Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 43 (26.10.1870)
- Date
- 1870-10-26
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
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— 346 drei Friedrnsbeditzgungen, die wir der.heule besiegten sinnlichen Natur strenge auferlegen müssen, wenn der Kamps, wozu Priester Gewissen unS auferweckr hat, kein.vergeblicher sein soll. — ' I Uue die erste Bedingung lautet: Daß . die Einheit uusereS menschlichen Wesens nicht getrennt werde. ex 721. In heiliger Einsamkeit, in weihevoller Sammlung, nur zusammen mit Gott, befand sich der Hobe Priester im ÄllLrhMgsten — n;r2 nnx „einmal im Jahre." — Welch ein Gefühl mußte ihn durcbdriitgeii, gerade durch den Gegensatz, daß eS nur Einmal geschah! -- Er konnte und sollte nicht beständig dort-verweilen; aber die Weihe und das Gefühl seines hohen Berufes nahm er mit hinaus, daß. er gottgebeiligr bleibe das ganze Jahr — 11-2 iE2i nachdem er Sühne bewirkt für feine eigene Person und sich geläutert batte im Bekenntnisse: mnci Vyrs „ich habe gefehlt; ich habe gesündigt; ich habe gefrevelt!" —. £ sprechende Vergleichung! o ernste Belehrung I — Unser Geist tritt heute in das Allerbeiligste der göttl cken Versobnung ein. Und nichts Menschliches, nichts Irdiichuugewetbctes begleim heute eie S ele, den dieiteitvtn Geist, den hohen Priester des höchsten Gctlcs, rif2 ■;:< W22 „wenn er cintritt zur Sühne ins Heiligtbum, tss bis er wieder hinaustrete." — Nun r.' n 'er 'abet wieder hinaus, ins Leben; wir können . und'sclle.r nicht. immer Verscbnungstag halten; wir und'nicht reine Geister: wir und auch sinnliche Wesen. ' Und ieder Einzelne von. uns hat heule zunächst gestrebt -nach eigener Sübne, gerungen und gestritten für Läuterung, für Einheit und Harmonie seine-' eigenen Wesens, das durch sinnliLes Begehren und irdisches Verlangen getrennt und zerrissen worden, und bat gischlagen an die Brust, mit verwundender Neue und gesprochen: ’Tiyc'S .1 - \-scn „ich babe gefehlt; ick-habe gesündigt; ick habe gcsrevett," bis eie Stimme aus dem Heiligthume rief: '”C7i „ibr seid rein gesprochen,!" — lind ni.n daS 'Sinnliche und Irdische in unö überwunden, nun. gilteS mit demselb-n Frieden zu schließen.'daß Leib und Seele fürder Freunde seien. Das ist ja atrck der reckte Friere mit einem besiegten Volke, daß dasselbe nicht vernichtet wecke, und das Iudeiubum will auch, die sinnliche Begier und Neigung nickt ve-mchten, aber cS verlangt von ihr, streng und unerläß'.ick, .daß durch ste die Einheit unseres mcnicklrchen Wesens nicht getrennt werde. In unserer bock/elobien Gvti-slehre ist AlleS Einheit; Leib und Seele stnd ^Gegensätze, aber zur Einheit versöhnt sollen sie unsere Glückseligkeit bewirken. Der eigentliche höhere Mensch ist allerdings der Geist; in ihm ist die Kraft; in ihm die Würde; in ihm die Liebe, *) die selbst das Leben opfert, das niedere dem höheren. Der Leib aber ist das wunderbar gebaute Tonwerkzeug für den Geist. Was jedoch vermag der größte Tonkünstler, wetin eine feindselige Hand ihm daS Tonwerkzcug verstimmt hat? Oder ist etwa der ein rechter Künstler, der so auf das Tonwerkzeug schlägt, daß die Saiten reißen? — Also bringt kie feindselig sinnliche Begier Verstimmung in unser eini- . geS, harmonisches Wesen, daß der Geist, mit allen j seinen himmlischen Anlagen nichts Großes vermag — I und also sündigt auch der Geist, wenn er gegen die ] sinnliche Natur gewaltsam verfährt und ihren munder- ' voll harmonischen Bau schädigt. Daß diese Einheit l unserer von Gott so herrlich eingerichteten Natur nicht j fürder getrennt werde — daS ist am Ende der heili-; gen Zeit, nach erlangtem Siege im beiligen' Scelen- I kämpfe, die erste Friedensbedingung. I ^Die zweite lautet: daß die Einheit unseres Hauses nicht gestört werde. -^21 „Und er sühne für sich, m’2 1-21 und sür sein Haus." — Und die talmudische öluslcgung sügt so schön hinzu: \ie\x lt i.i'2 „sein HauS, das ist sein Weib." Ja, es war in der heiligen Tempelordnung.unerläßliches Gesetz, der hohe Priester mußte verebeticht sein. -- Könnet ihr euch auch einen wahren berufstreuen Priester denken, der himmlische Liebe und Versöhnung unter den Men-; säen .listen soll, aber diese heiligsten Empfindungen 1 nicht kennen gelernt dort, wo ne ihre herrlichsten Siege feiern, wo sie ibren reinsten Urgucll bewahren, wo sie ibr Allerbciligstes besitzen, darin Golt wohnet I m himmlischer Stille, in feiernder Ruhe, im beseligenden Friesen — im Haufe, im Verhältnisse zwilchen Gatten und Gattin, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Brüdern und Schwestern, und in allen den- ■ wohlthuenden Beziehungen, die sich daran reihen in ' der weiteren, größeren Familie? Wenn daher der heilige Jahreswechsel, wenn insbesondere der bebe VersödnungStag nur das Eine bewirkt:;rv2 1-21 nyc imi, daß er Sühne sti'te zwischen dem Einzelnen uno seinem Hause, daß er alle jene bimmlischen Beziehungen und heilig?» Verhältnisse wiederherstelle, erneuere, befestige: wahrlich! so hat er schon unendlich viel gethan für uns, für Israel,'für die Menschheit. — Ja, befestige — *, Tie drei!heile der Morgenpredigr.