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Der israelitische Lehrer · 1870-10-12 · 41 (12.10.1870) · p. Seite 334

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
41 (12.10.1870)
Date
1870-10-12
Page
Seite 334 (sequence 6)
Language
German
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— 334 — mit einiger Erwartung erfüllt; der Znhalt der Predigt hat uns aber nichtweniger als befriedigt. Er dreht sich allzusehr um das abgestandene, von GesinnungSgenosien im jüdischen wie christlichen Lager aber auch heute noch vielfach abgedroschene Thema: Der Krieg ist von Gott gesandt, als Züchtigung für die in Unglauben und Sünde versunkene Welt. Dazu stoßen wir nock auf die unjüdische, dem Fatalismus huldigende Zdre: Die Kugel, welche den Krieger niederfireck», ist von Gott gesandt; seine Sterbestunde hatte geschlagen. Aber der die Kugel entsendende Streiter ist dennoch ruchloS wie der den Wanderer niederstreckende-Räuber, weil, sich der Mensch nicht in Gottes Rathschluß mischenM und darf. Aber zur Stunde sterben hätten doch beide müsten — auch ohne solche frevelhafte That, .denn sonst würde Gott sie nicht zugelasien haben. Schönen Dank für solche Theologie und Logik! Solche Anschauungen sind ganz unjüdisch; doS Buch Hiob eifert schon dagegen. Nicht jedes Unglück geht von Gott äuS; wo blieb sonst das freie andeln des Menschen? Auch wurzelt nicht jedes von ott zugelasiene Unglück in der Sündhaftigkeit des Menschen"; welche Bedeutung hätten sonst i'i'v' ran«? Verdiente selbst das moderne Sodom einen Untergang, wie das antique: so belehrt uns doch schon die biblische Kontroverse über die Gerechtigkeit Gottes, daß nicht bloS die Unschuldigen verschont, sondern Stadt und Land um der wenigen Gerechten willen, welche därin weilen, geschont «erden müßten. Oder sollte« selbst in beiden vom Kriege heimgesuchten Ländern — aber die ganze Welt leidet doch mit an den Folgen des Kriegs, sollte selbst in der ganzen Welt nicht die zur Rettung erforderliche Zahl auszufinden sein, wenn auch nicht die traditionellen v'p'iu, auch nicht einmal das kleine biblische juc von 10? Und verdiente gleich Korah die jedenfalls in der Zahl von 10" sich vorfindende Rotte von Sündern den Untergang: so mußten doch ebenfalls nach dem Beispiele Korah'S durcki die Gerechtigkeit Gottes die Frommen und Unschuldigen auögeschieden und verschont werden. Derartige Anschauungen von einem sich rächenden, iwmerjort strafenden und blutige Sühncscr fordernden Gotte sind heidnisch - christlich und dem Zudenthum fremd. Es ist auffällig, daß gerade die sogenannte fromme und den cun rvpn nicht holde Richtung sich solchen fremden Eindringlingen zugethan zeigt. . ( R. G el egen h eit S-Predigt en jüdischer Kanzelredner. Dritter Band. Grabreden für alle Wochenaischnitte des Zahres von EliaS Karpeles, Rabbiner zu Loschitz in Mähren. BreSlau. Cchletter'sche Buchhandlung sH. Ckutsch) 1870. Ter erste Band iTraulingiredcn) ist uns bekannt und auch in diesen Blattern, beurtheilt worden. Nach dem allgemeinen Titel sollte man eine Collection verschiedener Redner erwarten; sie stammen aber alle aus einer Feder. Wir sagen absichtlich „Feder/ eS ist uns zweifelhaft, ob alle diese Reden wirklich gesprochen worden sind. ES wäre ein eigenthümlicher Zufall, wenn sich diese Todesfälle, wie mit Absicht, auf alle Wochen deS.Jahrs vertheilt hätten. Das Gejuchte liegt denn auch hier noch mehr als (fei den früheren Reden in der Anpaffung des Perikopen» Inhalts auf den vorliegenden Todesfall. Wir sagen nicht, daß dies mit Ungeschick versucht ist, ebensowenig wie die Verwendung paffender und einschlägiger Midraschim. Aber uns will eS scheinen, daß sich in allem dem^das Gesuchte und Gemachte zu sehr ausdrängt, während solche Reden gefühlt werden müffen, von dem Redner wie Hörer, und deßhalb die Empfindung deS Herzen S rorwiegen muß vor Jjer Thätigkeit deS Verstandes. Angehenden Rednern, für welche Gelegenheitsreden immer besonders schwierig sind, werden diese Reden aber stets eine erwünschte Anleitung geben und mit Zde«n und Redestoff aushelfen, wo er sonst schwer zu finden ist. R. Literarische Notiz. Die hebr. Zeitschrift „ Haschachar/ Organ für Wissenschaft, Bildung und Leben, von Peter Smolenöky in Wien, wird wieder beginnen zu erscheinen. Die Ankündigung liegt vor. Wir sind zum Tausche gegen dieses Blatt bereit und werden über den Inhalt eines jeden Heftes berichten. Wochenbericht. Grötziugen bei Karlsruhe, 20. September. Eine unerwarteie, ersieuliche Ueberraschung^wurde am Neujahrsabende unjerm Lehrer, Herrn ö. Rothschild, zu Theil. Zwei hiesige Vereine, der Chorverein und die Ehebrah Kedischa, hatten nämlich einstimmig den Beschluß gefaßt, ihn bei diesem Feste mit dem Geschenke von 50 fl. zu erfreuen, und zwar der Chorverein wegen der unermüdlichen J^/rjährigen Bestrebungen des Herrn ^Rothschild um diesen Verein, den er vom sinkenden Zustande, wie er ihn bei seinem Antritte vorfand, wieder in die Höhe gebracht und seitdem auch mit aller Opferfreudigkeit in der Höhe hielt; die Chebrah Kedischa einerseits ebenfalls der vielfältigen Bemühungen halber, die Herr Rothschild immer zur Hebung dieses Vereins an den Tag legte, anderseits aber insbesondere wegen der wahrhaft be-

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