Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 41 (12.10.1870)
- Date
- 1870-10-12
- Page
- Seite 331 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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331 ebenso sehr am die Masse des U n l e r r i ch 1 s sro ff f 5 innerhalb der einzelnen Unterrichts-weige. Meinen hierauf bezüglichen Andculungcn flehe das Rück er x'-- sche Wort voran: Dem unbeschriebnen Blatt des Geistes in dem Kinde Schreib unbedächtig nicht zu viel ein zu geschwinde! Ebe icb ins Detail eingche, finde zuerst eine allgemeine Bemerkung Platz. Hinsichtlich der dcni Kinde zu bietenden Unterrickstssroffmengc düriie im Allgemeinen der junge Lehrer mehr der Verschwendung, der ältere mehr dem Geize zugeneigl fein. So mancher junge Eollcge meint, das in der Bildungsanfialt empfangene Wissen nun auch in seiner Geiammlhcil dem Schüler mitthcilcn zu müssen. Langjäl-rige, dem Idealisten oft recht schmerzliche (Erfahrung, sowie rci feres Denken lehr: ihn aber allmäblich, daß zwar ein positives Wissen nicht entbebrl werden kann, dast aber gar vieles Positive nur als Material -um Denken von Bedeutung m, und daß gar oft, um mit Schiller zu reden, an dem Denken viel mcbr gelegen ist" als an dem Gedanken. So kann es kid t kommen, dafi er im Alter mit um so geringschätzigerem Äuge aut den Wissensstoff herabschaul und nur die sonnale Seile betont. Und doch ist beides ^rtrcni. — I-asic ich nun die einzelnen Unterrichtsfächer prüfend ins üliige in Bezug auf die ihnen in der Volksschule gciridmeie Zeit und den aus ihnen zur Verarbeitung eumommencn Stoff, so lrill mir zuersl, wie billig, der Reli g i o n s n n t e r r i ch t entgegen. l's in nicht 2ioih, über die Nolbwendigteil und den Wcrih eines gut crtheiltcn Religionsunterrl'chts ein Wort;u sagen. Aber cs scheint, als fei man bei Befiimmung der für diesen Zweig zu verwendenden Stundenzabl lediglich'! rcn dem Grundsätze ausgegangen: „Biel hiiil viel." Und doch sollte man eben wegen der Wichiigteil des! in lliede stehenden Gegenstandes wenigstens sparsam, : wenn auch nicht geizig zu Werte geben.— Was wird , die Io!ge sein, nenn man dem leiblichen Magen fort und 'ort, oder doch sehr häufig ,eine und dieselbe Speise bietet? Das, was dem Magen anfangs vielleicht ledere Kost war, wird ilrn gleichgüllig, bei iorlarsetztem erzwungeilen Gcnune stellt sichElel ein, der io grcst werden kann, dast in ,>olge einer eigenlbüm lichen leibtich-seeliichen Wechselnirtung das bereits Aistgenommeiie wieder abgegeben und für alle .geilen ein unüberwindlicher Abi'd'eu gerade gegen diese Speise erzeugt wird. Aebnlick dürire es fick n:ii dein geistigen Magen und Verdauungsprozcst. verl allen: reli gikicr Stofs, dem Kinde in zu grosten Porliönen und zu rascher Aufeinanderfolge geboten, erzeugt Gleich-; gülligleik, Widerwillen, zulet-l (5fet. D ic- Gleich gül-! ligkeir verid'liestt das Dbr dem Nenanizunehmenden, der Widerwille erwugt eine dauernde Abneigung ge gen alle religic'e Oinwirtting. der ktel bewirt! ein geistiges Erbrechen, ein Ueberdordlverfen des Ballastes. Es dürfte jedenfalls nid't all zukühn behauptet fein, die von gewisser Seite so bitter beklagte und scharf verurthcilte Indifferenz des Geschlechts unserer Tage in religiösen Dingen auf Rechnung solches Ucbcrladens mir religiösem Skofi zu setzen. - Sollte man nicht meinen, dast rvciiigc Srnndeii wöchentlich ausreichlen, um in dem Kinde eine Grundlage des religiöse» Lebens zu erzeugen, aus welcher alsdann sei- - tens der Geisrlid'e», als den verorduelrn Dienern der Kirche, das Gebäude religiösen Ertenuens, t'stänbcns und Wollens ausgerid'let werden könne? ^Tliist man aber doch jetzt häufig, als ob der vierzehnjährige Kon firmand in allen diesen Stüchen ein vollendeter Mensch sein müsse, und vergisst nia-n doch zu oft, dast alles angelernte Religiöse mir Sd'eimvcsc» ist und sein taiiu, das erst dnrd' die Schule des Lebens zum. wahren Sein crivcdl zu werde» vermag! — Mi: dem - Religionsunterrichte ficht das Mcmoriren biblischer Sprüche und geistlicher Lieder in enger Verbindung.. And' hier rhut Sparsamkeit norli, sehr noch. Wenn man sieht, welche Viassen von Bibelsprüchen znm Ler »en für unnmgäiiglid' nölliig erachtet werden, wie nicht allein die äd'ien Trost- und Kraifiprüche, die in Wabr-! heil rine Stütze in künftigen bösen Tagen sind, ion ' > der» auch alle Beweisstellen zu irgend einem Passus 1 ber Glaubensober Silteiilchre ciiigcprägl werden müsienz wenn man sieht, welche Unzahl von Kirchenliedern gelernt werden, ohne alle Rücksicht auf ihren poetischen Gehalt und ihre sprachrichligc ,\onit, nur allein, weil sie der Ausdriid irgend welchen Dogmas sind und somit beimKirchengesaiige venvendcl werden; wenn nian! bedenkt, in iveld'er nnvollkommenen Weise' ivegen Mangels an Zeit das Versländnist für den eiiiznprägcnden Stoff vermittelt, iri.e schnell das Halbgelernte iviedcr aus dem Gedächtnisse hiiiausgeworscn wird, und ivie dem Kinde oft wenig mehr bleibt als die traurige und widerliche.Erinnerung an alle die bö'eu Stunden, wo es galt, die Danaidenarbeit zu verrichten, Unverdautes und Unverstandenes zum geistigen Eigenthum zu macken: so möchte man solches Vetsahren wohl auch eine Sünde wider den heiligen Menschengeist nennen, der nid t vollgestopft, sondern entwickelt und erzogen sein will. Sollte es denn nickst genügen, wenn das Kind beim Austritte aus der Schule einen stets zu Gebote stehenden Schatz von 2—3(0 (?!) trostreichen Aussprüchen der Schritt und rcn 20 bis 30 inhalt- und formschönen geistlichen Liedern brsitzt? — Wenn ich Sparsamkeit bezüglich der Menge des Unterrichtsstoffes fordere, so denke ick ferner an den Rcalunterricht. Jeder GeschichtS- und Gecgraxhstlcclicn sollte RückertS Wort doranstehen: „Nur wissen -, daS den Geist beschweret, ist nichts nutz." Die VclkS'chnl-' kann und soll keine grosten