Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 315 — selbst, wo der betreffende Seminarist vorerst Rede zu stehen und denselben zu vertheidigen hat. Nach dem nun genehmigten Lehrpläne muh er in Geaenwart des betreffenden Klassenlehrers g,nau unterrichten, und später über den Erfolg jeder stunde überall Rechenschaft zu geben im Stande sein. Wir misten nicht, ob sich der Herr Seminardirrktor zu Münster die pädagogische Leitung seiner Z-ßlinge ebenso denkt; aber, was wir wissen, ist, dah wir nicht wissen, was wir unS unter dem Satze denken sollen, dah der Herr Direktor „in gewissen Zeiträumen von ihnen — den Ceminarzöglingen - an den Elemrntarschülern psychologische Beobachtungen anstcllen losten will, die schriftlich eingeliesert werden sollen." Wie? Sind Kinder etwa elektrische Batterien oder sonstwie physikalische Apparate, das; man „ zu gewissen Zeiträumen" an ihnen nach Belieben „psychologische" Becbacklungen anstellen kann? Wie? wenn sie nun nicht antworten, oder, wenn gar nichts Besonderes an ihnen verfällt, das „zu beobachten" ist? Die psychologische Erfahrung ist etw.s Ganzes, das nur mit der Zeit und unter dem Einflüsse günstiger Sterne errungen werden ka> n. Wir könne» ihnen — den Ceminarislkn — nur unjere schwachen Ersahiungen und unsere aus Büchern geschöpfte Weisheit Preis geben. Was sich die Zöglinge in der Musterschule erwerben sollen, ist pädagogischer Takt und methodische Sicherheit. Wir haben hier nur in einigen kurzen Zügen anzudeuten gesucht, wie wir unö dae Leben im Seminare denken. £l> unser Versuch zutreffend ist. vermögen wir nicht zu unterscheiden. Jedenfalls aber haben wir die Ueberzeugnng, das; man Ledrcr nur durch Pädagogik bildet. Wir können nicht genug ans den Mißstand, der auch in anderen jüdischen Seminarien hei rscht, aufmerksam machen: mit viel Frömmigkeit und großen Worten kann man in den Seminaricn nichts auSrichtcn ES scheint dieses eine Calamität zu sein, die leider den meisten jüdischen Seminarien eigen ist 'und diesen ihre Bedeutung und ihren Werth raubt. Wie es bester werden kann? Wir knüpfen den Schluh an den Anfang. Wir fühlen, dah die Lebrer an unfern Seminarien mit unüberwindlichen Schwierigkeiten zu kämpfe» haben, weil ihre Zahl, Zeit und Kräfte zur Erfüllung ihrer Ausgabe nicht auSreicken. Wir wollten dies an einem eklatanten Beispiele zeigen, und wir würden bedauern, wenn unsere Leser und die betreffenden Lehrer bloß eine eitle Lust an Kritik in unseren Auseinandersetzungen gesunden haben würden. WaS wir immer und immer wieder fordern müssen, ist ein vollständiger, den Anforderungen an eine tüchtige Anstalt entsprechender Lehrkörper. hinreichende Kräfte, ein großes Seminar. Und darum, Ewtorum oeneeo: Bereinigung. tzommunat- oder Lonfeslionsichuten. (Schluß.) Ob nun ein solches Zusammenleben der in ihren religiösen' Bekeiitnisien verschiedenen Einwohner des Landes fortan für das Wohl der Staatsgesellschaft nicht minder als für die humane Bildung de.r Bevölkerung gedeihlich bestehen würde, wenn auch »och die Volksschulen nack den Eonfessionen getrennt würden, ist sebr ru bezwrise!». Hat ja schon die Trennung deS ebemaligen SchnIIebrerfeminars in zweierlei Seininarien, von welchem in dem Einen nur katholische und in dem Andern nur evangelische Lebrer unterrichten, zur Erkaltung der kollegiale» Berbältnisse unter den jünger» Schullehrern im Lande gar.viel cheigelragen; und ebeirio böite der beruflichc Verkehr unter den Geistlichen verschiedener Ecnsesnonen vollends auf, I als die Znipccloraie nach den verschiedenen Eoniessio-- ' nen getrennt wurden! Will man nun die Schul-! jugend, welche in ihrem kindlich reinen und wahrhaft , menschlichen Sinne sich gern an ibreS Gleichen anj schließt, auch noch von einander scheiden: so mag 1 wohl eine Generation heranwachsen, die nach dem i Wunsche der Ultramontanen und P i e t i.st e n ' drrssirt und einseitig, wenn nicht gar herzlo'S für das Wohl und Weh andersgläubiger Menschen j gebildet ist; aber keineswegs für die wahre Religiosität , die unsers Erachtens ohne H u m a n i t ä t gar; nicht zu erzielen sein dürste!! O, möchten eS doch die Lenker der Staaten be-; greifen, daß ein nicht bloS intelligentes, sondern I auck humanes Volk, weit leichter als eine in Un-! wisscnbeit gelassene und tbkilweise fanatisch erzogene ' Bevölkerung sich regieren läßt! Denn auck der alte despotische Grundsatz „Tbeile und herrsche" wird einst, gle'ck.den oben aus Göthe'S Faust angeführten, von der Weltgeschichte — die nach dem herrlichen AuSsprucke unserS gemüthreichen Sckiller zugleich „das Weltgericht" bildet, verurtheilt werden, sowie derselbe ja auch! gegen die erhabensten Verheißungen der gottbegeisterj ten Propheten sicherlich verstößt! > »Einst wanhle ich der Völker Sprache Zu einer reinen Sprache *) um; *, Da in die Srracke der Humanität.