Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 40 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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323 — erklärt «erden. Wir haben nie wahrgenommen, daß das so sehr in Herz und Gemüth eingepflanzte Aufrufen zur Thora, wie vielfach behauptet wird, störend wirkte. Wir haben unS, ohne une auf besondere theologische Gründe einzusassen, schon öfters gegen das vielfach beliebte AuSmerzen dieser religiösen Sitte ausgesprochen, und wir thun dies auch jetzt, weil wir wissen, daß z. B. selbst unsere sehr freisinnigen Gemeindeglieder gegen eine so einschneidende Neuerung protestiren würden ES kömwt nur aus daö Ganze deS Gottesdienstes an, um dem Aufrufen das etwa Störende zu benehmen. Wir erkennen in dem Bortreten zur Thora ein berechtigtes Hervortreten der Individualität im jüdiscten Gottesdienste, der nicht durch den Priester, sondern durch seine anwohnenden Glieder seine Weihe erbält, und ein lautes Bekennen der Verpflichtung zur Thora und deS israelitischen Berufes. Nach dem Gesammt - Mischcberach und der Haphtora wird ein deutsches Gebet sür die Gemeinde, daö Baterland, rc., vorgetragen, bei welchem sich die Gemeinde erbebt und bis zum Schluss« stehen bleibt. Auch dies Gebet soll nicht gerade stereotyp sein, und vorzüglich auf die besonderen ausgezeichneten Sabbate und auf besondere Vorkommnisse (Krankheiten, Krieg, u. s. w.) Rücksicht nebmen. Die Reumondvcrkündigung geschieht deutsch mit hebräischem otnrv. Hierauf wird Aschre rccitirt, die Verkündigung der nächsten Thora-,' Haphtoravorlesung, Einheben der Thora und Predigt von 14 zu 14 Tagen. Abwechselnd eine, umschreibende Schrifterklärung, die jederzeit auf den Inhalt auch der inzwischen vorgetragencn, noch nickt besprochenen Thoravorlesungen Rücksicht nimmt, und eine Predigt nach sreigewähltem Thema. Der Predigt geben drei Verse eines deutschen Liedes voraus, dessen Nummer auf der Synagogentafel gezeichnet ist, und einer oder zwei folgen. Mussaph, gleich laut, nach nemp, dann leises Gebet mit Orgelspiel, bis der Chor lrusv beginnt, was »tetS einen erhebenden Eindruck macht. ,\x, Gesang, ein Kaddisch der Waisen, deutsches Schlußgebet und Gesang.s An den Festtagen ist in diesem Ganzen nur wenig Veränderung. Andere Choräle, das Halle! und die entsprechenden herkömmlichen Schemone ESra. Das Piutsagen ist für alle Festtage deS Jahres, mit Ausnahme deS Roschhaschono und Jomkippur, gründlich abgethan. Deutsches MathnaS Jad, Tal und Gesckem, deutscher Gottesdienst am Purimabende, wo nur ein Theil der Megilla vorgetragen wird, während der übrige für Morgens verbleibt; feierliche Confirmation u. s. f., Alles ist entsprechend geordnet. Auch am Roschhaschono und Jomkippur wird nur ein Theil licken Ereignisse scheint unS am rathsamsten, und wir wünschten sehr, dag eine solche gewählt werde. der hebräischen Piutgebrie gesagt; dagegen nach jedem Gebetabschnitte ein deutsches Gebet. Dies die Hauptzüge unseres feierlichen Gottesdienstes. Wir haben uns zu eingehenderen Reformen, insbesondere zu prinzipiellen Abänderungen einzelner Ecbetstücke, nickt berechtigt gesühlt. DaS mag eine Aufgabe der mit Gott im nächsten Jahre tagenden Synode werden. Wir kommen zum Schlüsse. Der jütische Gottesdienst bedarf vielleicht einer eingehenderen Umgestaltung. Nach unserer Ansicht darf diese jedoch nickt die Anhänglichkeit der Synagogenbesuchcr am Herkömmlichen ganz außer Ackt lassen, will sie zweckentsprechend wirken, die Gemütber erbauen, das Herz erheben, den Geist stärken. Wir haben die uns tief beglückende Ueberzeugung gewonnen, daß unser Gottesdienst, wie wir ibn hier in seinen Hauptzügen geschildert haben, seinem heiligen Zwecke ensprickt und die Gemeinde in And ackt einigt, Im Interesse dieses unseres Gottesdienstes haben wir auf Wunsch der Gemeindeglieder soeben ein kleines Sckriftchen: „Deutsche G-bete und Gesäuge," zusammengestellt. Da,'selbe enthält mehrere Lieder sür Sabbatpredigten, andere für• jeden Festtag, Seelenfcicr (zum Versöhi ungStag |, das ganze Ritual sür Confirmation; Hn Gebet vor dem Kaddisch der Waisen. DaS Ganze ist dem obenangedeuteten entsprechend gestaltet und umfaßt zwei Bogen.*) Wir haben uns wohl bloS im Interesse unserer Gemeinde dieser Arbeit unterzogen; eo würde u»S jekock freuen, wenn das HeftLen auch ändcrwä lö in kleinen Gemeinden, für weich« eö sich eignet, eingesübrt und benützt werden könnte. Wir würden es dann entsprsprechend umgestalten, insbesondere die Melodien ansügen. Vorläufig sind wir zur Abgabe einzelner Exemplare und zur Aufklärung, Abschrift der Melodien, ,'k., bereit. Möge unser geringes Werk beitragen zur Verherrlichung des israelitischen GotteSdiknsteS, zum Ruhme Gottes! Das Krincip der Sparsamkeit in der Kolksjchute Wo es drei Heller thun, da wende vier nickt an, Und nickt zwei Worte, wo's mit einem ist getban! Nückert. Tie Natur ist unsere Mutter: sie hat uns ge boren, sie nimmt uns wieder in ihren Schooß auf — wir sind selbst ein Stück Natur. Folglich sind wir *) Es kostet jetzt 12 kr. Bei Einführung könnten wir es jedoch wohl auch zu tt kr. geben.