Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 46 (16.11.1870)
- Date
- 1870-11-16
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\ — 3745 — Lensgoncssen ist den gedachten Gefangenen au b außerdem manche Bonification zu Theil geworden. Camen in Westphalen, 30. Dkt. Am 20. d. M., am ersten Jahrestage seines Einzuges in die hiesige Gemeinde, erhielt der Lehrer V. Timon die definitive Bestallung als Lehrer dahier. Als Zeichen der Anerkennung mit seinem Wirken in Schule und Synagoge ersch en am Samstag Morgen, nack beendigtem Tabbatzottesdienste, der Schulinspektor Pfarrer! Prvbstein und der Bürgermeister v. Basse in der Synagoge, um die Ernennung feierlichst zu überreichen.! Der überraschte Lehrer dankte in passmden Worten! und sprach die Ueberzeugung aus, daß, wie bisher so. auch fernerhin, di-' Uebereinsiimmung zwischen Schule , und Heus nicht gestört werde. Es war ein erhebender Akt. Hamburg, I. November. Die Direction des israelitischen Tempeloerbandes bat im Jabre 1^44 eine Anleihe gegen Ausgabe von Aclien ausgenommen. Dieselbe versprach die ^esienS brr Aclionaire unkündbaren Summen bis zur Zurückzahlung mit 21/j pEl j ihr ' lich' zu verzinsen. Dagegen verpfändete der Tempelverein seine sämmtliche Habe u ad Güter, namentlich auch das damals neu errichtete Tempelgebäute, und sollten alle Ueberfchüst'e der jährlichen Einnahmen, sowie alle freien Schenkungen zu einent Tilgungssond der Anleihe, die M L. 100,0'X> betrug, verwendet werden. Die Einlösung von Actien sollte jedesmal er- ■, folgen, sobald M. B. 1000 angeiammelt seien. Herr Eduard Bauer halte als Besitzer einer Actie, welchei er dem Tempelvereiu bereits im Jahre 1*04 geknu- ' digt harte, vor einiger Zeit zur Auszahlung des ge- . kündigten Betrages nebst Zinsen und Kosten, eventuell - zur uachträglicheri Neckmungsablage über die plan mäßigs Tilgung der Actien beim Niedergericht geklagt. ' Herr Dr. H. May, a's Anwalt des Klägers, bebaup i teke, das; die Direction des Tempelvereins in jeder Hinsicht den mit desf n Gläubigern geschlossenen Per- > trag verletzt habe. Rechnung sei nämlich den Actio- - nären niemals abgelegt worden, aus der Auszahlung 1 hypothekarischer Schulden gehe hervor, dag UebersLüsse. der Einnahme vorhanden gewesen seien, und seien namentlich dem Tempelverein seit 1"'44 viele Schenkungen gemacht worden, die aber nicht' zur Einlösung von Actien der contrahirten AnleibÄbenutzt worden wären. Herr Dr. John Israel a^r Anwalt der beklagten Direktion hob hervor, daß die Anleihe als eine von den Aktionären unkündbare sein.r Zeit contrahirt worden ,ci. dasz die finanzielle Lage des Tempelvereins bis vor einigen Jahren keine glänzende gewesen, und daß auch jetzt große Ausgaben zur Unterhaltung deS Gebäu-es bevorständen. Das Ni dergerichl bat die Legitimation des Klägers zur Stellung seiner Anträge für richtig erklärt und in der Sache selbst erkannt: „daß die beklagte Direction zu verpflichten sei, innerhalb 14 Tage dem Kläger die letzten 0 Jahres» bilancen der von ihr vertretenen religiösen Gemeinschaft mitzutheilen, widrigenfalls sie zur Auszahlung der dem klägerischen Mandanten g-hörigen Partial- Obligation ihrer Anleihe vom Zahre 1844 verurtbeilt werden wird, und daß wegen der weiter gebenden Ansprüche des Klägers beiden Parteien ihre Gerechtsame und zunächst dem Kläger fernere Anträge vorzubehalten seien." Die Direction des israelitischen Te'mpelverbande» . hat gegen dieses niedergerichklicke Erkknntniß an das! Dbergericht appellir'. . Wie;wir nachträglich erfahren,; hat die Direction des Temp-lve-bandes rur Permei- I düng fernerer Westläungtciien vorgezogen, den Betrag der eingeklaglcn Actie auözuzahten. > Ungarn. Der Ungarische Lebrertag, welcher am 16., 17. und 18 Aug. d. I. un er großer Be-! thciligung >n Pest abgehaltey wurde, hat u. A den j wichtigen Beschluß gefaßt, daß er di: ^confesi'ionSlosen j Ickulen" vom Gesichtspunkt' der Humanität, der Pä- : dagozik, Religion, des Nationalismus überhaupt und . spcciell des ungarischen, ferner vom bürgerlich':» und! nalional-ökonomischen Gesichtspunkte aus, über sie j confessiouelleu Schulen sr-llel — Erwähnung verdient s auch noch, daß dem Präsidenten ein Schreiben zuge- ' gangen, in weichem Karl Vcnt ■ PoSucr au^cigte, daß er auf die schri'tliche Beantwortung der ,zrage: „Welcher Nutzen erwächst der Gesellschaft, dem' Staate und der Bildung aus der Institution d.r confeisiouslosen Schulen?" drei Preise (der'erste 10, oer zweit: 6 und der dritte 3 Ducaten» ausgeschrieben habe. und remzuiolge die Mitglieder des Lehrertazes einlaoe, ihr« Concurrenzarbeiten einzujchickcn. . Vom Kriegsschauplätze. Wie iw höre, wird in unierm lieben deutschen Paterlande seit ns der Orthodoxie auch aus unserm tzseldgokteödienste Eapital geschlagen. Man weist auf die Vortheile des herkömmlichen traditionellen GoireSdienites bin, denn nur dieser > habe Kraft genug gehabt, um das Bedürfnis; wach zu : rufen und Theilnahme zu bewirken. Die Neformpartel , habe weder einen Gottesdienst verlangt, noch sich an idm betheiligt. Auch die Eiiiiachheit des traditionellen Gottesdienstes' habe nur einen solchen im Helde ermög» . licht; der Neformgottesdienst erforderte nickt nur Predigt und Gesang, er sei ohne sachgemäße Vorbildung auch nicht in der Weise ausführbar, wie der herkömmliche, wofür jeder des Hebräisch-LesenS und. der Vortragsweise für die Gebete nur in etwa Kunj tige auch g.schickt genug iei, den Vorbeter abzuzeben.