Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-11-09 · 45 (9.11.1870) · p. Seite 367

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432169--3153-4899431
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Krieger einschaltete. Nack -d?m Mnsaphgebete verblieb noch eine Anzahl zurück mit Gegenständen der Aneackt sick beschäftiaeud.. Um 3 Uhr fand fick die fromme Schaar wieder ein mit Ausnahme 'von wenigen, welche sich schon zum Vorvostendienste für den folgenden Tag bereit halten mußten. Wir beteten sämmtliche Gebete von Mincka und N'ilab; ein Unteroffizier war aus sein Verlangen Vorbeier für Mincka und ick für N'ilah. Nachdem der Gottesdienst mit Sonnenuntergang beendigt war. ricktete ick an hie Anwesenden nock einige Worte der Anerkennung für die fromme, lebhafte Be tbciligung am Gottesdienste, der mir .selbst eine tbenrc Erinnerung lür's ganze Leben sein werde. Hieraus ergriff Herr H i r f ck b e r a. Viceseldwebel aus Eulm, dem. wie ich hörte, die Ernennung zum Lieutenant berorstebt, daö Wort, und drückte mir im Namen seiner Kameraden den berzlicksren Tank. aus. Ick wurde beauftragt, Großh. Stadl: abbinai den Tank aller Anwesenden zu überbringen. Es fei ihnen schon längst ein Herzensbedürfnis; gewesen, in einer Stunde gemeinsamer Andacht ihr bedängteS Her: vor Gott auSzufchütten; sie hätten seht dem Trange ihres Herzens genügt und würden in freudiger Stimmung und mit ruhigem Gewisse» der Zukunft entgeaengeben Im Nanien sämmtl-.cher Kameraden wurde ick von Herrn Hirsckderg erstickt, einen- Gottesdienst für das I. .Armeecorps bald wieder abzuhalten. In gehobener Stimmung trennte sich die andächtige Sckaar. Am felgenden Tage, den ii. October. machte ick Sr. Ercellenz General's v. Mantcuffel Anzeige über den staitgrfundene» «Gottesdienst. und indrin ick demselben Seitens meiner und der in. Soldaten ebenso innig wie ergeben Tank abstaitete, trug ick ihm taS , Verlange» der letzter» »ack baldiger Wi-derl-olnng cinco Gottesdienstes vor. H rr von Maulensfei i.abm meine > Mittbeilung freundlich entgegen und äußerte seine freudige! Befriedigung. Er beauftragte mick, Größt. Stadlrabinat seinen Tank für meine Senkung zu überbringen. Ten fernern Gottesdienst belresseich. irua mich Herr w. ' Mantenfsel. wann ick denselben zu balum gedenke; er! erackte je'ock in Anb'tracht der Verhältnisse einen! solchen erst nack Ablauf von drei Wochen für tbunliä>.! Auf Weisung ds Herr» v Mantennel wurde mir auch für die .Rückreise fr ie Iabrt gewährt. 1 Großb. Sladtrabbinat wolle gütigst die Aus-! fübrlickkeir meiner ergebenen Mitth?i.l.ungrn entickuldigen und st. ir noch einige Scklußbemerkungen gestatten :! Niemand, der die Gemüthsversassnng der isr. Soldaten aus eigner Erfahrung kennen erlernt, wird die Tringlichkcit der Anstellung von jüdischen Ieldgeistli l en bestreiten können. Es feb't freilich nicht an solchen, deren religiöser JndifserentiSmuS oder gar Scheu, sich als Jude ösientlich zn bekunden, selbst von dem Ernste deö Krieges nickt überwunden ist, allein diese bilden eine verschwindende Minorität; die große Mehrheit der israelitischen Soldaten ist hiergegeu voller Sehnsucht nach religiöser Einwirkung; sie besitzen Gebetbücker, IiziS und Tbephillin, und diejenigen,' welche solcker ermangelt, äußerten ein brennendes Verlangen ngck denselben. Ter religiöse Sinn und das 'Bedürfnis! nack einer richtigen Leitung ist unbedingt i» großer Tiefe, vor banden. Die nicht zu leugnende Schwierigkeit, welche in dem Umstände liegt, daß die isr Soldaten in d«n Regimentern zerstreut sind, spricht nickt für die Unmöglichkeit, vielmehr für dir noch größere Notbwendigkeit der firen Anstellung von jüdisch"» ^eldgeistlickeu. Das Bedürfnis; sowohl alo auck die Mögstckkeit einer geistlichen Thäligkeit für die Israeliten in der Armee beweist meine von Sr. Excll dem t^eneral v. Manteusfel angenommene Sendung und Ausführung derselben, wenn sie auck unr aus-einen Tb il der Soldaten sich erstrecken konnte. .Daß es mir nickt gelungen ist, sä mm t liche in der Belagcrungyarmec vor Metz zerstreuten Israeliten zu einem gemeinsckastlichrn Gottesdienst zu vereinen. lag wesentlich nur rn der Spannung des Augenblicks, wo fortwährend Gefechte bevorftanden, weshalb auch unvorb.rgcsehcne TiSlcca rionen vorgenommen werden mußten, Umstände, die i selbst aus dem Kriegsschauplätze n'ckt die Regel-bilden Aber die Zerstreuung der isr. Soldatin in dom ll? .Meile» ümfasseuden Lager war allerdings für mick ein mächtiges Hinderniß, aber ruck nur für mick, weil ick für unsere Zwecke völlig unvorbereitete 'Verhältnisse vorgesnnten, da bei meiner 'Ankunft in Sr. Barbe und Dlgv selbst die Zahl der vorhandenen IS'.gkl teu erst zu ermitteln gewesen. Ein im Lager fip augestellter isr. Ieldgeistlicker würde mit Leichtigkeit :n der Lage fein, die Verhältnisse sich zeitig zureckt zu legen und in verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Abtbcilnngen an versck'.denen Trlcn gottesdienstli '-e Versammlungen abrubatten. Im UebrigSn besteht ja die Wirksamkeit des I-eldgeistlicken nickt lediglich in der Abhaltung von gemeinjckaftlicken «'«ottesdiensten, 'entern vorzügl'ck anck in der Einwirkung auf den «'inzelnen durch ersprießliche Zusprackc in den verschiedenen Lagen welche hie Verhältnisse hcrbeisühren, und dnrck hilsreickcu Beistand in Wort und Thar. — Tic vollste Anerkennung und TgnkbSrkeit sckuldc ick Sr. (vrccUcn?. dem Herrn d. Mantenfsel', der mit allem Nachdruck mein Vorhaben förderte und mick! auck persönli ib mit großer Ireundlickkeit behandelte, was zur ,Iolge balle, daß tammtlicke Herren Ofstciere sehr zuvorkommend gegen mick waren. Ick bemerke i nock, daß ein von Sr. Mas. d".m König ergangene^ allgemeiner Armeebefehl behufs Befreiung der israel. Soldaten vom Kriegsdienste während der behen ,Iestlaac im Lager vor Met; völlig unbekannt ist; die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.