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Der israelitische Lehrer · 1870-11-09 · 45 (9.11.1870) · p. Seite 365

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
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— 365 — lehnte ich die freundliche Einladung ab und fand mied zur bestiminten Stunde ein. Ich überreichte Sr. Erc. das verehrliche Schreiben vom 28. v. M., in welchem das Großh. Stadtrabbinat zu Mannheim mich zur Ausübung feldgeistlicher Functionen für die Soldaten isr. Glaubens präfentirte. Der Herr General äußerte: Das Gesuch Großh. Stadtrabbinats vom 18. v. M sei^zn seinem Bedauern erst spät angekommen, weshalb die Berufung eines iSr. Feldgeistlichen und die Abhaltung eines organisirten FeldgotteSdiensteS an den beiden Neujahrstagrn nicht mehr zu ermöglichen gewesen; er habe indeß die Berücksichtigung der Soldaten iSr. Glaubens bei Heranziehung zum Dienste an diesen Festtagen, soweit nach den Verhältnissen thunlich, bei seinem Armeecorps und der seinen Befehlen untergebenen Division Kummer angeordnet. Den Gottesdienst ain Dersöhnungstage betreffend, bemerkte Se. Exc., daß ich mich nach Olgy zum General von Kummer zu begeben habe, da in der Division Kummer eine beträchtliche Zahl Soldaten isr. Glaubens sich befinden, aus deren Mitte auch das Gesuch an Großh. Stadtrabbinat um Verwendung behufs Erlaubnis zur Feier der hohen.Festtage ergangen isti Die Division Kummer besteht nämlich aus mehreren combinirten Landwchrregimentern, die den Provinzen Posen, Ost- und Westpreußen angehören. Im Laufe der Unterredung, in welchem Herr v. Mannteuff'el wiederholt seine Freude über meine Sendung auStrückte und mir alle Vergünstigungen bereitwilligst zu gewähren versprach, bemerkte er jedoch, daß sein CorpS fast täglich engagirt sei, er also eine bestimmte Zusage in Betreff der Theilnahmr an dem Gottesdienste seitens der -Israeliten dieses CorpS vorerst nicht machen könne. Schließlich wies mich Se. Exc. an seinen Adjutanten Major v. Frankenburg, und dieser Hab mir ein Sckrei den, mit welchem ich den Weg nach Olgy' ungehindert passiren würde. Herr Oberst von der Golz, von welchem ich einen Wagen erhielt, gab mir noch, da die Wege wegen der FrancstireurS unstck>er sind, eine reitende Ordonnanz mit- In der Thal hatte der Weg nach Olgy ein recht kriegerisches Aussehen; beträchtliche Truppenmasjcn lagerten auf freiem Felde, ihr Mittagbrod am Bivouakfeuer abkochend. Ick wurde sehr oft von den wachbaltenden Soldaten nach meiner Legitimation gefragt, aber das Schreiben des Herrn v. Frankenburg und meine Ordonnanz bahnten mir überall den Weg. — Gegen 4 Uhr in Olgy angekommen, hatte ich sofort eine Unterredung mit dem General v. Kummer. Dieser sagte mir, daß laut Corpsbefehl des kommandirenden Generals v. Manteuffel die iör. Soldaten seiner Division am Abend deö 4. und am 5. Oktober vom Dienste im Heere befreit seien. Er werde mir gern nach geschehener Ermittllung die Zahl der jüdischen Soldaten und den Ort für den abzuhallenven Gottesvienst telegraphisch angeben. Mein Verlangen, den Gottesdienst in dem drei Stunden entfernten Dorfe BoulaiS, woselbst eine Synagoge ist, abzubalten, erklärte der Ge- . neral für unthunlich. Wir müssen, sprach er, immer darauf gefaßt sein, innerhalb 10 Minuten allarmirt! zu werden, und alsdann bat die gelammte Mannschaft , gefechtsbereit auszurückenl Er versprach mir seine i telegraphische Mittbeilung für spätestens Sonntag den j 2. October Vormittags, worauf ick ihm sofort ant-; werten müsse, ob ich mich an den von ibm bezeickneten. Orte hinbegeben wolle. — Um ö Uhr war ich j wieder in St. Barbe, woselbst mir eine Stube zur i Wohnung angewiesen wurde, die mich innerhalb der! Verhältnisse noch sehr befriedigte. Mil Spannung; erwartete ich Sonntag Vormittag das Telegramm des : Herrn v. Kummer,. aber vergebens. Auf dem Bureau j des Feldtelegraphen erfuhr ich Nachmittags 4 Uhr, daß inzwischen General v. Kummer in der Nackt dcS . 31. Sept. mit seiner ganzen Division vom Olgy auf- ' gebrochen und auf das linke Ufer der Mosel marsckirt , sei; eö wurden überhaupt in den Tagen des 31. Sept. I und 1. Okt. größere Dislokationen im Lager vorge-! nommen. Sonntag den 2. Okt. hörte man, daß dir Division Kummer in einem starten Vorpostengefeckt sich brsinde; die Kunde erhielt durch den in St. Barbe vernommenen Kanonendonner volle Bestätigung. Ich unterließ dennoch nickt, telegraphisch bei Herrn Ge- - i ncral v. Kummer anzufragen, wie ick es mit dem Fcldgottesdienste zu halten habe und erhielt von einem i Ossizier seiner Division folgende telegraphische Ant- ' wort: „Da das Corps in den nächsten Tagen voraussichtlich stark engagirt isr, so vermag Excellen; keinen Tag zu bestimmen." Einen Augenblick hatte es den i Anschein, als ob mein Vorhaben völlig mißlungen sei;! ick 'begab mich jedoch rum Adjutanten des Herrn > v. Manteuffel. Major v. Frankenburg, und bat ibst,! da voraussichtlich ein Gcttesdienst mit der Division j Kummer nicht zu Stande käme, einen solchen mit j den israelitischen Soldaten eines anderen CcrpS zu ermöglichet!. Herr v.. Frankenburg unterbreitete mein Gesuch dem Herrn v. Manteuffel. welcher bierauf die Abhaltung eines Gottesdienstes am Dienstag Abend und Mittwoch in St. Barbe für das I. ArmeecorpS genehmigt-und angeorduet hat. Montag d.n 3. October traf mich Herr von Manteuffel und unachie mir von seiner Anordnung penönlick freundliche Mit-' tbeilung mit dem Ausdrücke deS Bedauerns, daß er für die Israeliten der Division Kummer nichts mehr anzuordnen habe, da letztere seinem Befehle nickt mehr untergeben ist. Se. Excell. bemerkte, daß der Gottesdienst in St. Barbe, dem Mittelpunkte der Standquartiere, stattzufinden habe, da auch die am Gottesdienste theilnehmenden Soldaten bei einer etwaigen

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