Cs rntsteht das, was man unter " der Bezeichnung Ständeschulen verstanden wiff'en will. In den Städten gibt es „Armen-, Bürger, Real- und Gymnasialschüler."j —— Auf dem Lande sucht man das oft durch jene widerlichen Zwilteranstalten, „Knaben-Jnstitute" genannt, nachzumachcn und zu ersetzen; Anstalten, die Diestierweg mit Recht „Geistes- Garküchen" genannt hat. Cs werden somit der Volksschule die Kinder der wkshlhabenderen Klassen zu ihrem eigenen und der Schule Nachtheil früh entzogen, oder derselben gar nicht anvertraut. Nicht besser, ja ost nych schlimmer, sieht es aus . in Beziehung aus die Erziehung <und den Unterricht unserer Töchter. Während man beim Knaben noch die Entschuldigung sür sich,hat, daß man feststehenden Verbältnissen Rechnung trägt, well die dereinstige Berufswahl und die leidige Militäreinjährigeberechtigung einen besonderen Lehtoang notbwendig machen — obwohl ich später die Verwerflichkeit dieser Bedingungen wegen Corrumpirung des Schulwesens Nachweisen werde, — hat mast hier keinen Grund, als den, daß man seine Kinder eben sür besser hält, als die Kinder des gemeinen Volkes! Während tm Allgemeinen angenommen werdest kann, daß der Unterricht

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