Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 44 (2.11.1870)
- Date
- 1870-11-02
- Page
- Seite 357 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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357 Tiflis. Der Reisende Tschernin hat über die Ergebnisse seiner Reise in Armenien auch an die Alliance in Paris berichtet. Wir haben bereits früher Mittheilungen hierüber gegeben. Besonders hervorzuheben ist die Freundlichkeit, womit man seitens des' Patriarchen und der Regierung dem Reisenden entgegengekommen ist und seine Zwecke unterstützt bat. Diese Freundlichkeit wird ausdrücklich als eine nicht blos persönliche bezeichnet, sondern als eine, welche gegen die Juden überhaupt gehegt wird. Das Lolk freilich ist judenfeinblich und voll Aberglaube, eine Folge Mangels an Bildung überhaupt und falscher religiöser Erziehung insbesondere. Ein Glück ist cS, daß eS den Gebildeten und Bebörden hierdurch leichter wird, das Volk zu leiten und zu regieren. Feuilleton. Kaphtöarath Jona. Die traditionellen Vorlesungen auö Thora und Propheten sind mit so viel Borbedacht. auSgewählt, daß sich ein ausreichender Grund auch für die Bestimmung vermuthen läßt, das Jona-Buch am BerföhnungStage vorzulesen. Der Inhalt bietet dem einfachen Sinne zwar nur eine mährchenhaste Erzählung, von der man im ersten Augenblicke die Beziehung weder zur Bibel noch züm Versöhnungsfeste begreift. Ein tiefer Sinn aber liegt als schmackhafte Frucht in der ungenießbaren Schale eingeschlossen. Nickt jedermanns Sache ist ed, den Lern aus der harten Schale zu lösen. Estie sckon alte Sitte der Svnagoge ordnet daher an, den Gelehrtesten und Würdigsten in der Gemeinde zur Vorlesung, und vielleicht auch wohl Erklärung dieses sonderbaren Bucks zu berufen. Sicherlich wollte dieie Sitte bezwecken, daß nur derjenige mit der Vorlesung betraut werde, dem man das volle Verständnis; seines tiefen Inhalts Zutrauen könne, um wenigstens zweifelnde Gedank-m fern.zu halten, welche in der Seele desjenigen leicht aufsteigcn könnten, dem das nackte Wort genügt, und der nicht fähig ist den liefern Sinn zu erfassen und zu ergründen. Hierin liegt aber o^uch heute noch die Nothwendigkeit angezeigt, wenn ibgend eine Haphtara-Vorlesung, so diese nichtobne vorausgehende oder beigefügte Erklärung zu lassen. Denn für keine liegt der eigentliche Sinn ferner und verborgener, als für diese, obwohl dem forschenden und erkennenden Auge der Lnnoigen auch wieder nab uno essen genug, um nicht aefucht zu erscheinen. Ohne ^ine solche Erklärung ist aber auch wiederum keine Vorlesung der Gleichgültigkeit und Mißdeutung leichber ausgesetzt, als diese. Wir geben hier unsere Erklärung für dieie? Mal zwar pusl festuui, aber, dane eine beständige und wiederkehrenbe Einrichtung unseres Svnazogal-Gotkes-' dienfleS betrifft, doch wohl nickt zu spät. Das Buck geaört zu den Gleichnissen Parabeln), an denen die orientalische und deßhalb anck .biblische Literatur so reich ist. W e die Natur ves Orients blumen- und farbenreicher ist, als diejenige der übrigen Welt, so auch dessest Denk-und Sprechweise. Nicht Einzelnes blos, sondern das Ganze des Buches ist eine bildliche Darstellung. Wie für Nichtkenner der Rahmen aller, werthvoljer Gemälde oic interessanter ist, als diese selbst: so auch bei dieser bildlichen Erzählung. Uns in das Bilk allein bedeutungsvoll, Rahmen und Staffage nebensächlich. Wenn die Erzählung aber auch eine bildliche ist, so sollte dock von vornherein angedculel werten, daß. der Inhalt auf Wahrheit beruhe. Daher die Wahl einer historischen Persönlichkeit: (2 Kön. 14, 2.'>), und gußerkem ist vcx p nicht ohne Neb nbeziehung auf die Abstammung von ntx: also „ Sobn der Wahrheit." Aber auch abgesehen von der historischen' Wirklichkeit ist der Name dieser Persönlichkeit nicht willkürlich. sondern absichtlich gewählt —.- als allegorische Bezeichnung für „Israel." Die Darstellung Israel? unter dem Bilde der Taube ist schon alt. *\ Israel ist Die Taube voll Milde und Unschti.o den barbarischen und sündhaften Völkern der andern Welr gegenüber. Wie die Taube für sich, abgeschlossen von den andern Thieren lebt, und vielfach von diesen verfolgt wird: sc lebt Israel ab- und ausgeschlossen von den Völkern und ist vielfach ein Gegenstand der Verfolgung seitens dieser. Wie die oft verfolgte Taubenichaar, dadurch scheu gemacht, surchtsam auseinans-w stiebt und sich zerstreut, so das oft verfolgte und zerstreute - Israel. — Israel als väs bevorzugte Volk Gottes, ist auch oeßhalb vielleicht unter dem Bilde einer Taube dargeslcllr, weil in dem heidnischen, und eben'o auch in oem samaritaniscken Gottesdienste die Taube als heilig galt. Im Christenthum nock erscheint daher der heilige Geist in Gestalt einer Taube. Auch galt im mosaischen Opfercultus die Taube als ein beliebtes Opfertbier. Es möge hier guch nicht unbemerkt bleiben, daß die Geschichte Jona's selbst Anklänge an phönizische Göttermvlhen bieret, deren Schauplatz ebenfalls zum Theil die Stadt Jopve ist. (Hier de I'w. Pul.) Hier wurde Andromeda. an einen Fellen 7.— beiß, „laubc." i