Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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sraflitisrhe ♦ Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Iudcnlhums undinsbe sondere des israelitischen Lehr er st an des Organ für den Verein „Achawa.' „IS 39. Den 28 September 187«. 10. Zatjrgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Nbonnementsvreis 40 kr. — Il'/z Sgr. Anzeigen zu I. Zgr. die Petitzeile. Bestellungen nrbmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Lehrplan der Elementar- und Seminar-Abthcilung der Marks- Haivdors'schen Stiftnng zu Müllstcr io Westphalcii. (Schluß.) Wir baden hertte nur neck eine Aufgabe; der Lehrplan der Marx-Haindorfjschen Seminarabtheilung genügt nicht in pädagogischer Beziehung, — dieser Ueberzeugurg können wir uns nicht entziehen. Zwei Stunden, resp. eine Stunde Pädagogik, und eine Stunde Lektüre eines psychologischen Werkes, welche letztere zudem noch gar nicht im Zusammenhänge zu stehen scheint mit dem gesammtrn pädagogische» Unterrichte, und welche, weil im dritten Jabre. nach unserer metbodischen Auffassung sogar post kestnin kommt, kann unseren Anforderungen an eine LeknerbildungSanstalt nickt genügen. Und in dies der }\qü, ist'der päeaaog sche Unterricht unzureichend,'so bat das Seminar keine Bedeutung als Lehrerbildungsanstalt, und, iagen wir unsere ganze Ansicht unverholen, — keine Berechtigung zum Bestehen. Alles Andere kann man auch anderwärts lernen und ersabren. Das Seminar soll den Lehrer bilden, und Lehrer wird man eben nur durch pädagogisches Wissen. Eine schlechte! Volksschule ist auch rin großes Unglück, aber lange nicht ein so großes wie ein mangelhaftes Seminar,; eine Lehrerbildungsanstalt, welches auf falscher Basis errichtet worden ist. Es schadet ganzen Geschlechtern in vielen Gemeinden, in einem ganzen, großen Kreise. Wir erlauben uns, in kurzen Zügen das Bild j;u zeichnen, daS wir von einer Lehrerbildungsanstalt baben. Wir maßen uns nicht an, ein durchaus zutreffendes Urtheil zu haben, da uns die nöthige Praxis ffblt, und unsere Ansicht nur auf eingehendes Studium der in diesem Betreffe neuerdings erschienenen Schriften, und auf eigenes Nachdenken basirt. Vielleicht wird man unsere Anforderungen, als über das Ziel hinaus?,ebend, als erce»trisch belächeln und bekritteln; sei es darum. ES werden das nur diejenigen tbun, die mit ihren „akademischen" Studien eine vornehme Geringschätzung eingesogen baben gegen Alles, was eben mit dein Studium und dein Berufe der „Elementargeiffcr" zusammenbängt. Lehrer soll nur derjenige werden, der, geiund am Körper und Geist, eine tüchtige Elementarbildung in einer einfachen Volksschule genossen. — Nack den zurückgelegten Swuljahren wird der werdende Seminarzögling Präparand. Er hat hier vor Allem die Tbora und erstell Propheten, sowie die Tbesilla im Urtext, die ReligionSgeschichte in treffendeulZüaen bis auf | unsere Zeit kennen zu lernen. Er muß dann noch i außerdem vorgebildet werden in Musik — .zum Vorbeteramte —; daS elementare Wissen ist zu ergänzen und zu steigern, und demselben etwa die Ausdehnung in Sprache, Mathematik, Rechnen und Geometrie, Geschichte :e. zu geben, wie eS einem gebildeten Menschen zukömmt. Der angehende Seminarist muß im Rechnen gnt geschult sein, muß ein 1,uteö Buck lesen und verstehen, und sick darüber aussprechen können; muß gelernt haben, seine Gedanken regelrecht und ohne orthographische oder sprachliche Fehler niederzuschreiben. Daex sind so die Grundlagen, auf welchen erst ein Weiteres anfgebant werden kann. DaS Wissen deS zum Eintritt in das Seminar sich Meldenden muß gleich sein dem Wissen, das wir von einem gute» Realschüler der höheren Klasse zu erwarten berechtigt sind, wenn wir auch aus bestimmenden Gründen vorderhand noch nicht darauf bestehen, 7aß der Seminarist — wie jetzt häufig verlangt wird — die sechs Klaffen einer Realschule erster Ordnung durchgemacht habe. ES ist in den allgemeinen Wissensfächern bei dem angebenden Lehramtszöglinge yjcht gerade stets daS .WaSZ sondern oft weit mehr das iDie" deS Unterrichts und Könnens,