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Der israelitische Lehrer · 1870-09-28 · 39 (28.9.1870) · p. Seite 316

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
39 (28.9.1870)
Date
1870-09-28
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
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Daß Gottes Namen sie bekennen, Im Eintracht'ihn verehren All!!*) . . . ' (Zephama 3, 9.) . Wochenbericht. Provinz Posen. (Jüdische Lehrer.) Bei unS befinden sich verhältnißmäßig die meisten jütischen Elementarschulen, da sasl jedes Städtchen eine aufzuweiscn hat. Seit längerer Zeit sii.d die jüdischen Schulen, deren Lehrer von der Regierung angesiellt werden, reorganisirt. In den meisten anderen Provinzen, selbst in den Stätten, die eine bedeutendere jüdische Bevölkerung auszuweisen haben, wird der Lehrer in der Regel von der Gemeinde auf Zeit angeslellt; und seine Stellung ist, wenn auch gut dvtirt, doch immer keine, gesicherte. Aber auch nur unsere Stellung ist besser, mit der Existenz ist das eine andere Sache; ^denn was das Gehalt des größten Theils der hiesigen Lebrer anlakgt, so ist dieses so zugemessen, das herPehrer bei der größten Bescheidenheit damit nicht auSkommen kann. WaS läßt sich mit 150—250 Thalern auch anfangen? — Aber man wolle nicht etwa glauben, eS liege am Willen der Gemeinde oder ibre Schulvorsteher, daß der treue pflichteifrige Lehrer hiermit auSkommc; — nach der schweren TageSarkeit sieht es ihm frei sich durch, Privatunterricht daS zu erarbeiten, was ihm zu seiner bescheidenen Existenz noch fehlt. So hat mancher Lehrer außer seinen festgesetzten Amtsstunden täglich noch drei bis vier, nicht selten noch mehr Stunden zu arbeiten und sich außerdem für die Schule vorzubereiten. Glücklich dsd Lehrer, dem noch zur Ertheilung von Privatunterricht Gelegenheit 'geboten wird. In einem anderem Falle ist eS in der That ein Räthfel, wie er durchkommen soll, wenn er nicht etwa neben seinem Lehramte irgend ein Geschäft betreibt, was auch nicht zu den Seltenheiten gehört. Während sc die Gemeinde den Lehrer auf der einen Seite zwingt, sich mir möglichst vielen Privatstunden zu beschäfligen, möchte sie es ihm auf der anderen breite wiederum hincern; da hierdurch dem öffentlichen Unterrichte die Kräfteentzogen werden. Wovon aber lebest? Ich könnte Beispiele genug ansühren, wo recht tüchtige Lehrer fast vor Hunger umkamen. Sie werden in der Regel, mit einem geringen Gehalt und einem großen Versprechen auf Nebenrinkommen durch Privatunterricht angestellt. Die alten Lehrer behielten aber ihre Privatslunden, und der neue Lehrer, der nicht , lange . müßig * sein konnte, zog weittr. Oder eS tritt wohl auch der ent- * Tas. ist die wrbre Relrziosirär- _ gezengefetzte Fall ein, daß nämlich der ältere Lebrer den Platz räumt. So lange also der Lebrer hauptsächlich auf den Privatunterricht angewiesen ist, steht eS schlimm um ihn. schlimm in der Gegenwart, schlimmer noch in der Zukunft, da er seine schönsten Kräfte be- \ reite geopfert hat. Die Gemeinden aber mögen bedenken, daß, wenn sie nicht mit Ernst darangeben, die drückende Lage ihrer Lehrer zu erleichtern, es sich äafL schwer an ihnen rächen wird. Es gibt schon jetzt MW meinden, die in Ermangelung eines jüdischen LehMeinen christlichen anstellen. DaS wäre im Gründe zwar nicht Verfängliches*), wenn eS nicht insofern der Schule zum größten Nachtheile gereichte, daß die christlichen Lehrer, da sie an jüdischen Elementarschulen keine definitive Anstellung erhalten, wohlweislich nicht gern lange verbleiben und dadurch einen häufigen Lehrewechsel herbeiführen, der für die Schule nichts weniger als segensreich sein kann. Hannover, 16. Sept. Die neue Synagoge wurde gestern feierlich eingeweiht. Der Generalgouverneur, der Oberpräsident, die Spitzen der StaatSuud städtischen Behörden, Vertreter der protestantischen Geistlichkeit und viele geladene Gäste hatten sich dazu eingefunden. Das neue Gotteshaus, in rein gotlsischem Style mit Kunst und Geschmack vom Baurath Oppler, aus desien Händen auch die noch im Lau begriffene Synagoge zu Breslau hervorgehen wird, aufgeführt, wird künftig zu den schönsten Sehenswürdigkeiten unserer Stadt gehören. Der Einweihung war ein Abschiedsgottesdienst in der alten Synagoge vorhergegangen, von wo die Thorarollen in feierlichem Zuge in den neuen Tempel hinübergetragen und hier nach einem Umzuge unter Gesang und Harfenspiel in die heilige Lade gesetzt wurde. Der Landrabbiner gedachte in seiner Rede dankend der vorigen Regierung, welche freigebig den Bau unterstützt habe; bei der den Hannovranern angeborenen Treue, fügte er hinzu, sei es ihnen anfangs schwer geworden, sich an den neuen Zustand zu gewöhnen, dann aber und vollend» mit den Thaten der neuesten Zeit habe der greise Heldenkönig die Herzen gleichsam im Sturm erobett. seiner und der deutschen Heere wurde auch im Jchlußgebete segenwünscheyd gedacht. Der Redner ließ einfließen, daß der Einweihungstag gerade dasselbe Datum trage, an welchem er 25 Jahre früher znm erstenmal als Rabbiner zur .Gemeinde gesprochen habe. Die von dem überaus gut eingeübten Synagogenchor vorgetragenen Festgefänge hatte der Hofkapellmeifter Fischer gesetzt und leitete sie persönlich. Die ganze Feier war sehr würdig und eindrucksvoll. Von aa- * Wir bemerken, daß dies in der „Rordd. allg. Schulzerlung" siebt. Nack unserer Ansicht ist dies natürlich sehr verfänglich. Redactton. 1

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