Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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314 worauf es -eben ankömmt. So ausgerüstet tritt also der Seminarist ein. Hier tritt im ersten Jahre bloS die Anthropologie, und später die Psychologie als Grundlage der Pädagogik in den Vordergrund. Die Kenntniß der Menschenseele, deren Objekt die Erziehung und der Unterricht sind, gründet sich auf die genaue Kemnuiß des menschlichen Körpers. Der hebr. Unterricht nimmt die Gestalt an, die wir oben angedeutet haben. D>e Realien scheiden sich mehr und mehr in einzelne Fächer.. Nicht der Stofs, welcher unterrichtet wird, sondern die Art, wie unterrichtet wird, unterscheidet das Seminar von jeder anderen Anstalt gleicher Stufe. „ES wird stets genetisch, ent- „wickclnd, heuristisch, kurz so unterrichtet, wie der „dereinstige Lehrer in seiner Schule unterrichten soll; ^Alles dociren, das ganze Kathederwesen — es sei „denn in rein historischen Fächern — bleibt grundsätzlich vym Seminare ausgeschlossen." Bon unten bis hinauf, in der Pädagogik wie im Rechnen und Lesen, muß immer die Methode des Unterrichts selbst dem Zöglinge der beste Unterricht sein. Mit den besseren Hilfsmitteln, insbesondere für die naturwissenschaftlichen Fächer, tritt natürlich für das Seminar auch die Verpflichtung ein. in diesen Fächern ein höheres, umfassenderes Wissen zu bieten; doch darf kein Zweig ein Lieblin gs zweig der Anstalt oder des Direktors sein; alle müssen gleichmäßig sorgsam gepflegt werden. Immer soll und muß der Zweck deS Ganzen im Auge behalten werden, die Rücksicht auf den dereinstigen Beruf des Seminaristen hervortreten. Die Zöglinge jeder Klasse erhalten wöchentlich mindestens drbißig Stunden Unterricht, welchem ebenso viele Uebungsstunden zugerechnet werden können. Der Seminarist darf wohl des Tages seine zehn bis zwölf Stunden arbeiten; er soll an tüchtiges Arbeiten gewöhnt werden. Von den dreißig Unterrichtsstunden entfallen sechs auf das Hebräische^ sechs auf Pädagogik, drei auf Mathematik,' eine auf Physik, zwei auf Naturgeschichte, zwei auf Geographie und Geschichte, vier auf deutsche Sprache, Literatur und Stylistik, die übrigen auf Musik, Turnen, Zeichnen, .'c. In der höchsten K'assc wird ein Theil dieser Stunden auf prakrische Uebungen in der Musterschule verwendet. In den anderen Klassen wird beim Unterrichte in der Mufterschule bosp'tirt. Der Unterricht in fremden Sprachen kann zur Zeit noch.kein Gegenstand des Unterrichts in Seminarien fein. Wir wünschten wohl, daß die Lehrer Kenntnisse im Französischen und Englischen haben — Latein ist .durchaus nutzlos, — aber erst, wenn die Zöglinge bereits ein so tüchtiges Wissen davon in die Anstalt.mitbringen, daß dieselben ordnungsmäßig und in einer auf späteres Unterrichtsgeben abzielenden Weise induktiv und schulmäßig in der Klasse unterrichtet werden können, mag eS erlaubt fein, diesem Unterricht den Raum im Lehrpläne zu geben, den er seiner praktischen Bedeutung willen im Seminar wohl verdient. Im zweiten Jahre wird daS psychologische Studium fortgesetzt; ihr folgt Logik, und dann erst tritt hier nun die Pädagogik als selbstständige, auf Anthropologie. Psychologie und Logik begründete Wissenschaft ein. Es werden auch hier diesem Fache sechs Stunden wöchentlich gewidmet. Die Methode der einzelnen Schulfächer ist nicht sowohl als ein separates Wissen aufzuführen, und ist nicht eigentlich ein Gegenstand, der mit der Pädagogik gelehrt wird, sondern schließt sich dem Unterrichte in den einzelnen Fächern an. Wie sie abgeleitet und veranschaulicht wird durch den betreffenden Unterricht selbst, so schließt lie sich auch diesem an; die Methodik des Lesens beim Lesen, die Methodik des Rechnens beim Rechnen u. s. f. Besonderen Unterricht könnte eben nur die Methode der ersten Anfangsgründe eines jeden Unterrichtsfaches nöthig machen, wenn man nicht überhaupt einen Abschnitt der Pädagogik dem e r st e!d>^chu l j a hre widmet. ES folgt hieraus, daß alle lLeminarlehrer Pädagogen und Elementarlehrer im Hüten Sinne des Wortes sein müssen; daß alle in Methodik unterrichten, und daß ihre Schlußfrage in jedem Unterrichte sein muß: Wenn Ihr einst in der Schule zu unterrichten haben werdet, wie wollt Ihr diesen Gegenstand an die Kinder bringen? Allgemeine Pädagogik und Geschichte derselben ist hauptsächlich Gegenstand des dritten JahrescurseS. Die Zahl der Unterrichtsstunden in diesem Fache darf in diesem Jabre auf vier zurückgehen, weil eben jeder einzelne Gegenstand zu methodischen und pädagogischen Verhandlungen Veranlassung gibt, oder weil eben der ganze Unterricht sich auf das speziell Berufliche bezieht. Eine höchst schwierige Frage bleibt die Mufterschule und ihre Stellung zum Seminare. Kinder sind und sollen nimmermehr die Objekte der Experimente für den Seminaristen sein. ES müssen daher die Beziehungen der Musterschule zum Seminar genau geregelt sein. Im ersten unp zweiten CursuS können die Seminaristen bloß Zuhörer des Unterrichtes in der Musterschule werden. Am Ende des zweiten Jahres erhalten die Seminaristen, ' welche nun in den Oberkurs eintreten, einm Unter-! richtsgezenstand in einer Klasse der Musterschule zugelheilt. Sie haben über diesen einen vollkommen , detaillirten Lehrplan demjenigen Seminarlehrer vor- ■ zulegen, der Führer der betreffenden Klasse in der Musterschule ist. Dieser Plan ist Gegenstand der Besprechung in der Lehrerkonserenz und im Seminare