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Der israelitische Lehrer · 1870-09-21 · 38 (21.9.1870) · p. Seite 309

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
38 (21.9.1870)
Date
1870-09-21
Page
Seite 309 (sequence 5)
Language
German
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— 309 — der Leitung des eben so humanen als pädagogisch ausgezeichneten und in ganz Deutschland hockzeachteten Seminar-DirectorS Denzel nur einen JahreScursuS (1816) durchgemacht hatten, um sich aus der altm verrotteten UnterrichtSweise in die neue planmäßige Methode hinein zu arbeiten — von ihren jüngeren Kollegen, welche späterhin das Jdsteiner Seminar unter der Direktion des tüchtigen Pädagogen Grüner und dessen ebenso humanen Nachfolger Schellenberg regelmäßig besucht hatten, geachtet und verehrt wurden und welchen Fortbildungseifer und reichen Fond von Schulersahrungen diese Veteranen deS Nassauer LehrerstandeS in solche Versammlungen und JnspectionSconferenzen mitbrachten! Damals war die Unsitte der Gegenwart: daß die Jugend sich in aufblihender Windmacherei über das Alter erhebt — was schon der Weise in der heiligen Schrift (Spr. 30, 11—13) tadelt — noch nicht im Schwünge, und der mephistophelisch-Faust'sche Ausspruch: „Nur Lumpen sind bescheiden!" hatte noch keinen Eingang, in die Herzen der Lehrerwelt gefunden! -CP Aber auch die Geistlichen verschiedener Confesfion in Nassau — namentlich aus der ältern Generation — die als Schulinspectoren und Schuldirigenten über Eommunalschulen und sonstige Lehranstalten mit einander verkehrten, bewiesen gegeneinander eine solcke Collegialität, die auf die moralisch humane Volksbildung von großem Einflüsse war! ES sei mir gestattet zum Beweise dessen auS den vielen Erlebnissen in meinem hierländischen Berufe (von 33 Jahren) nur Eines mitzutheilen. Nach einer in Gegenwart des evangelischen SchulinspectorS in einem Landstädtchen meines RabbinatSbezirkes abgehaltenen JahreSprüfung begab ich mich in das dortige Gasthaus, als gerade mehrere angestellte Beamten und unter andern ein christlicher Kaufmann aus Berlin an der WirthStafel laßen. Nach einiger Zeit -kam auch der erwähnte Schulinspector dorthin, reichte mir die Hand „als College" und setzte sich an meine Seite. Bald darauf trat auch der katholische Pfarrer ein, reichte uns beiden die Hand „als College»" und setzte sich zu uns, worauf wir uns über pädagogische Angelegenheiten collegialisch unterhielten. Der Berliner Kaufmann saß uns gerade gegenüber und schenkte unsrer Unterhaltung ein aufmerksames Ohr. Nachdem sich nun die beiden christlichen Geistlichen entfernt batten, fragte derselbe heimlich den Wirth, wer wir seien; und als der Wirth ihm die 3 verschiedene Bekenntnisse nannte, denen wir angehörtenj, war derselbe so erstaunt darüber, daß er sich nicht enthalten konnte, mir, dem zurückgebliebenen, offen zu gestehen, daß so Etwas humanes in ganz Preußen und am allerwenigsten in Berlin nickt wabrzunehmen sei! (8upionti sat!) Was Wunder, — daß unter solchen staatlichen Verhältniffen in Nassau bis zum Jahre 1847 — bevor es den katholischen College» von ihren Obern untersagt wurde, mit den Geistlichen anderer Confesston einen geselligen Umgang zu führen — das Alter, wie die in den Eommunalschulen gemeinschaftlich unterrichtete und erzogene Jugend in größter Eintracht zusammen lebten; und darum nach dein Jahre 1848 — als über die völliges Gleickstellung^ der iSr. Einwohner im Landtag verhandelt wurde, nicht nur die Deputirten sondern auch die sog. Herrenkammer ohne alle feudale und klerikale Vorurtheile einstimmig ihre bejahenden Vota abgaben! Man vergleiche dagegen ähnliche LantagS-Verhandlungen in den andern Staaten Deutschlands! War etwa die Moralität und Neligiosität der Bevölkerung im Nassauer Landchen geringer als anderswo? Mit Nichten! Im Gegentbeile die Corrections» und Zuchthäuser waren nicht so überfüllt, wie in ^späterer Zeit, und selbst die Kirchen aller Bekennt- Mfse waren besuchter, als anderwo; weil der schlichte Sinn des Volkes die humanen und darum auf die ewigen Grundsätze j aller wahren Religion basirten Worte des Predigers gerne vernahm! - And waS nicht der Verstand der Verständigen sieht, Das übet in Einfalt ein frommes Gemüth! (Schiller.) (Schluß folgt.) Wochenbericht. Frankfurt a. M. Hier starb der auSge» zeicknete, durch feine Schriften über den Ursprung der Sprache berühmte und hochgeachtete Lehrer an der israel. Volks- und Realschule vr. Lazar Geiger. Der Verewigte war eiu eben so edler Mensch und Lehrer, als vorzüglicher Gelehrter, der dem Höchsten zustrebte. Die hiesigen Zeitschriften sind voll seines Ruhmes und beklagen den Heimgang des Frühverfchiedenen — er war erst 41 Jahre alt — als einen großen Verlust für die Wissenschaft. (Vergl. Nekrolog.) Papi-. Die „R. iör." berichtet von einer sehrreichen und vornehmen .jüdischen Frau, im Elsaß geboren und in Paris wohnhaft, welche ihr ganzes Vermögen zur Disposition deS internationalen Vereins zur Pflege der durch den Krieg Verwunveten uns Verunglückten gestellt hat, und in der persönlichen Pflege der Kranken mit den barmherzigen Schwestern deS heiligen Vincenz-VereinS wetteifert. Man sollte

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