Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- Seite 298 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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298 raelitische Seminar Muster-Seminar sei, da« . S.eminar der Zukunft. Keine Staat»- und keine Kirchengewalt legt hier Ueffeln'an; da» jüdische Seminar kann, waS.eS will; e» kann, wenn e» will, wenn eS von seiner Aufgabe erfüllt ist, eine Stätte freier Wirksamkeit der Pädagogik werden. Die Religion Israels ist den pädagogischen Grundsätzen nirgend» ' entgegen: Nur echte» Wisien befreit; und, mag man unsere Behauptnng als schulmeisterliches Vorurtheil oder gar Ueberhebung vielleicht belächeln: kein Wissen stählt sc den Charakter, wkii die Pädagogik. Sie, die die Freude an dem heiligen Berufe der Menschenerziehung nährt, gibt auch allein die Kraft, die Schwierigkeiten des LebrerberufS zu tragen und zu überwinden und diese Kraft ist keine geringe. Darum must der jüdische Seminarist genährt-, werden am Borne der Pädagogik und ihrer Hilfswissenschaften und auS dem Seminare hervorgehen mit erleuchtetem Geiste, mit gestähltem Charakter, mit rastloser Strebkrast, mit eiserner Energie, mit der Kraft, zu dulden und zu ertragen, mit dem Willen, das, was er für recht und gut hält, zur Ausführung zu bringen, mit glühender Begeisterung. DaS Alles geht nur hervor aus tüchtigen pädagogischen Studien. \ Ist das jüdische Seminar so, wie wir eö uns denken. dann trägt eS .nicht nur seine volle Berechtigung in sich, dann hat es auch eine hohe Bedentung. für die »itstrebende Menschheit: denn, leugnen wir es nicht, die nichtjüdischen Seminare, das gesteht selbst DitteS zu, haben sämmlich mit vielen widerstrebenden Mächten zu kämpfen, die, Gottlob, für das jüdische Seminar nicht vorhanden sind. Ist hingegen auchdaS jüdische Seminar nur eine Brutstätte mangelhafter Regularivpädagogik, dann — mag eS schlafen. Es hat keine Bedeutung; es bringt kein Heil; es kann auch dem Judenthum zum Fluch werden. Wir missen wohl, man wird unS entgegnen: „Die jüdischen. Zöglinge kommen, mit mangelhaften Dorkennlnissen nach allen Richtungen zum Seminare und es"muß da überall das allgemeine Wissen zuerst gepflegt werden. Auch unsere Seminaristen können, wenn sie zum Seminare kommen, noch nicht schreiben, noch nicht lesen und noch nicht rechnen; sie müsien in Allem erst sckukgemäst unterrichtet werden." DaS ist schlimm, sehr schlimm; aber es must überwunden .und eine andere Art von Seminarschülern muß herangebildet werden. Es must das Seminar unter allen Bedingungen seine Pflicht thun. Hier gilt kein Ausweichen. Von anderer,.Seite sagt man: ist die Stellung des jüdischen Lehrers ein solches Streben, solcher Man- »skraft wkrth? Wir glauben, unsere Leser erwarten für diese Frage keine Antwort von unS. Schlechte Lehrer sind für die Welt ein ärgeres Uebel, als gar keine Lehrer. Ist die Stellung schlecht, so bilde man entweder gar keine Lehrer oder nur tüchtige Lehrer. Der gediegene Mensch wird weiterkommen, wirdeine seiner würdige Stellung finden. Genügt nun der Unterricht in der pädagogischen Diociplin, wie er auS dem Lehrplane de» Münster'fchen Seminar» hervorgeht, diesen Anforderungen? Wir müssen auch hier wieder Alle« Herstellen, was der Direktor in seinem Lehrplan« sagt, damit nnser Uriheil nicht ein einseitiges werde. Auf Seite 20 dieses Lehrplanes beißt es: Erziehung und Unterrichtslehre.*) Die Principien der Erziehung und des Unterrichts sowohl, wie auch die Behandlung der einzelnen Unterrichtsfächer mit besonderer Beziehung auf die einklassige Elementarschule, nebst den wichtigsten Erscheinungen und Ergebnisien auS der Geschichte der Pädagogik werden in dem dreijährigen CursuS vollständig besprochen und zum klaren Bewußtsein gebracht. Alles in diesem Lehrfache Dargebotene wird nicht, wie sich wohl von selbst versteht, als Axiom hing.'stellt, sondern beziehentlich auf Anthropologisches und besonders auf die Seelenlebre zurückgeführt. Die Erfahrungen, welche die Lehrerzözlinge des 3. Jahrgangs bei ihrem Probeunterricht in der Uebungsschule machen, so wie ihre desfallsigen Fragen und die Ausführung ihres dort abgehaltenen Unterricht« bilden nothwendiger Weife Gegenstand der Besprechung, welche um so höher angeschlagen werden must, als hier ganz Speclelles und Praktisches jedesmal vorliegt und die besondern Eigenthümlichkeiten und das Individuelle hervortreten, die nicht minder von Seiten der Zöglinge Beachtung verdienen **). Zur Durchnahme gelangt im l. Jahr. 1) Einleitung in die Päoaqog'k. 2) Grundsätze der Erziehung und des Unterricht«. 3) Das Schreiben (mit Bezug auf Schreib- *) In einer Randbemerkung sagt der Direktor: Eineu Tbeil dieses Unrerrichls habe auch ich insofern für mich behalten, als ick in wöchentlich einer Stunde ein schwieriges, psychologisches Werk mit den Zöglingen des oberen Eurfus lese und in gewissen Zeiträumen von ihnen an den Elemeularsckülern psychologische Beobachtungen anstelle» lasse, die (christlich emgeliefert werden Jetzt baden wir aus den Grundsätzen der Erziehungs- und Unterrichtslehre von Titres den psychologischen Theil eurchgenoinmen nnd lesen Herbarl's Psychologie. Mein Motiv ist, den Zöglingen den Weg;u bahnen, auch schwierige psychologische Werke selbstständig studiren zu können. **) Zur praktischen und theoretischen Uebung nehme» die Zöglinge an denjenigen Couferenzen Theil. in welches über die Elementarschüler conferirt wiG. Direktor.