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Der israelitische Lehrer · 1870-11-09 · 45 (9.11.1870) · p. Seite 366

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
Seite 366 (sequence 6)
Language
German
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366 Allamirung in kürzester Zeit zu ihren Abrbeilungen zurückkehden mühten. „Kommt Dazaine, so hört Alles auf." Dir weitern. Anordnungen möge ich mit seinem Adjutanten vereinbaren Nach einer Desprecbung mit letzterem wurde zunächst'-die Zeit für den Gottesdienst dabin festgesetzt, daß' derselbe Dienstag Abend 6—T1 ,'2 Uhr, Mittwoch Morgens von 8 Uhr bis gegen Mittag und Nachmittags von 3—6 Uhr abgebalien werde, daß aber jedenfalls die Soldaten nach verbrachter Andacht in ihre Quartiere sich zurückzubegebrn haben. DaS Bedürsniß des Nachmittags-.otnsdicnsteo, nachdem bcreitzs einer am Vormittage staltgefunden, wollte dem Herrn Major nicht einleuchten, ' zumal unter den obwaltenden Verbä'tniffen. Er meinte auch, daß'ihm dadurch neue Schwierigkeiten wegen der nöthig werdenden Verpflegung, der Soldaten entstehen würde! Eine Besorgniß, deren Deieiiigung ich für Jom-Kippur leicht übernehmen konnte. — Eine nicht unwesentliche Schwierigkeit bot noch die Dahl des Ortes. Von einem eigentlichen Feldgot^esoiensie mußte für Dieckstag Abend wegen der Dunkelheit und auch für Mittwoch aus selbstverständlichen Gründen abgesehen werden. Es ist erwähnenS- -wcrth, daß mir die Benützung, der katholischen Kirche angebcten winde, obwohl dieselbe erst von einer großen Zahl Soldaten, ihren zeitigen Bewohnern, für diesen Zweck hält? geräumt werden müssen! — Da jedoch ein Königsberger Arzt, mein unmittelbarer Nachbar, mir bereitwilligst sein dem meinigen angrenzendes Zimmer einräumte, so fand der Gottesdienst in diesen beiden Räumen statt. — Zum Gottesdienste erschienen nun Dienstag am Vorabend des Versöbnüngötgges fast sämmtlicke iSr. Soldaten aus den Regimentern 1, 5,^43 und 44; als ihre Heimath bezeickneten sie größtentheils: Tbcrn, Eulm. Danzig und Tilsit, mehrere derselben und zur Auszeichnung mit dem eifernen-Kreuze vorgeschla.-cn; d:e meisten kamen aus den Dörfern Colombey, Olgy, ^Servigny, Retönfay, Flanv.ille und Laquenexy. Wenige Minuten vor 6 Uhr ließ' ich den Gottesdienst beginnen. Ein Unteroffizier trug die sämmtlichen Gebote sehr angemessen vor. Vor dem Scklußgebet Olenu dielt ich die Predigt über den Text aus Jeremia Capitel 31.,. 15. 16: „So spricht der Ewige, halte zurück deine Stimme vom Weinen und dein Auge von Thränen,. denn ein Lohn ist für dein > Thun, ist der Spruch des Ewigen, und fie werden zurückkehren aus dem Lande deö Feindes. Und Hoffnung ist für die Zukunft, ist der Spruch des Ewigen, und cS werden zurückkehren die Kifider in ihr Gebiet." Ich mahnte meine Krieger Muth zu fasten im j Vertrauen und in der Hoffnung auf Gott. Jeder! möge beute an diesem heiligen Tage mit dem Erzvaj ter Jacob aus vollem Herzen geloben mt? beten: 1 „Wenn Gott mit mir sein wird und mich behüten auf dicskin gefahrvollen Wege, den ich gehe, und ick nach errungenem' glorreichen Frieden heimkebre in mein älterliches HauS, so soll der Ewige mir zum Gotte sein:" eine innere Ltiwme werde ibm alsdann den Spruch des Ewigen, des Eiböre'S aller aufrichtigen Gebete, verkünden: Nickt vergeblich ist deine opierwillige. toresmutbige Hingebung, „,ein Lohn ist für dein Tbnn." und du wirst ruhmgekrönt znrückkehren anS dem Lande dcs Feindes. Aus den mächtigen Ereignissen, welcke die Sohne des Vaterlandes mit Gotteömuth und Got.teskraft beldenmütbig vollbringen, ertöne laut w>d vernehmlich die Goitesverbeißung einer großen Zukunft für daS Vaterland , da auch die beinahe feit zwei Jahrhunderte entfremdeten Kinder wieder zurückkehren werden in den Sckooß ihrer Mutter. Ick entwickelte dann anschließend die Bedeutung deS Verföhnunc.StageS in der obwaltenden Lage und schloß unk einem Gebete für den König, unfern Schirmbern, dkffen Verbündete, sür das deutsche Heer, die deutschen Stämme und für Israel. — Eine wahrhaft erbebende Andai t herrschte während deS ganzen Gottesdienstes; so innig und bewegt wurde wohl selten gebetet als an diesem Abende. Als ick von dem Gebete des Erzvaters (Jacob) über die „Heimkehr zum eignen Heerd in Frieden" sprach, mußte ick. unterbrochen durch das Weinen und Schluckern der Zuhörer, mehrere Minuten inne halten. Mit Ausnahme der wenigen Soldaten, welche den Lazarethdienst versehen und deshalb in St. Barbe blieben, begaben fich alle Nebrigen nach Beendigung des Gottesdienstes in ihre Quartiere zurück, manche mußten einen dreistündigen Weg zurücklegen. Am andern-Morgen waren sie alle zur icstg-fetzten Zeit erschienen. Der Vorbeter von gestern verrichtete daS SckachriS- und Mufapbgebct und in Ermanglung einer Tborarclle erklärte ich tcir Inhalt des Tageöabschnittes und die Hapbtara aus Jesaias. Anknüpieud an den verlesenen Vers über den Tod der Söhne Arons beleuchtete ick daS Wesen jener hohlen Begeisterung, welche zum Untergangführen müsse, weil sie ohne Sittlichkeit und Religion, nur aus dem „fremden Feuer," aus der Sucht nach eitler Größe und falscher Glrire entsteht, während der echten, wahrhaften Begeisterung^ die aus dem Streben nach Recht, Wahrheit und Liebe hervorqnillt, der Sieg nie ausbleibt. Da unter den Anwesenden mehrere sich befanden, welche in den Schlachten gefallene Krieger betrauerten, sprach ich noch über die tiefe, mustergültige aber stille, gottergebene Trauer Arons bei dem Tode feiner geliebten Söhne. . Es fand übrigens, wie üblich, nach Schachris eine Seelenfeier (HaSkoraS N'sckomoS) statt, in welcher ich noch ein besonderes Gebet sür die gefallenen

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