Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- Seite 302 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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V — 302 — jtt können. Wir hoffen, daß uns unsere Leser in dieser Richtung durch Mittheilungeu unterstützen und «user Vorschlag in der jüdischen Preffe Nachahmung stad«, die mindesten« in dieser Richtung wohl einig ist, oder doch jedenfalls einig sein kann. •) Au« Gndderrlschlund, 20. August. Man hat mit Recht bemerkt, daß auch in dm heiligsten Angelegenheiten, die jetzt da« Vaterland bewegm, vielfach da« Rischu« hervorgrtreten. Wir müffm davon Rotiz nehmm, obwohl wir e« sehr ungern thun, weil wir die reine Begeisterung unserer GlaubmSgenoffm und die Hingebung insbesondere, mit welcher sie bereit sind, da« Leid und da« Elend de« Kriege« zu mildem, auch nicht einmal mit einem Hauche trüben michtm. Al« im Anfang ^eS Kriege« eine badische RecognoSeirungStruppe unter Lieutenant Zeppelin dm Franzosen verrathen wurde, mußte e« ein jüdischer Fuhrmann gewesen sein. Wir wiffm nicht, woher all dm Blättern, die die,Nachricht mittheiltm, die Mitthrilung gekommm ist, und wer sie von der Anthentieitit derselben versicherte; aber die Blätter verschweigen die Nationalität de« Juden, und wmn e« also rin Elsässer, einFranzos« war — wo ist da der Derrath? Ihr 'wollt doch, daß der Jude' dem Lande trm sei, in welchem er lebt: war. also da«, wa« Ihr Berrath nmnt, nicht heilige Pflicht? Hat der jüdische Franzose in Frankreich nicht dieselbm Pflichtm gegm Frankreich, al« der jüdische Deutsche gegm Deutschland? — Zum Buß- und Bettag sind in Hessen nur die Prctrstantm ousgefordert worden und so viel wir wiffm, auch in Prwßm; ob die Juden dämm minder andäibtig für dm Sieg Deutschland« gebetet haben mögen?^Oeffrntliche Aufforderungen habm sich an die christliche Wohlthätigkeit gewendet, und doch dürfen wir getrost behaupten, daß die Judm in dieser Beziehung nicht zurückgebliebm — vielleicht dürfen wir sogar — doch nein, wir wellen uns nicht zum Lobe anrechnen, wa« tief in unserer Natur begründet ist. — Hoffen wir, daß Blut ein guter Kitt ist, und-^aü---»« un« jetzt nicht wieder ergeht, wir schon zu öfteru Malen. Es ist gut, daß die jüdische Preffe derartige Vorkcmmnisie und wa« in dieser Beziehung gesündigt wird, zeitig aufdeckt, damit wir erlangm, wa« wir zu sordrm habm: Gerechtigkeit für Alle, auch für die jüdischen Bürger und Krieger! Aus Unterfrawkeu. In Kitzingen wird eine- Gewerbeschule nach Maßgabe der Schulordnung für die technischen Lehranstalten von 1864 errichtet und dem Stadtmagiftrat Kitzingen das Präsentationsrecht *1 In.der „ISr, Wochenschrift"' bereits gefchehm. zu den erledigten Lehrstellen insolange eingeräumt, als die sämmtlichcn Kosten für diese Schule aus Mitteln der Stadt Kitzingcn bestritten werden. Schon die letzten Landrachsverhandlungen in Würzburg. haben einstimmig das Bedürfnis dieser Schule anerkannt und nachgewiesen. Wir hätten aber gerne vernommen, daß die nahen jüd. Prioat-Institute zu Segniy und Marktbreit eine neue Anstalt in ihrer unmittelbaren Nähe entbehrlich machten; allein sie wurden total ignorirt. Die Gründe hierüber zu erörtern, so nahe sic auch liegen, ist nicht unsere Aufgabe. Als bekannt dürste vorausgesetzt werden, welche unerquickliche Aeußerung unser bayerischer Justiz-Minister Lutz dem Abgeordneten Herrn Frankenburger aus Nürnberg über eine geiviffe Klaffe unserer unterfränkischen Glaubensgenossen machte. Wir wollen um unsrer selbst willen uns einen stillen Commentar dazu machen, und wünschen, daß die Bcranlaffungcn zu solchen Kammerverhandlungen endlich verschwinden mögen. Im vierten. Jahrgange unsres Vereinsbuchcs „Achawa" findet sich Seite 154 eine mlturhistorische „Mittheilung über die Frankistensekte". Nun haben wir zwar eine höchst ausführliche Monographie über diesen Gegenstand im, Programme des jüdisch-theologischen Seminars für 1868 von Dr. Grätz, wir dessen Arbeit im zehnten Band seines Geschichtswerkcs; dessenungeachtet dürste ein Brief aus der Gartenlaube, Jahrgang 1869,?ir. 42, Seite 673, für die Leser Ihres geehrten Blattes von besonderem Interesse sein, wenn Sie denselben in den Spalten Ihrer Zeitung aufnehmen wollten. Zu den noch lebenden Frankisten wurde auch die Familie P .... s in Prag (unstreitig Porges*) gezählt. Nach einer Correspondenz aus Prag in der allgem. Zeitung des Judenthums Nr. 23 Seite 466 ist Porges mit Tod abgegangen und muß abgewartet werden, ob von demselben Notizen über diese Materie hinterlaffen wurden, lieber unsere Gemeindeuud Schulverhältniffe in meinem nächsten Berichte. Wie», 15. August. Chevalier ä'^rtom ist soeben zum Gesandten der italienischm Regierung am hiesigen Hase crnannt worden. Was mochten die Staatsmänner, wa« der Kaiser aus dem Habsburgischen Hause fühlen, als dieser kleine, äußerlich unscheinbare JSraelit, mit den ausgeprägten jüdischen Gesicht-zügen 'am Hofe erschien, als Gesandter d«S Hofes, dem der Kaiser sicher nicht sehr wohl will, der erst vor Kurzem einige der schönsten Provinzen dr« österreichischen Staate» an sich geriffrn, und also als Großstaat gewissermaßen PorgeS — Edler von Pfortheim war es, der Herrn Tr. Stein die Mittheilungen in der Acbawa machte. Red.