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Der israelitische Lehrer · 1870-09-28 · 39 (28.9.1870) · p. Seite 317

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
39 (28.9.1870)
Date
1870-09-28
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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— 317 — derer als rein religiöser Beziehung des dmkwürdigen Tages hatte man im Hinblick auf den Ernst der Zeit abgesehen. — Hamburg, den 18. Sept. Verschiedene hiesige WohlthätigkeitS-Vereine find unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen rühmlicher Weise auS dem engeren Kreise ihrer Wirksamkeit herauSgetrettn, um auch partriotischen Zwecken zu dienen. So auch der israelitische Frauenverein zur Bekleidung armer Knaben, welcher sich zunächst damit beschäftigt, bedürftige Zöglinge der israelitischen Stiftungsschulen von 1815 mir der. erforderlichen Kleidung zu versehen. Durch günstige Umstände hat derselbe im vorigen Jahre 600 Mark Crt. erspart, welche Summe der Vorstand nun zur Bekleidung solcher Schulkinder bestimmt hat, deren Versorger durch Einberufung zum Heere dazu außer Stande oder durch die Einwirkung der Kriegsverbältnisse arbeitslos geworden sind. — Um eine richtige Auswahl zu treffen und nutzbringend zu zu wirken, haben sich die Damen des Vorstandes mit dem „Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege" in Verbindung gesetzt, da dessen Vorsteherinnen eine ausgedehnte Kenntniß von der hiesigen Armulh und Roth besitzen. Auf deren Empfehlung wird der israelitische Frauenverein sodann die Verhältnisse der vor-, geschlagenen Familien selbst prüfen. Aus der Herrschaft Flatow - Krojanke. (Prinzliche Unterstützung.) Der Prinz Karl von Preußen, als Besitzer unsere Herrschaft, läßt alljährlich mehrere' Hundert Tbaler an die Lehrer in seiner Herrschaft vertheilen, so daß manche eine Unterstützung von 5 bis 15 Thlrn. erhalten. Das Anschreiben des Prinzlichen Renl- Amtes lautet: „In her Erwartung, daß Sie bestrebt sein werden, ihre Berufspflichten gewissenhaft zu erfüllen und mit der dasigen Gemeinde ein gutes Einvernehmen zu erhalten, ist Ihnen von der Prinzlichen General-Perwaltung eine Unterstützung von 5 Thlrn. bewilligt worden, welche Sie bis zum ' 8. Juli d. I von der hiesigen Kasse gegen Quittung abheben können." — Der mit einer solchen Anzeige Beglückte macht'sich dann mit frohem Herzen aus den 3 Meilen weit entfernten Weg und erhält 5 Thlr. „Schreibe Fünf Thaler." Wien, 20. Aug.*) Ich freue mich, daß ich meine erst seit neuester Zeit begonnene Berichterstattung heute bereits durch Mittheilung einer großen, bemerkenswertben Handlung der Staatsregierung gleichsam inaugriren kann. Die verschiedenen Zeitschriften melden, *) Unlieb verspätet. daß die österreichische Regierung damit umgehe, eine jüdisch-theologische Facultät auf Staatskosten zu gründen; und hat Sr. Majestät der Kaiser mit allerhöchster Entschließung vom 17. August auf Vortrag des Herrn CultuSministerS von Stremayer dies bereit» zugestanden Die Dotation auS Staatsmitteln wird wohl vorzüglich nur zur Besoldung der Prosefforen und zur Begründung der, Bibliothek - dienen. — Ob nun, wie die Berichte lauten,, die Gründung einer 'bebesondern Lehranstalt „zur Heranbildung von Rabbinen und Religionslehrern" bezweckt wird, od.r, — wie man unter Israeliten allgemein annimmt, ob die Errichtung einer jüdisch - theologischen Facultät im Anschluß an eine der bestehenden Nnioesitäten, ist zur Zeit nicht bekannt. Man hofft, daß es den Wiener- Capacitäten gelingen werde, die Facultät und zwar hier, zu begründen. — Der bekannte in Galatz wohnhafte und in Galizien geborne H. M P inele S starb am 6. August in seinem 64. Lebensjahre. Er war einer der edelsten und strebsamsten Männer in . diesen Ländern, die derart hervorragende Männer so nöthig haben und zeichnete sich sowohl durch seine wissenschaftliche Arbeiten aus mathematischem, philosophischen und astronomischen Gebiete als auch durch sein berühmtes theologisches Werk min hv ':n ans. Ehre seinem Andenken. — Roch eine andere Größe haben wir zu beklagen. In Krakau starb am 17., August Dr. David Ravpoport, der Sohn des seligen Oberrabbiners von Prag Salomon Juda Rappoport. DaS in Lemberg in jüdisch - deutscher Schritt erscheinende Blatt „der Israelit" begleitet die Mittheilung dieses Todesfalls mit folgenden 'Worten: Er — der Verewigte — kämpfte für Fortschritt und.Aufklärung unserer Glaubensgenoffen. Der Vorstorbene war ein eifriger Beförderer der! hebräischen Literatur, unteruahm die Herausgabe des Nachlasses seines berühmten seligen Vaters, wovon bereits der erste Band unter dem Titel nun' ndm erschienen ist. Eben war er im Begriffe, den Druck des Commentars zu Jesaias vorzubereitrn, als ihn der Tod zu früh — in seinem 51. LeSensjahre — uns entriß. Pari» Die „Revue JSr." hat in Folge der KriegSereigniffe, vorläufig wenigstens, zu erscheinen aufgehört. DaS 8: Kürassier - Regiment vom Corps Mac Mahon wurde bekanntlich in der Schlacht bei,Wörth fast ganz aufgerieben; nur 17 Mann entkamen. Unter den Ueberlebenden befand sich ein Israelit, Lazard Worms aus Boulay, der jüngst in der Synagoge zu Paris öffentlich die Benediction für die aus Lebensgefahr Geretteten sprach und so hem Herrn über Leben und Tod vor der ganzen Gemeinde und in großer Ver-

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