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Der israelitische Lehrer · 1870-11-16 · 46 (16.11.1870) · p. Seite 370

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
46 (16.11.1870)
Date
1870-11-16
Page
Seite 370 (sequence 2)
Language
German
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370 klärung" war: „Habe Math, dich deines eigmen Verstandes zu bedienen!" Heute dagegen wird alle Kraft daran gesetzt, immer-mebr Millionen Menschen unter den unbeschränkten . Willen eines einzigen Menschen zu beugen. Die höchste Tugend ist heute, Knecht zu sein. Und am eisrigsten. lehren und vertheidigen das die Lehrer. Darum ist's richtig, daß die Pädagogik Pestalozzi's verworfen, Diesterweg vergessen wird. Nur ihre Namen bängt man noch geflissentlich heraus: aber wer fest in ihren Lehren und Grundsätzen stebt, wftd von „Schülern" dieser großen Männer sogar als Demagoge angeklagt. freunde! Es wäre thöricht, wenn'wir darob den Mutb verlieren sollten. Ist denn unser Meister, dessen Andenken wft beute feiern, und der nicht nur tzieb. ru brklagen, sondern auch viel zu leiden hatte, kleinmüthig geworden? Wöbl scbeint'S wahr zu sein, daß unS in der Gegenwart nicht einmal Raum zum Kampfe bleibt, die Meinungen so verwirrt und die Begriffe so unklar und verlaufen sind, daß eine ruhige Erörterung und eine endliche Verftänd'gung kaum noch möglich erscheint. Wohlan denn: stellen wir uns fester denn je-auf-den Boden, auf welchem Pestalozzi und Tiesterrreg standen, und kehren wir zu unseres Volkes größten Geistern 'und ihren noch immer unübertroffenen Lebren und Schöpfungen zurück. Wir haben uns dick gesogen an dem ewigen „wie herrlich weit wir es doch gebracht," an dem „unermeßlichen Fortschritte unserer Zeit "- ES thut gut, einmal nach^uschaUen, wo unsere Väter standen; wir werden freilich finden, daß. wir mebr Fabrik-Schornsteine Habens daß jetzt mehr' Leute Stiefel tragen, daß es in unser» Tagen mehr Millionäre gibt, als vor hundert Jahren; aber, wir werden vielleicht auck erkennen, daß' die sittlichen' Wahrheiten, nach welchen die Verhältnisse von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk geregelt werden^ uns jum Theil ganz abhanden gekommen, zum andern Theil so verworren und verdreht worden sind, daß nur wenige Menschen ne zur Richtschnur ihres Handelns nehmen, zur Klärung ihrer Gefühle verwenden. können und — mögen. Das heißt: die Erziehung des Menschengeschlechts hat eine falsche Bahn ein ge sch la g e n. Wir sollen und müssen unS dessen bewußt werden. Zu einer, solchen Einkehr in uns selbst möge die Erinnerung an unsere großen Meister uns veranlassen. - Nichts leichter ist und billiger, als sie fortwährend rühmen und darauf pharisäisch versichern: wir sind ihre. Schüler. — Rühmen wir sie nicht weiter '. Nennen wir uns nicht mehr ihre Schüler! — Dafür sei gelobt und mannhaft gehalten: wir wollen sie verstehen, in ihrxm Geiste sortwirken, mir wollen nicht nur so geschickt, sondern auch so gut, so der Wahrheit ergeben sein, wie sie. Auch unS wurde heute vor achtzig Jahren Adolf Diesterweg geboren. Bleibe diese Erinnerung uns die Quelle eines vollen, reichen Segens! j Bericht über die V. Versammlung t5rae^ Lehrer der Provinz Kannover. Bopbemerkung. Hadburg7 10. Oktober 1670. Geehrter Herr College und Redakteur! Wenn ich erst beute dazu schreite, Ihnen nachfolgenden Bericht über unsere letzte Conferenz zu übersenden, so sollte ich mich eigentlich bei meinen College» der hiesigen Provinz besonders entschuldigen und Gründe angebcn, welche mich zu vieler Lässigkeit bewogen. Es sind deren freilich sehr.wenige. Nachdem der Schriftführer Strauß-Geestemünde mir rechtzeitig das Protokoll eingesandt — Ende Juli, — war bekanntlich der leider noch wüthende Krieg eben ausgebrochen. Nun möchte ich wohl einen meiner lieben Kollegen, der, wie ich, an einer lebhaften Etappenstraße wohnt, fragen, wem wohl unter solchen Umständen möglich gewesen wäre, aus einem Protokolle derartige Auszüge zu machen, daß man, mindestens gesagt, nur seiner Pflicht genüge. Ja, wenn eS noch interessante, besonders interessirende Gegenstände gewesen wären, über die berichtet werden sollte, dann hätte man noch den Geist von d'n Außendingen abwenden können.- Aber das Wenige, dabei wohl nur die Collegen der Provinz Hannover Interessirende, das die diesjährige Conferenz darbot, war wohl richttger auf eine ruhigere Zeit vnfchoben. Nun, dann kamen die Festtage heran, welche wohl einem Lehrer, der alle möglichen Gemeindeämtev versehen muß, so viel zu thun machen, daß ihm gewiß die Zeit für andere Arbeiten fehlte. So will i h denn heute, am Tage nach Schluß aller Festtage, a,i nDX, - das Versäumte nachbolen und mit nochmaliger Bitte um Verzeihung berichten, was eben zu berichten ist. Die Versammlung wurde am 4. Juli zu Wunstorf abgehalten und hatten sich zu ihr nicht so viele Mitglieder wie in frühern Jahren eingefunden, waS bei den Verhandlungen noch besonders gerügt wurde. Zur Vormittagssitzung waren gegenwärtig: Schlesinger-Göttingen, Cahn-Sarstedt, Sommer-Verden, Frank- Gronau, Weinberg-Hoya, Cohr.hoff Neustadt, AhrenS-

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