Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 47 (23.11.1870)
- Date
- 1870-11-23
- Page
- Seite 383 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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lange an den Sonntagen anstatt der Samstage zu! halten, bis etwa die dortige israelitische EultuSge-! meinde Vorkehrungen trifft, wonach der Abhaltung der Feiertagsschule an den Samstagen keine religiösm Satzungen mehr entgegen stehen. — Hievon sind die Betheiligten und der Distr.-Rabbiner zu verständigen. j WaS sagen Sie nun zu solchen Erscheinungen? Soeben lese ich den erschienenen neuen Lehrplan! für die deutschen Schulen. Sie erhalten nächstens > Näheres hierüber, obwohl er die jüdischen Elementar- > schulen kaum nur erwähnt. Wir sind dies übrigens; längst gewphnt. — Literarisches. Deutsches Lesebuch für Oberkl asien! israelitischer Volksschulen, berausgegeben! von G. Jacob, Lehrer in Sohrau, beurtbeilt von Or. Hochstädter, Bezirkörabbiner in Bad Ems. „Tadeln ist leichter als bester machen!" sagt ein altes deutsches' Sprichwort. Von diesem Grundsätze ausgebend, batten wir irüberhin (1856) die vom seligen Emanuel Hecht für die isra-litische Volksschule umgearbeiteten H a e st e r' s ch e n Lehr- und Lesebücher rezensirt und dabei die humane VerfahrungSweise des Verfassers hervorgehoben, wie solche in jener Reaktionszeit auf dem religiösen, politischen und socialen Gebiete doppelt lobenSweith war, obschon die Diction so mancher Leseftücke, welche von HaesterS oder Heckt berrübren, nicht immer regelmäßig und nicht Alles schön stylisirt war. Das rubricirte Werk des Herrn G. Jacob — wovon vorläustg die erste Abtheilnng erschienen ist — soll nun vorzugsweise ein Lesebuch (also nicht zugleich ein L e h r b » ch) für israelitische Volksschulen, und zwar für die Oberklassen derselben sein, in welchen es in der Tbat ed'e Blüthen und Früchte für die Religiosität, Moralität und Humanität der Schuljugend zu fördern im Stände sein dürfte. Auch bewegt sich die Diction jener Lesestücke, die vom Verfasser selbst hcrrühren, im leicht verständliwen Tone, wenn auch bei dessen poetischen Produktionen, wie überhaupt bei den meisten, anderen Dichtern und Schriftstellern entnommenen Lesestücken, das belebende und erklärende Wort des Lehrers nicht z.i entbehren ist. Somit können wir dieses Leiebuch für den angegebenen Zweck den israelitischen Volks- und Religio nslehrern um so mehr empfehlen, alS schon in der ersten Abtheilung deffelben über ein halbes Hundert der herrlichsten Lesestücke rein jüdischen Inhalts si!nd. ) ' Feuilleton. Hp de Juden-Psrj'*) (Schluß.) Ein mühseliges Leben führen die die Judenbörse bevökernden Israeliten. Frau und Kinder müssen ihre Kräfte ausbieten, um zum Lebensunterhalt beizuträgen. Sie habe» Alles und Jedes in ihr geschäftliches Bereich gezogen. Selbst als HeirathSvermittler kündigen sie sich an. Sie sorgen für :omplete Hausstände und gehen Braulente nur zu einem solchen „Bör'enbewohner:" direkt auf der «trage hat er die Möbelgegenstände ausgepflanzt, hier das Bett, dort ein Sopha, rechts und links ein halb» Dutzend Stühle, in der Mitte einen Tisch und eingerahmte Bilder gucken zwischen einem Geröll, alter Hausgeräthe, Töpfe, T'egel u. s. w. hervor. Es fehlt, an nichts, was der bescheidene Sinn begehrt. Neue Kattune, abgetragene Damenkleider, krummgebogene-Krinolinen, Hanseaken-Uniformen, für alle Augen Brillen, Gummischuhe, 8 Schillinge daS Paar. Du lieber Himmel, für einige Thaler kann man sich ein ganzes Jimmer ausmöbliren, kann man sich „feinmachen" in einem „nagelneuen" Anzug. Schuh und Stiefel, ausgeflickte und auigewichste Sorte, sind ohne Uebertreibuug zu Tausenden vertreten. Sie liegen haustnweise aasigeichichlet oder hängen zu Dutzenden, an Haken befestigt, vor den Kellerwohnungen der Judenbörsler, daneben in innigem Zusammensein, glänzen babylonisch aufgetbürmte Massen von Flickflecken, abgerissenen Bändern, Schnüren, Borden u. s. w. ES kommen die Fischweiber, die Aermsten der Vorstädte und entnehmen aus diesem Lumpenkram ihre Kleiderbtsätze, ihre Garderobe-Verzierungen. Es gehören ein guter Magen und starke GeruchSuerven dazu, in diesem duftenden, aus alten Rumpelkammern zusammenge uhten All-rlei herumzuwühlen. „Kuddelmuddel! Kuddelmuddel!" schreien die In Haber der Lumpensammlungen den ganzen Tagen hindurch und dabei heben sie mit den Händen, wie zur Ansicht präsentirend, .die! verschossenen Haubenbänder und die besseren der alteir Indcnschnüre in die Höhe, lasten sie durch die Finger rutschen, wie glatte Aale, fangm sie auf während des.Sinkens. lassen wieder die Rutschpartie beginnen unh schreien dabei immer- , / V <