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Der israelitische Lehrer · 1870-10-05 · 40 (5.10.1870) · p. Seite 326

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
40 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
Seite 326 (sequence 6)
Language
German
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326 — uns nicht, dies in einer Zeit auszusprechen, wo es den Anschein hat, als wollten sich zwei edle Kulturvölker einander zerfleischen. In der Gegenwart freilich können wir nichts chun sür die Sachte; wir haben nur Kennrniß von dem erschienenen französischen Semesterbullelin durch einen Bericht darüber in der Presse israelite, den wir hier ausführlich wiedergcben. Wir kommen dabei auf eine Frage zurück, welche uns schon lange und noch vor einigen Monaten stark beschäftigte ' — die westrussisd>cn Juden. Auch diese heilige Angelcgckibeil stockt und leidet unter der allgemeinen Kalamität., Wird dieselbe wieder hcrvortreten zu ihrer Zeit oder wird sic überhaupt entschlafen? Wir wollen hoffen, daß die Männer, die sich seither die Kultur dieses bedeutsamen und kräftigen Zweiges am Stamme Israels zur Pflicht niachlen, auch ferner lhun werden, was sie als 'Nolhwcndigkeil crtannleii. Wir haben nur auf einiges vorübergehend aufmerksam machen wollen. Hs sind in der letzten Zeit auch in Bezug auf diese Angelegenheit so sonderbare und cheilweise traurige'Erscheinungen zu Tage getreten, daß der Gegenstand jedenfalls geschädigt ivorden wäre, wenn auch Frieden geblieben iväre. Die Huperorlhodoric hat sich zurückgezogen, nachdem sie zur Hungerzeit wot'l ihre Pflicht gcthan und eifrig gesammelt Halle. Izcilich müssen ivir dabei einem wohlverzeiblichen Irnhum begegne». . Tic Gelder,' die von den Leitern der Drlhodorie gesammelt werden, tommen eben nür zum kleinen Theil aus den Händen der Drthodorie selbst rnid wir haben schon manchen^camen unter den in jenen .Listen aufgefübrlen Spendern gelesen, deren Besitzer, sich, nicht scheuen, Mil denselben Händen, mir welchen sie für das heilige Land steuern, am Sabbarb eine brenizendc Eigarre anzurühreu. Jetzt aber tlnrr die Drthodorie gar nichts mehr, weil - nun weil die Sache nicht in die Hände ihrer Männer gelegt wurde. Anderes hat sich bisher nicht als Grund ausfindig machen lassen. — Mehr als dieses Auftreten der Drlhodorie, das uns nicht fremd ist, hat uns'die sonderbare Ansprache des Berliner Iweigcomilvs der Alliäüce gewundert. Was soll dieser Staat im Staate? was soll diese Sonderstellung Berlins , aus keinem anderen Grunde,. als iveil es die größte.Gemeinde Tcnlichlands ist? 'Wir wollen hier nicht polemisiren; aber, jetzt schon wollen wir darauf hlndeuren, daß es Nach wie vor'dringlich geboten erscheint, die Drga»ijation nicht zu verändern, das Grenzcomiie in. Königsberg und die Eemralleitung in den Händen des Eentralcomites der Alliance israelite universelle zu Paris nach Kräften zu unterstützen. Nach diesen- Dorbemerkungen kommen wir zum Berichte der Alliance nach der Presse israelite; er lautet: Der letzte Semeslerbcricht der Alliance enthält mehrere wichtige Documenle, mehrere interessante Dhatsachen, und chicier Bericht in den Händen einer großen Zahl unserer Leser sein wird, halten wir cs für unsere Pflicht die wichtigsten davon zu bezeichne» und mit dem Rechenschaftsberichte einige Beobachtungen über die bedeutendsten Entschlüsfh des komites vorzulegen. Begumen wir -vorerst nüt Wiederaufnahme der vcr-sckiedencn Schriflslücte, die den Protokollen der Sitzungen des Eentralcomites beigefügt sind, obgleich sie einen einfachen Anhang bilden. Sic geben in der Reihe die bedeutendsten Ereignisse, die während des letzten Seniesters von der 'Alliance ausgeführl wurden, an. Es sind nicht, ivic vorher, Korrespondenzen, die mit den Bcrlrctcrn der Großmächte Europa's geführt wurden und oft wenig Entscheidendes bieten. — GS find dieses Mal Schriflslücte, die, ivenn auch im 'Anschein bescheidener, desto ernster in Wirklichkeit sind, weil sie den Borlhcil haben, erlangte und sofort ausfschrbare Erfolge anzuzcigen. ' ' 'Das erste Schriftstück spricht von der Ackerbauscl'ule in Jaffa. Gin kaiserlicher Erlaß Sr.,Majestät des Sultans bcgulhcißt diese Schöpfnilg und bewilligt mehrere Bortheile und Privilegien. Daraus beziehend, emhäll unsere letzte 'Nuinincr einen Brief Hrn. Goldschinidl's, iiack lvclct'em er der Alliance eine Summe von öo,(X.KJ Francs zum Geschenke macht, um ihr beiznstehen, dieses projcklirie Elablisfemenl nicht mehr fallen zu lassen und die Einrichluugskosten zil decken. Das zivcire Schriftstück enlhält den'ersten Rechenschafksberichl des Hauplcomiles von .Königsberg, gegründet für den Israeliten Westrußlands. Zur Auseinandersetzung dieses Bullelins, begnügen ivir uns, dem Leser eine unserer, vor einigen Wochen erschienenen Nummern, ( Seile zurüctzurufen, ivo dieser Bericht nach dem deulschcn Derte iviedergegebcn ist. Es wird für heute genügen von 'Neuem den Wunsch auszudrücken, daß die Aufmerksamkeit deS Eenlralcomiles sich auf die 2 Hauptpunkte dieser Frage erstrecke: lj Auf die Ausivciidcrung der unglücklichen Familien nach andern, mehr biclenden Gegenden. 2) Auf die Erziehung der Jugend und die Berlilgung der Berarmung, indem man' diese Kinder als Lehrlinge in die meisten der großen Städte vertheill und unter die Aufsicht von Religions- oder Localcomiles stellt, um sie zu Arbeitern zu erziehen, fähig sich selbst vorzuftehen- und mit der Unabhängigkeit das Gefühl ihrer Würdigkeit und Arbeitsliebe zu erlangen. Genannten beiden Schriftstücken folgen die Liften der Gaben und Uiilerfchrisken, sowie die neu Beigetrctcnen. In Bezug auf dieses überrascht uns am Anfänge des Bulletins eine Kleinigkeit. Auf ülU neu Beigetrelcne, die der Versammlung vom 12. Jan. vorgelegt sind, wurden 18 durch das Eomite der Propaganda zugebracht. Ist die Anführmig dieser beiden *) der Presse Israelite; anck in unserm Blatte ausführlich mitgetbeilt. Rd. Z. L-

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