Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- Seite 301 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— SOI die Lehre gezogen, daß auch in der Gegenwart die zeitgemäße Entwicklung siegen und daS Judenthum mit erhöhtem Glanze daraus hervorgehen wird. (Schluß folgt.) Wochenbericht. Ober-Ingelheim, den 1. Sept. Wir haben in Nummer 35 dieser Zeitschrift gegen die Agitation für jüdische Feldprediger gesprochen, hiergegen dieAuSsendung tüchtiger israel. Krankenpfleger befürwortet, um den Kranken und Sterbenden denjenigen Trost zu bieten, den sie von ihren Glaubensbrüdern erwarten. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, aus einige bedeutungsvolle Vorkommnisse in diesem Berreffe aufmerksam zu machen, auf Mißstände, die sich zweifelsohne jetzt oder später Herausstellen, wenn man unsere Aufforderung unbeachtet läßt. Das Sanitälswesen der im Felde Verwundeten ist bekanntlich in die Hand der Johanniter gegeben, die gegenwärtig zu so vielen Klagen Veranlaffung bieten. Wir wollen nicht näher aus diese Klagen eingehen, die wahrscheinlich begründet sind und allen Zeitungslesern bekannt sein werden. Diese „Schlachtenbummler" sind Herren vom hohen Adel .., der Johanniterorden aber ward begründet zur Zeit der Kreuzzüge unseligen Andenkens, anfänglich zur Pflege der Pilger, später zur Theilnahme an der Wievereroberung des heiligen Landes. Seine Grundidee ist eine specifisch christliche, und wenn wir auf seinen Ursprung, auf die Zeit seines Entstehens ausmerksam machen, zweifelsohne dem Juden gegenüber eine durchaus nicht freundliche. Ihnen zur Veite stehen barmherzige Schwestern, Diakoniss inen; wir wollen allen diesen gegenüber durchaus nicht den Verdacht aussprechen, alö könnten sie die Pflichten der Humanität mißachten, welchen sie sich gewidmet haben. E^ könnten aber doch allerhand Dinge unterlaufen — Proselptenmacherei u. dgl.; es könnten jüdisä>e Soldaten Unanirchmlichkeiten äusgesetzt seien, bei denen die Krankenwärter vielleicht ganz unschuldig sind; die vom Schmerz getrübten Gemülher könnten Zurücksetzung und absichtlichen Beleidigungen äusgesetzt sich fühlen, wo dergleichen vielleicht gar nicht beabsichtigt worden, u j f. All das würde es empfehlen, den pben genannten wohltätigen Gesellschaften eine gleichberechtigte Schaar jüdischer Krankenwärter z izuzesellen. Wir well n keine „jüdische Eharpie", wie eine jüdiscye Dame in Frankreich mit Recht autwortete, ald man jüdische Sondersammlungen anregte; die jüdischen Krankenwärter dürsten sich selbstverständlich nicht ausschließlich der Pfleg« jüdischer Soldaten widmen; ihre Anwesenheit dürft« schon genügen, Unzukömmlichkeiten fernzuhalte« und das Paffende in taktvoller Weis« gehörigen OrtS zu veranlassen. In den allerorts bestehenden ChebrakadischaS hat man solche durchgeschulte Männer in großer Anzahl. Welcher Kiddusch hasche«, wenn diese in den Lazarethen erschienen and ihr Theil an der Pflege, der unglücklichen Krieger beanspruchten! Wir werden diesen Gegenstand nicht außer Auge kaffen, kommen jedoch heute. noch auf eine andere Angelegenheit, die wir ebenfalls bereits angeregt haben, zurück. Wir wissen im Voraus, daß auch nach dem Kriege die Kämpfe für unser ganzes Recht noch nicht beendet sein werden. Man wird den Antheil, den wir als Juden an der Sache des BaterlandeS genommm haben, schmälern wollen. Mag man unS nun als taktlos oder unsere Anregung als inopportun betrachten: wir sind der Ansicht, daß es gut ist, schon heute Vorkehrungen zu treffen, um, mit Beweisen auftreten zu können. Daß die Inden, obgleich sie vom Kriege pccuniär sicher eben auch hart betroffen wurden, nicht zurückgeblieben sind mit ihren Opfern an Geld, dürste als erwiesen angenommen werden. Wir machen unS selbst daraus kein besonderes Verdienst, daß sie vielleicht sogar in dieser Richtung mehr als verhältnißmäßig gethan haben, denn der Jude ist gewohnt zu geben — und er gibt gerne. Aber, schwieriger dürfte eS sein, die schmerzlichen „Menschenopfer" nachzuweisen und doch dürfte die« geboten ein. „Unser Recht um unseres Blutes Willen." — Die preußische Regierung hat auf «ine Eingabe in Sachen der Feldgeistlichen geantwortet, „daß die Zahl der Soldaten jüdischen Glaubens „„an sich gering"" und bei den einzelnen Truppenkörpern vertheilt sind." Rach den statistischen Zusammenstellungen beträgt dir Zahl der Juden in Deutschland wohl 2% der Bevölkerung »nd eS wären, da sicherlich die Zahl der jüdischen Soldaten diesem Verhältnis entspricht, mindestens 20,000 jüdische Soldaten im K iege, unter diesen ist besonders die Zahl der Einjährigen unverhältnißmäßig groß und wir wissen, daß diese, ihrer höheren Bildung Willen, rum Theil die geistigen Uel-erlegrnheit des deutschen HeereS veranlassen, und damit keinen geringen Theil an leinen Erfolgen haben. Wir wollen jetzt nicht auf den Umstand aufmerksam machen, daß es verhältnißmäßig lo wenig jüdische Landwehrofficiere und gar keine jüdischen Osficiere in der Linie gibt. Wir beklagen dies kaum; aber wir wollen nur, womöglich, hiermit veranlaßt haben, daß die Namen und Data aller Todten und schwer verwundeten J-5raeH'.>','> in den Zeitschriften bekannt gegeben werden, v. ' nach dem Kriege auf diese sprechenden Zahlen Hinweisen \