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Der israelitische Lehrer · 1870-11-16 · 46 (16.11.1870) · p. Seite 372

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
46 (16.11.1870)
Date
1870-11-16
Page
Seite 372 (sequence 4)
Language
German
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372 1. Sfiftiuarjrage. Referent: Weinberg; 2. Revision der Svnagogenordnung; 4. Soll das Kind erst hebräisch oder deutsch lesen lernen? Referent: Weinberg. Auch Frank erklärte sich zu einer pädagogischen Arbeit bereit. — Es wird dann beschlossen, die nächste Versammlung in Hannover abzubakten und zwar in Derbindu-g mit der Generalversammlung Betreffs der Unterstützungskasse. — 3. 3. Fleisckbacker, p. t. Vorsitzender. Wochenbericht. Oberingelbeiur, f. Rov. Die deutschen Zeit ichristen können es sich .selten nebmen lassen, mit ibrer Intoleranz gegen Juden beroorzutr.len, wenn sick ibnen eine gesuchte oder ungesuchre, wahre oder falsche Veranlassung bietet. H-r „Kölnischen Zeitung," diin dieser Richtung zu denersten zü gehören sich stelS befleißigt, mag es aus diesem Grunde erwünscht sein, ein wenig mir Adolf Cremieux, den, hervorragenden Mitgliede der französischen Regierung, anzubinden, den sie natürlich in seiner dreifachen Ergenichast: als Jude, als Republikaner und als Franzosen haßt. So nahe eS uns lag, über Adolf Cremieux, dem erleuchteten Präsidenten der- Alliance i->r. universelle, in jüngster j^eit zu sprechen, — wir Bäben es doch, aus eben so nabe liegenden Gründen, unterlassen. Wenn aber die „Kölnische" den ehrlichen, politischen Charakter dieses- Mannes anzutasten wagt, so können wir doch nicht umhin, es auffallend zu finden, daß dies in so unpolitischer Weise geschieht. Die „Kölnische" spricht von den Unruhen'in Plojescht in Rumänien, knüpft daran wcilaussehende Combinalionen in Bezug aus die französische Diplomatie und ihre» Beziebunzen zu Oesterreich und Preußen und dem diplomatischen Kapital, das jene aus Rumänien zu macken strebte u. s. s., und sagt endlich: „Und.zwar kann bestimmt versickert werden, daß Roselli, der Hauptanstijier all der zahllosen Judenverfolgungen, in Tours der unzertrennliche Begleiter Cremieur' ist, desselben Cremieux, der als Präsident der Alliance israelitique (weiß die „Kölnische" nichts daß es „Alliance israelite universelle" heißt?) so oft in die Lage kam, die Unterstützung der europäischen Regierungen gegen diesen Rosetti untz seine Umtriebe in Anspruch., zu nehmen." — Wir hätten der „Kölnischen," wie gesagt, mehr Takt zug traut. Wir glauben, daß sie wijjen kann, daß der 74jährige- Cremstur als Justizminister mit der-auswärtigen Politik nichts zu schaffen hat, und da>- die Delegation in TourS Anderes zu thun bat, als sich mit solcher Conjekturalpolitik abzugeben und wohl weiß, daß Rumänien ihr hierin eben blutwenig nützen oder schaden kann. Die „Kölnische" soll und muß aber auch wissen, , daß Cremieux der gemäßigten Richtung in der Regierung Frankreichs angehört, für den Friedensschluss ist, und daß er in dieser Richtung als Gegner Gambelta's in einem der jüngsten diplomatischen Aktenstücke Bismark's erwähnt wird; ein Aktenstück, das die „Kölnische" ebenfalls brachte, und wo von Graf Bismark gesagt wurde, daß Cremieux für die Wahlen zur Constituante gestimmt hatte. Es entspricht dies dem ganzen Charakter und dem Lebensgauge Crcmstux'. In dieser Richtung läßt sich auch der „Frankfurter Beobachter" von der Lahn schreiben: . „Do manche deutsche Zeitungsschreiber und darunter — wie sich dies vorauSsetzen ließ, — die brave (!) Kölnerin, fallen über den vierundsiebenzigjährigen, ron Freund und Feind geachteter. Greis Cremieur her, weil fr — ein Jude (sic!) — unter den gegenwärtigen republikanischen Regierungepersonen Frankreichs fuugirt. ES ist wohl allenthalben bekannt, daß, als Rapo.eon und der von ihm ernai.nte chauvinistische Kricgsminister Grammont für den Krieg mit P eußen agitirten, Cremieur, Favre, Thiers und Conforten im gesetzgebenden Körper gegen ein solches willkürliches Gebahren auitraten und ernstlich davor warnten! Aber weniger bekannt dürfte eS sein, daß in jüngster Zeit unter den französischen Regierungsmännern Cremieur und GlaiS Bizoin für den Abschluß des Friedens mit Deutschland gestimmt und deßhalb schleunigen Wahlen zur Constituante verlangt haben, jedoch von d:r Mehrzahl ihrer Collegen überstimmt worden sind! ES läßt sich nun von unfern Chauvinisten leicht fragen, warum denn Cremieur jetzt seiner Stellung als Fustizminister nicht entsage? Die Philister bedenken nickt, welche Gefahren eine solche Entsagung bei den gegenwärtigen revolutionären Zuständen Frankreichs nicht nur für tue eigene Person dieses sonst ehrwürdigen Greises, sondern auch kür die sociale Rechtspflege dieses durch Rapoleon'S Creaturen demoralisirken Landes zur Folge hätte! — Dies zur Steuer der Wahrheit." Köln, 22. Okt. Die im Lager bei Wahn befindlichen französischen Gefangenen jüd. Confession. wurden am 5. und 18., am Versöhnunzstage unk Schlußseste unter angemessener Begleitung zur Synagoge des benachbarten Zünders gebracht, um dem Festgottesdienst beizuwohnen. Sie wurden daselbst freundlich empfangen und gastlich bewirthet. Den FelozotteSdienst vollzieht alle 14 Tage der Rabbiner von Köln. Durch die Munificenz eines hiesigen Glau--

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