Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 44 (2.11.1870)
- Date
- 1870-11-02
- Page
- Seite 355 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 355 fürchterlicher Schmerz sein sür die frommen und liebeathmenden Fvurnier und Genossen! Doch in einem Falle können wir zu unserem großen Vergnügen die Herren von der Zeitung mit dem Zeichen des Kreuzes, das diesen Herren nicht die Liebe, sondern: kreuziget! bezeichnet, trösten^ vr. Löwe aus Calbe trägt zwar einen Namen, der auch von Juden getragen wird — ist aber.kein Jude, wie männialich und wohl auch den Kreuzzeitungsmännern bekannt sein wird. Der jüdische Name thut aber doch hoffentlich nichts zur Sache; sonst wäre ja auch der gottseligx, kreuzbrave vr. Paulus — früher Selig — Cassel nicht zu den Gerechtfertigten zu zählen, obwohl getauft und sehr tapfer im Weinberge des Herrn — und im Reichstage; da es doch noch viele Juden giebt, die den Namen Cassel mit Ehren tragen, sogar einen Vr. D. Cassel. Aachen, 26. Okt. Es freut mich sehr, Ihnen berichten zu können, daß der Ihnen als thätiger Förderer der Alliance isr. universelle und als gefinnungSlrrurr Israelit bekannte vr. Schuster von hier, als Militärarzt da« eiserne Kreuz erhalten hat. — Gleicher Auszeichnung erfreuten sich die Zerren vvr. Rosenthal In Magdeburg, Marku« in Frankfurt a. O. und mehrere Andere. — Unter den Civilärzten, welche sich meistens mit der Bildung und Bekleidung von Sanititskorp« ins Feld abgaben, finden wir ebenfalls viele jüdische Aerzte, und es wird Ihnen sicher nicht unbekannt sein, daß der Sohn des Herrn vr. Leopold Stein aus Frankfurt a. M. ebenfalls einen solchen Zug beNeidete. Die Auszeichnungen, welche Aerzte erkalten, erfreuen un« fast mehr noch als die Auszeichnungen anderer Soldaten; sie sind im Dienste der Humanität erworben und daher im Geiste de- JudenthumS; sie haben ihre Quelle im jüdischen Herzen. Doch sind auch die eisernen Kreuze für Soldaten erhebende Ehrenzeichen, und wir wollen un« freuen, wenn sie von Juden erworben werden, denn sie müssen zur Erhebung des JudenthumS beitragen. Aus TaarlouiS wird uns am 26. Oktober geschrieben: „Erlauben Sie mir, Ihnen eine bewährte, zuverlässige Mittheilung vom Kriegsschauplätze zu machen. Vor ungefähr vierzehn Tagen erhielten zwei Israeliten die Ehrenzeichen des eisernen Kreuzes im Lager vor Metz. Bemerkenswerth ist dabei, daß diese zwei die Einzigen in ihren Kompagnien waren, welche diese Auszeichnung erhielten und zugleich die einzigen Israeliten in ihren Kompagnien. Der Träger des ersten ist der einjährige Freiwillige, Unteroffizier Cohn aus Königsberg, und der Träger des zweiten Füsilier Löwensohn von dort. Noch ein drittes eisernes Kreuz kam am selben Tage an einen Israeliten; unser Gewährsmann! konnte jedoch über daffelbe bis jetzt nichts Authentisches erfahren. Aus Italien. Die schon gemeldete Adresse der römischen Juden an den König von Italien lautet: „Sire! Jetzt, wo eilt« tapfere nationale Armee gekommen ist, um Rom den Gebrauch seiner Freiheiten j wiedrrzugeben, ein sehr glückliche« Ereigniß, welches Rom mit ganz Italien bearüßt, fühlen die Israeliten das Bedürfniß, Ew. Majestät die Huldigung ihrer grenzenlosen Dankbarkeit j als Italiener, als Römer und als Israeliten darzuhringen. Als Italiener sind wir glücklich, daß eine glänzende Volksabstimmung binnen Kurzem die nationalen Wünsche verwirklichen und!daß das glorreiche Königreich Ew. Majestät mit Rom? seine Integrität und eine immer größer werdende Dguerhaftigkeit erhalten werde. Als Römer freuen wir uns zu sehen, daß unsere befreite GeburtSstadt mit dfm Erguß einer unsagbaren Liebe den Umarmungen der Schwesterstädte antwortet und von den Freiheiten Ihrer constitutionnellen Regierung profitirt. Als Israeliten, die bisher ganz außerordentlich schmerzlichen Bedingungen unterworfen waren, treten wir freudeerfüllt in das gemeinsame Recht ein; wir grüßen den glücklichen Tag, an dem diese« Recht, endlich in der Stadt, in welcher wir da« Licht der Welt erblickten, triumphirt Wir sprechen jetzt den Namen Israeliten zum letzten Male aus. In dem Augenblicke, wo wir von dem Zustande einer gesetzlichen Mundtodterklärung zu dem heiligen Regime ber bürgerlichen Gleichheit übergehen, ist dies eine Pflicht der Dankbarkeit. Regiert aber von Ihrem konstitutionnellen Scepter und außerhalb unserer Tempel, werden wir uns daran erinnern, daß wir Italiener und Römer fein muffen und auch nichts Anderes sein werden. Sire! Schwer und tief sind die Wunden, die un« der Papst geschlagen: ökonomische, moralische und geistige Wunden. Wir dürfen dies nicht verhehlen. Unsere katholischen Mitbürger wissen auch, daß dies nicht unsere Schuld ist, und, abgesehen von mit jedem Tage seltener werdenden Ausnahmen, haben sie uns bisher gegeben, was sie nur konnten: eine lebhafte, wenn auch ohna ächtige Protcstation zu unseren Gunsten und die wirmstm Sympathien. Don nun an werden sie uns in unseren Anstrengungen unterstützen, damit diese Wunden sich schließen und wir in den Stand gesetzt werden, dem gemeinsamen Daterlande den größten Tribut an Diensten und nützlichen Opfern darbringen zu können.